Iráklion – Allgemeine Einführung

Iráklion – Allgemeine Einführung

Was Athen für Griechenland, ist Iráklion für Kreta: eine laute, geschäftige, eigentlich eher recht ungemütliche, unkontrolliert wachsende Metropole, aber auch ePicturesOG/irakhafen.jpgin Ort, an dem man alles bekommt, was es nirgendwo sonst (oder fast nirgendwo, denn auch einige der anderen Städte der Insel sind wirklich keine Dörfer) gibt. Ein Ort, an dem sich der Tourist nur gezwungen aufhält? Weil er da mit fast allen Charterflügen und zumindest mit der Hälfte aller Fährverbindungen ab Piräus landet? Ein Ort, den man am liebsten und besten ganz schnell hinter sich lässt?

Ja und gleichzeitig absolut Nein! Zum gemütlichen Verweilen lädt Iráklion zumindest auf den ersten Blick tatsächlich nicht ein, dafür ist es zu laut und zu wenig „romantisch“. Und kommt man mit Schiff oder Flugzeug an, wirken Stadt wie Flughafen alles andere als besonders einladend, wenn man sich die weißgekalkten Häuser eines Hafenortes auf den Kykladen vorgestellt hat. Wer vom Flughafen in die Stadt fährt, bekommt darüber hinaus auch noch die allerhässlichsten Teile der Stadt als Willkommensgruß zu sehen. Mein (damals) 7-jähriger Sohn kommentierte nach anstrengendem Flug mit Zwischenlandung in Rhodos und nächtlicher Taxifahrt ins Zentrum: „Jetzt weiß ich, dass wir auf Kreta sind, hier liegt überall so viel Müll rum.“ Und so ist es leider hier ganz besonders.
Wer Iráklion einmal kennt und es nicht nach seinen zugegeben nicht gerade hübschen Außenbezirken beurteilt, wird dem allerdings entgegenhalten: Hier ist wenigstens was los. Und das durchaus nicht nur auf touristische Vergnügungen bezogen, denn davon wird anderswo sicher mehr geboten. Iráklion ist tatsächlich eine brodelnde Metropole, hier ist das kretisch-städtische (unromantische) Leben auf seinem Höhepunkt. Und auch das hat seinen Reiz.

Und um eben noch eine weitverbreitete Macke auszuräumen: der Ort heißt nicht Heráklion, diese Verstümmelung verdankt er nur der (antiquierten) Umschreibungskonvention und der damit verbundenen Tatsache, dass alle Charterpiloten sich immerzu im Anflug auf „Heraklion“ befinden. Das ignoriere man einfach und nenne den Ort bei seinem richtigen Namen: Iráklion.

So wichtig und bedeutend die Stadt heute für Kreta ist, sie war es durchaus nicht immer. In minoischen Zeiten genoß sie ein absolutes Schattendasein als kleiner Nebenhafen von Knossós. Erst die Araber gründeten an der Stelle des heutigen Iráklion eine Stadt, nachdem sie Kreta von Süden her erobert hatten. Sie nannten die Stadt Rabd-el-Kandak. Nachdem die Griechen die Stadt zurückerobert hatten, nannten sie sie in Anlehnung an den arabischen Namen „Chandax“, die Venezianer machten später „Candia“ daraus, ein Name übrigens, der auch für ganz Kreta galt. Während der türkischen Fremdherrschaft hieß die Stadt „Megalokástro“, die „Große Burg“, und unter diesem Namen kommt sie z. B. auch in Níkos Kazantzákis‘ Roman „Freiheit oder Tod“ (im Original „O Kapetán Michális“) vor.

Die heute teilweise noch erhaltenen (bzw. restaurierten) gewaltigen Stadtmauern hatten den Türken seinerzeit die Eroberung sehr schwer gemacht. Diese behoben auch nach der Eroberung die Schäden an den Mauern nicht, sondern ließen alles langsam verrotten. Im Schatten der Mauern entwickelten sich slumähnliche Wohnviertel, die erst vor 25 Jahren verschwanden, als die griechische Regierung (inzwischen hieß die Stadt „endlich“ Iráklion, und zwar seit dem Anschluss an das griechische Mutterland) umfangreiche Sanierungsmaßnahmen durchführte. Die so restaurierte Stadtmauer, auf der man in praller Sonne umherspazieren kann, gehört heute mit zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Iráklion als Kretas größte Stadt hat wegen des Umfangs eine eigene Subnavigation

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Iráklion – Kreta