Domatopiláfi (Tomatenreis)

Zutaten
2 Tomaten – enthäutet und gehackt
1 Zwiebel – gehackt
4 Essl. Butter
1-2 Teel. Tomatenmark
Pfeffer
1 gestrichener Teel. Salz
1 Prise Zucker
ca. 0,4 l Rinder- oder Hühnerbrühe (oder heißes Wasser mit entsprechendem Extrakt)
200 g Langkornreis

Zubereitung
Zwiebel in einem Topf mit der Butter andünsten, Tomaten hinzugeben und mit dünsten. Tomatenmark und Gewürze hinzufügen. Brühe angießen und nach dem Wiederaufkochen den Reis in 25-30 Minuten ausquellen lassen, bis alle Flüssigkeit aufgesogen ist.

Tipp
Wenn Sie einen Vorrat an Tomatensauce haben, dann benutzen Sie statt der frischen Tomaten ca. 1/8 l davon. Den Zucker lassen Sie dann weg, der Rest der Zutaten bleibt gleich.

Auf die gleiche Art kann man Kritharákia zubereiten. Sie schmecken noch besser, wenn sie mit Reibkäse bestreut kurz überbacken werden.

Beilage für 4 Personen
Zubereitung ca. 35 Minuten

Merles Tagebuch – Teil 7

Heute war ich wieder in der Hundeschule. Ich bin versetzt worden, ich durfte jetzt bei den größeren Hunden mitmachen, nicht mehr bei den Welpen, weil ich alles schon kann. Das war anstrengend.

Aber hinterher bin ich mit Herrn Frodo, meinem Frauchen und Herrchen und Herrn Frodos Frauchen und Herrchen (die meine kleinen Frauchen und Herrchen sind, wie Ihr wisst) ins Bergische Land gefahren. Herrchens Nichte hatte Geburtstag und da gibt es immer eine „Pahdi“. Ich kannte die ja alle schon Weihnachten und ich bin außerdem sehr kommunikativ, also habe ich alle einzeln begrüßt und kam aus dem Wedeln gar nicht mehr raus. Ich habe ja jetzt so einen hübschen langen und buschigen Schwanz bekommen, haben alle gesagt. Passt mal auf, der wird noch schöner …

Dann war da noch Emma, die ist zwar vieeel älter als ich, aber ich bin schon ein ganzes Stück größer. Emma ist der Hund von Herrchens Nichte und sehr nett. Und sie hat ein eigenes Sofa! Nach dem Essen musste ich schon wieder im Wald spazieren gehen. Das war schön, wir haben auch andere Hunde getroffen, aber danach war ich wieder ziemlich müde. Und weil Emma gerade nicht auf ihrem Sofa lag, habe ich gedacht, ich lege mich da schlafen. Gemütlich …

Und auf der Rückfahrt habe ich mich ganz einfach auf Herrn Frodos Rücken gelegt! Ja, das darf ich …

PicturesKK/_Merle128.jpg
PicturesKK/_Merle129.jpg

„Merles Tagebuch – Teil 7“ weiterlesen

Dicke Bohnen (Koukiá)

Dicke Bohnen (Ackerbohnen, Pferdebohnen, Puffbohnen, Saubohnen) gehören nicht wie die grünen Bohnen zu den Hülsenfrüchten, sondern sind Verwandte der Wicken.

Man isst nur die Kerne (im Gegensatz zu den grünen Bohnen). Je jünger die Bohnen, desto leckerer und zarter sind die Kerne. Sie können notfalls auch durch dicke Bohnen aus dem Glas ersetzt werden, dann braucht man sie nicht mehr zu kochen, sondern nur in der Brühe heiß werden zu lassen.

Achtung
Dicke Bohnen enthalten bestimmte Alkaloide, bei manchen Menschen stößt es da auf eine u. U. erhebliche Unverträglichkeit. Man nennt diese Erkrankung auch Favismus, es ist eine Enzym-Krankheit die auch recht oft im Mittelmeerraum auftaucht. Diese Menschen sollten keine Saubohnen essen.

Avgá mátia kókkina (Rote Spiegeleier)

Zutaten pro Person
Eine große oder zwei kleine Tomaten
3 Eier
Olivenöl
Salz, Pfeffer

Zubereitung
Olivenöl in der Pfanne erhitzen.
Die Tomate in kleine Würfel schneiden und in die Pfanne geben und richtig gut anbraten. Dann die drei Eier „draufhauen“, also drei Spiegeleier über den Tomaten aufschlagen, salzen, pfeffern.

Optimal schmeckt dazu – wie zu vielen anderen Gerichten auch – ein Stück Féta mit Olivenöl und Orégano, ein Tellerchen schwarze Oliven und frisches Brot.

Rezept von Bettina

PS von mir: Ich könnte mir vorstellen, das noch mit gebratenen Speckstückchen und Zwiebeln anzureichern – so für mich persönlich – aber es muss sicher nicht sein. Diese Variante wäre wohl  noch würziger, Bettinas schmeckt sicher aber genau so saftig – die Tomaten machen es eben.

So singt Griechenland

Griechische Musik ist mehr als Bouzuki und Sirtaki…, 30. Juli 2001
Von Anonymus
Es steht mir nicht an, die großartige Leistung des Verfassers zu kommentieren, der es als erster und wohl einziger übernommen hat, die Fülle des griechischen Liedguts auch uns Nichtgriechen zugänglich zu machen. Noch brauchen die Griechen selbst so ein Werk nicht – noch ist unter Ihnen die griechische Musik allgegenwärtig. In der hier zusammengestellten Musik wird uns die griechische Seele offenbar – sie liegt der Musik am offensten zu Tage. Nicht umsonst werden die Komponisten der Kunstlieder (eine der Gattung nach vergleichbare Stilrichtung wie das französische Chanson) in Griechenland hoch verehrt. Da gibt es bei weitem nicht nur Theodorakis, Chatzidakis, Xarchakos, Loizos, um nur einige der bekannteren Genies zu nennen! Daneben enthält das Werk Rembetika und klassische Volkslieder, ebenfalls mit Noten und Texten in griechischer Schrift mit Lautschrift und Übersetzung. Die Texte sind oft Lyrik von allererstem Range!! Oft sind die Rhythmen für unser Gefühl schwierig (9/8 und 7/8 -Takte)- in der Not hilft ein guter Internet-Link beim Verfasser des Buches selbst: Kreta-Klaus.de – mit einfachen Melodien zum Abrufen. Es ist eine wahre Lust, in dem Werk auf musikalische Entdeckungreise zu gehen! Vieles wird man wiedererkennen, vor allem bei den Kunstliedern, bei deren Melodien sich z.B. Milva mit ihren emanzipatorischen Liedern, weniger überzeugend vielleicht auch Vicki Leandros, ausgiebig bedient haben. Hier sieht man dann, welch‘ hohe Qualität die Originale haben! Und man findet die Urvorlagen für das, was heute so in Tavernen (und Bousukia) als griechische Musik herumgedudelt wird. Jeder Griechenlandliebhaber wird seine Freude mit diesem Buch haben, und für Musikliebhaber ist es ein „muss“! Das Standardwerk!

Mehr als ein Liederbuch, 20. März 2004

Von Christiane Bötig
Das Buch eignet sich hervorragend für alle, die griechische Lieder selbst auf irgendeinem Instrument spielen oder ganz einfach nur mitsingen wollen. Sein tieferer Wert besteht allerdings darin, dass man endlich einmal die so oft gehörten Texte auch versteht und so erfährt, wie poetisch und voller – für den Fremden kaum verständlicher – Symbolik auch einfache griechische Gassenhauer-Texte sind. So ist das Buch selbst für Philhellenen nützlich, die absolut unmusikalisch sind.

Chandrás

Der Ort Chandrás gab der südöstliche von Sitía gelegenen Hochebene seinen Namen. Die Ebene ist eines der Weinbauzentren der Insel mit Schwerpunkt auf derProduktion von Sultaninen. Ebenso wie im Gebiet südlich von Iráklion/Archánes kann man hier im Sommer überall die zum Trocknen ausgelegten oder aufgehängten Trauben sehen. Wehe, wenn es dann regnet …

Die Ebene wirkt ein bisschen wie ein „kleiner Bruder“ der Lassíthi-Hochebene, denn hier stehen (auch) noch Windmühlen – aber auch viele moderne große Windräder.

Essen und Trinken
Eigentlich ist die „Kafeteria Kamara“ nur ein besseres „Fastfoudádiko“ (ein Schnellimbiss). Sie liegt am kleinen Dorfplatz und sieht auf den ersten Blick auch nur bedingt einladend aus. Doch der Schein trügt. Alles, was es gibt (kleine Souvlákia, Tsatzíki, Patátes, Bauernsalat etc. – also eben auch nur eine beschränkte Auswahl), ist von weitaus besserer Qualität, als man vermuten könnte. Die Zutaten zum Bauernsalat sind extrem schmackhaft, das Tsatzíki garantiert nicht aus dem Eimer, sondern hausgemacht und mit ein wenig Olivenöl extra angerichtet und die Souvlákia haben genau den richtigen Fettanteil, der sie saftig schmecken lässt. Also ein erfreuliches Beispiel für „mehr sein als scheinen“!

Von Chandrás aus lohnt ein Abstecher in das unweit gelegene verlassene mittelalterliche Dorf  Voilá, nach Etiá oder nach Zíros. Oder man fährt hinunter nach Xerókambos, eine Tour, die schon wegen der bombastischen Ausblicke lohnenswert ist.

Praessós (Ausgrabungen)

Die Reste des antiken Praessós, einer nachminoischen Stadt aus dem 12. Jahrhundert v. Chr. liegen etwa 14 Kilometer südlich von Sitía beim Dorf Néa Praessós (an der Straße von Sitía nach Chandrás). Vom Dorf führt eine befahrbare Betonpiste etwa 2 Kilometer nach Norden bis zu den spärlichen Ausgrabungen.

Alten Funden zufolge wurde die Stadt Praessós von der minoischen Urbevölkerung gegründet, die sich vor den neuen dorischen Herren der Insel  Kreta ins Landesinnere zurückzogen. Die Stadt  Praessós lag auf drei Hügeln.

Zu sehen sind noch einige Grundmauern, Tholos- und Kammergräber, die in den Felsen gehauen wurden, sowie einige andere kleinere Überreste. Auch die Bewohner von Praessós hat einen schönen Blick bis zum ägäischen Meer bei Sitía.

Kreta 1976 – wenn Englein reisen

Am 17. Mai 1976 lernte ich Yvonne kennen: Und wie sagt es schon der Schlager: „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben!“
Am 18. Mai fragte ich sie, ob sie mit mir im Sommer nach Kreta fahren wollte.

Ich erwähnte bereits, wie ich mich zu erinnern glaube, dass ich mit dieser süßen Blondine seit fast 33  Jahren zusammen und seit fast 29 Jahren verheiratet bin. Wer die Bilder sieht – sie ist die mit den langen Haaren -, wird mich sicher verstehen.

PicturesKJ/for-1976-03_Litochoro.jpgUnd nun fuhren wir das erste Mal zusammen in Urlaub. Für mich war es ja nicht das erste Mal Griechenland und so hatte ich ihr von meiner Lieblingsinsel Kreta ausführlich vorgeschwärmt und überzeugt, wie man als junger Mann des Sternzeichens Löwe nun einmal von sich sein kann, auch meine „ausführliche Erfahrung“ ebenso ausführlich betont. Und da es schon immer ihr Traum gewesen war, nach Griechenland zu fahren, passte alles wunderbar zusammen: Sie freute sich auf Griechenland und ich mich auf sie und Griechenland (in dieser Reihenfolge).

Zusammen mit Ulrike und Achim, dem Schlagzeuger unserer damaligen Swing- und Jazzband, machten wir uns in Achims alten Käfer auf die lange Tour durch Jugoslawien, von der ich nichts besonderes zu berichten weiß.

Der erste Halt fand traditionsgemäß in Litóchoro am Fuß des Olymps statt. Nach den zwingend notwendigen Souvláki im Dorf, die für mich immer noch die besten der Welt waren, wollte ich meinen Mitreisenden noch das lustige Lokal weiter oben mit den kleinen Wasserläufen und –rädern zeigen. Zuerst aber wanderten wir ein Stück am Berg entlang zum Ursprung des Wassers, immer auf der betonierten Wasserleitung entlang. Diesmal verkniffen wir uns aber das Baden im kleinen Teich, denn wie schon erwähnt war dieser ja das Trinkwasserreservoir des Dorfes.

PicturesKJ/for-1976-04-Litochoro.jpgNachdem wir genügend die Landschaft genossen hatten, kehrten wir dann auf Retsína und Salat im Lokal ein. Der notgeile Zwerg von Wirt – sorry – kriegte natürlich sofort feuchte Lefzen. Er hielt sich nur mühsam zurück, da die beiden hübschen Damen in kräftiger Begleitung waren. Dass die Damen hübsch und Achim kein Hänfling waren, kann man unschwer den beigefügten Fotos entnehmen.

In jedem Fall war es ein erholsamer Nachmittag, denn – auch das erwähnte ich schon – hier oben ließ und lässt sich selbst die größte Hitze aushalten.

Den Abend verbrachten wir wieder in der Bar mit dem Alleinunterhalter, einige Soldaten machten wie 1972 große Augen, aber zu näheren Kontakten kam es dieses Mal nicht, da wir augenscheinlich pro weiblichem auch ein männliches Wesen waren.

Die Nacht verbrachten wir ebenfalls wie gewohnt in den Schlafsäcken unten am Meer. Im Nachhinein habe ich mich oft gefragt, warum so viele Mädchen so klaglos diese primitive Art des Reisens mitgemacht haben. „Meine“ Yvonne entwickelte aber im Laufe dieses Urlaubs ihre sehr persönliche Art der Körperpflege, d. h. sie fand immer eine Dusche und wenn sie auch mal kalt war. Und wie sie in Kókkinos Pýrgos sehr zur Begeisterung der einheimischen Männerwelt von mir mit Kneippschen Wassergüssen aus dem eiskalten Brunnen „gepflegt“ wurde, dazu später mehr.

PicturesKJ/for-1976-05_Piraeus.jpgAm nächsten Morgen badeten wir ausgiebig und überlegten, ob wir nun stur nach Piräus durchfahren, oder uns noch eine weitere Übernachtung auf der Strecke gönnen wollten. Da wir reichlich Zeit hatten, fiel die Entscheidung für letztere Option.

Wir fuhren bis Arkítsa, dem kleinen Fährort zur Nordspitze von Évvia (Euböa). Dort hatten wir vor, uns wieder ein ausführliches Essen zu gönnen und uns danach irgendwo unten am Meer einen Schlafplatz zu suchen. Am nächsten Morgen konnten wir es dann sehr ruhig angehen lassen, um zeitgerecht die Fähre nach Chaniá/Soúda zu erreichen.

Und dann kam es, wie es leider kommen musste. Ich kannte dieses Dorf bis zu jenem Tag noch nicht, sonst wäre ich gleich zum Fährhafen und zu den dortigen Souvláki-Bratereien gefahren, denn wie man die bestellt, wusste ich schon und die ganze Aktion wäre nicht so peinlich für mich geworden.

Kreta 1976 – Teil 2

Stattdessen hielten wir leider schon am Dorfplatz an und setzten uns in die einzige dort vorhandene Metzgereitaverne. „Leider“ nur, was den Eindruck betraf, den ich bei dieser Einkehr machte, denn das Lokal war im Endeffekt sehr gut. Wir waren dort übrigens die einzigen Touristen.

Ich bestellte Souvláki, was der Wirt mit einem bedauernden Schulterzucken verneinte. Alle weiteren Versuche, mich ihm verständlich zu machen, scheiterten kläglich. Er verstand weder Englisch noch Deutsch und ich kannte die Speisen nicht, die er mir auf Griechisch offerierte. Es gab natürlich auch keine Wärmetheke, so dass ich irgendwo drauf hätte zeigen können, es war ja eine Taverne und sein Fleisch hing im Kühlraum.

Es war mir entsetzlich peinlich, dass ich zum Schluss einen Sprachführer hervorziehen musste – zum Glück konnte der Wirt lesen – und es zwar zu einer befriedigenden Mahlzeit kam, aber leider auch zu einigen spöttischen Blicken und dezenten Bemerkungen meiner frischen Geliebten. Ich versank für Wochen im Boden und beschloss dann später, als ich wieder über die Grasnabe schauen konnte, zusammen mit ihr: „Nun werden Nägel mit Köpfen gemacht, wir lernen richtig Griechisch!“
PicturesKJ/for-1976-09_faehre.jpgUnd so war es im Oktober 1976, dass wir zum ersten Mal an der Kölner Uni vor Hans Eideneier saßen, inmitten von ca. 40 weiteren Sprachanfängern und wir haben es durchgehalten. Natürlich machen wir beide noch Fehler, aber wir können uns schon recht gut verständigen und auch durchaus sachbezogene Diskussionen führen.

Am nächsten Morgen widmeten wir uns nach der wiederum am Strand verbrachten Nacht sehr ausführlich der Körperpflege, denn wir hatten unterhalb (!) einer Viehtränke ein weiteres Süßwasserbecken entdeckt, in dem es sich trefflich baden ließ. Leider darf ich die Bilder der Grazien und der Faxen machenden Herren hier nicht veröffentlichen.

Sei es wie es sei, wir fuhren gegen Mittag die paar Kilometer nach Piräus weiter, erstanden die Tickets und gingen früh an Bord. Ebenfalls traditionsgemäß hatten wir alles für den Schweizer Wurstsalat dabei, die Damen schnibbelten und tranken, während die Herren eigentlich nur tranken und die Sauce anrührten. Auf einem der angefügten Fotos sieht man, dass man für das Anrühren nur eine Hand braucht.

PicturesKJ/for-1976-10_faehre.jpgDa damals viele PKWs immer noch auf dem Oberdeck standen, wenn auch ein Deck tiefer als wir, gelang mir ein lustiges Bild einer „Kälberkutsche“, aus der entweder einige entkommen oder vorübergehend zum „Grasen“ auf Deck freigelassen worden waren.

Irgendwann rollten wir uns in die Schlafsäcke … am nächsten Morgen würde wieder das „Kyani Akti“ bei Kalýves unser Ziel sein, denn das war immer noch einer der schönsten Plätze für mich, um auf Kreta erst einmal anzukommen und sich ein paar Tage zu akklimatisieren.

Gegen halb sieben Uhr lief die Fähre in die Souda-Bucht ein. Wir waren natürlich längst auf und bewunderten die majestätischen weißen Berge im Licht der aufgehenden Sonne. Yvonne und Ulrike waren frech wie Oskar wie schon am Vorabend in der 2. Klasse duschen gegangen. Ich erwähnte ja bereits, dass Yvonne immer eine gute Waschgelegenheit fand. Aber sie berichteten, dass sowohl die Duschen als auch die Toiletten sich jetzt am Morgen in einem ziemlich erbarmungswürdigen Zustand befanden.

Ich zeigte meinen Gefährten das Fort Izzedine und erklärte ihnen, dass wir dorthin fahren würden. Die Blamage von vorgestern gehörte der Vergangenheit an und ich gab wieder den erfahrenen Reiseleiter.
Wir hatten den Käfer günstig geparkt, da wir recht früh auf die Fähre gefahren waren und mussten uns also nicht besonders beeilen, in den Laderaum hinter zu steigen. Erst als das Schiff fest vertäut am Kai lag, packten wir unsere Siebensachen zusammen und machten uns auf.

PicturesKJ/for-1976-07_Faehre.jpgBis zum Kyani Akti und Kalýves sind es von Soúda aus nur wenige Kilometer. Wir kamen also zur besten Frühstückszeit an. Ich hatte die anderen aber schon vorgewarnt, dass sie mit einem mitteleuropäischen Frühstück nicht rechnen durften. Immerhin gab es Frappé … die Männer hielten sich schon wieder an Retsína. Ein großer Bauernsalat, zwei Portionen Féta mit „ládhi ke rígani“, Oliven und Brot … wir ließen es uns gut gehen. Die Familie erkannte mich wieder – dafür haben die Kreter und Griechen wie schon mal erwähnt ein besonderes Talent – und begrüßte uns entsprechend freundlich.

Dann wollten die Damen natürlich baden. Dies bereitet am Kyani Akti besonderes Vergnügen, da neben dem Meer auch noch der eiskalte Süßwasserfluss Kíliaris lockt. In diesem Jahr war er so ausgebaggert worden, dass er parallel zum Meer über den Strand floss, man musste also hindurch, um ins und aus dem Meer zu kommen. Heute verläuft er anders!
Das war ganz herrlich, denn beim Hineingehen schwamm bzw. watete man zuerst durch den kalten Fluss, um dann das wesentlich wärmere Meer wie eine Badewanne zu empfinden. Und auf dem Rückweg tauchte man einmal hindurch und war salzfrei … und sehr erfrischt.

Zudem gab und gibt es noch eine Außendusche, die Hygienemöglichkeiten waren also perfekt.
Das Schilfdach, unter dem noch vor ein paar Jahren unser Tempo Matador geparkt hatte gab es leider nicht mehr, so hatten wir eben keinen Schatten für das Auto, aber das war auch nicht weiter schlimm.

PicturesKJ/for-1976-12_Kyani.jpgWir blieben drei Tage dort, schliefen natürlich am Strand, denn eine andere Möglichkeit gab es nicht (das erste Zimmer, das ich auf Kreta gemietet habe, war meiner Erinnerung nach 1979 – und das auch nur, weil es Frühjahr war und wir am Strand von einem ekelhaften Dauerregen überrascht wurden … eine andere Geschichte! Und wir aßen und tranken eine Menge, natürlich immer nur im Lokal, das für mich nach wie vor eines der allerbesten Kretas ist. Keine sehr große Speisekarte, aber ich habe dort mehrere hundert Male gegessen und nicht einmal (!) hat es meinen Mitreisenden oder mir nicht hervorragend geschmeckt.

Dann zog es uns aber wieder weiter. Wir fuhren nach Paleóchora, wo wir aber nicht lange blieben, da es recht windig war … (erst im nächsten Jahr sollte es ein längerer Aufenthalt werden).

Kreta 1976 – Teil 3

PicturesKJ/for-1976-16_Kokkinos.jpgUnd dann fuhren wir wieder mal nach Kókkinos Pýrgos, aber wie ich anderen Berichten entnehme, war ich nicht der Einzige, der in jenen Jahren immer wieder dort aufschlug. Das „Dorf“ bot nämlich neben aller Hässlichkeit den Vorteil, dass man dort im Gegensatz zu Mátala und insbesondere Agía Galíni kaum andere Touristen antraf (und wenn, immer die gleichen paar, die dort schon fast zum Inventar gehörten).
Es gab ja auch nicht viel Besonderes dort: Direkt an der Hafenmole, die damals noch viel kleiner war (siehe Foto) ein Restaurant, das auch ein paar Zimmer vermietete, und wirklich für damalige Verhältnisse überteuertes Essen anbot. Der Wirt wurde dem Vernehmen zufolge auch mal wegen Preiswuchers verknackt. Des weiteren Kostas Kafenío und Jannis unsägliche Kneipe, die ich ja schon beschrieben habe. Jannis betrachtete mich nach den Vorjahren sowieso als sein persönliches Eigentum und hätte gar nicht zugelassen, dass ich woanders esse … insbesondere, als er Yvonne in Augenschein genommen hatte. Er war schon von Susi und Helga sehr angetan gewesen, aber Yvonne schlug alles. Jannis scharwenzelte dauernd um sie herum … aber er war natürlich Gentleman genug – im Gegensatz zu dem erwähnten Herren vom Olymp – nicht wirklich zudringlich zu werden.

PicturesKJ/for-1976-13_Kokkinos.jpgWir schliefen in der Regel mit Luftmatratzen auf dem Dach der kleinen Betonhütte am Hafen (auf einem der Fotos kann man den Rand des Daches im Vordergrund sehen). Das hatte den Vorteil, dass wir morgens Schatten hatten.
Jannis kochte übrigens sehr gut – in seine Küche sollte man aber besser nicht schauen. Erst in späteren Jahren half ich auch mal abends aus, bereitete Bauernsalate zu und kellnerte. Aber nur zum Spaß …

Wir ließen uns von der Transusigkeit des Dorfes anstecken, badeten und sonnten uns auf der Mole, aßen und tranken Unmengen von Jannis‘ Hauswein, den er in Plastiklitermaßen an den Tisch brachte. Meistens holten wir ihn uns aber selber, denn wie jedes Jahr zahlte ich nur einmal, nämlich bei der Abreise. Alles, was wir verzehrten, musste ich selbst notieren, dafür hatte Jannis keinen Nerv. Ich habe ihn übrigens nie betrogen, jedenfalls nicht absichtlich. Oft wurden wir zum Essen der Familie eingeladen (was aber nicht immer ganz meinem Geschmack entsprach … denn was seine Familie betraf, war Jannis ein ziemlicher Geizhals).

PicturesKJ/for-1976-14_Kokkinos.jpgAuf den beiden Schwarz-Weiß-Fotos eine große Holztafel zu sehen, das war Jannis‘ „Speisekarte“. Natürlich standen da keine Preise drauf und er hatte auch nicht immer alles da, was darauf stand. Diese „Speisekarte“ gibt es heute noch, auch wenn das Lokal seit Jannis‘ Tod geschlossen ist.

Eines Tages passierte folgendes: Zwei Männer vom Ordnungsamt bestellten bei Jannis etwas zu essen und bekamen es auch. Nur hatte Jannis leider überhaupt keine Genehmigung, Essen anzubieten … Nachdem die beiden aufgegessen hatten, bezahlten sie und zeigten Jannis an, unter anderem mit der Begründung, man dürfe nicht kochen, wenn man keine Speisekarte hat. Da kamen sie bei Jannis aber nicht gut an. Mit Hilfe eines Freundes demontierte er die Tafel und karrte sie mit dem Pickup eines Bekannten zur Gerichtsverhandlung. Dort zeigte er seine „Speisekarte“ vor und wurde freigesprochen … er kochte bis zu seinem Tod weiter und keiner hat ihm je wieder Schwierigkeiten bereitet.

PicturesKJ/for-1976-15_Kokkinos.jpgJannis fuhr ein absolutes schrottreifes Moped, dies war sein einziges Fortbewegungsmittel. Die zwei Kilometer bis Timbáki schaffte er damit, aber dann und wann musste er auch nach Míres, um Zigarettennachschub einzukaufen. Ich glaube mich zu erinnern, dass es diesen Kioskwagen von   1976 noch nicht gab, damals lagerte Jannis die Zigaretten noch in Schubladen hinter dem Tresen.

Ein solcher Ausflug nach Míres bedeutete natürlich immer ein gewisses logistisches Problem, und so war er froh, wenn sich gerade ein Tourist bei ihm aufhielt, der über ein Auto verfügte. Ich war sein Lieblingsopfer …

Wir fuhren also morgens recht früh (Yvonne fuhr natürlich mit, die anderen schliefen noch) mit Jannis nach Míres. Er erledigte seine Einkäufe und dann gingen wir jedes Mal gemeinsam „frühstücken“. Ich setze das Wort hier in Anführungszeichen, denn es war für uns schon ungewöhnlich, morgens gegen neun Uhr in einer Psistariá (einer Grillstube) Platz zu nehmen und einen mit Koteletts überreichlich gefüllten Teller – einzige Beilage war Brot – zu verzehren. Dazu gab es pro Person mehrere Flaschen Bier, das ich ansonsten auch in diesem Jahr aus Kostengründen nicht trank. Mehr als gesättigt und alle leicht angesäuselt waren wir dann gegen halb elf wieder zurück in Kókkinos Pýrgos.

PicturesKJ/for-1976-35_Faehre.jpgYvonne ging gerne auch mal alleine spazieren, worüber sich Jannis immer wieder Sorgen machte. Zwar wussten alle im Dorf, dass sie die meine war – und bis auf eine einzige Ausnahme wurde sie auch nie belästigt – aber sie hätte sich ja was brechen können oder sonst was. Einmal sagte er den in die Annalen eingegangenen Satz zu ihr: „Du egal Ziega!“ Das sollte keine Beleidigung sein, sondern verdeutlichte nur, dass er es gar nicht so gut fand, wo sie überall herumkrauchte …

Ganz zu Beginn hatte Yvonne ihn scherzhaft gefragt, ob es im Meer Haifische gebe. Seine Antwort: „Nix im Meer, Eisfische (!) gibt nur an Strand!“

PicturesKJ/for-1976-36_Faehre.jpgAber auch der schönste Urlaub geht zu Ende. Die Rückfahrt mit der Fähre verlebten wir einmal mehr „luxuriös“. Zwar hatten wir nur Holzklasse gebucht, d. h. wir schliefen wieder an Deck, doch ein opulentes Abendessen sollte schon sein. Und so bastelte ich es zusammen. An einem windgeschützten Platz – man hatte ja inzwischen so seine Erfahrungen – entstand ein „kaltes Buffet“ vom Feinsten.

Ulrike hatte sich zwischenzeitlich selbständig gemacht und fuhr nicht mit uns zurück, dafür jemand anderes, die Achim kennen gelernt hatte und die sehr nett war.