Kotópoulo á la Milió – Hähnchen auf kretische Art

Zutaten
1 kg kleine Kartoffeln
750 g kleine Zwiebeln (oder Schalotten)
5 Zitronen
4-6 Hähnchenschenkel
250 ml Olivenöl
2 EL Thymian, frisch oder getrocknet
Pfeffer, Salz
2 Bund frischer Basilikum (oder Petersilie)
Zubereitung
Die Kartoffeln und Zwiebeln schälen. Die Zitronen auspressen, ihre Saftmenge abmessen (ca. 25 ml sind ideal) und mit derselben Menge Olivenöl mischen. Salz, Pfeffer und Thymian beigeben und gut mischen und abschmecken.

Die Hähnchenschenkel, die Kartoffeln und die Zwiebeln in das Zitronenöl tauchen und danach auf der Saftpfanne oder dem Backblech des Backofens verteilen. Das restliche Zitronenöl darüber gießen.

Bei 200 Grad C 1 ½ Stunden garen. Vor dem Servieren mit dem gehackten Basilikum bestreuen.

Für 4 Personen
Vorbereitungsdauer ca. 30 Minuten
und 1 ½ Stunden Backofenzeit

Rezept von Milió aus Kreta

Ierápetra: Die „Cretan Villa“

Ich bin ja mit Superlativen sonst lieber vorsichtig. Und wenn ich hier die „Cretan Villa“ als eines der schönsten Hotels Kretas bezeichne, dann will das auch sorgfältig begründet sein.

PicturesOG/cretan_villa.jpgDas Hotel liegt mitten in der Stadt, ist aber trotzdem ruhig, da es in einer Nebenstraße liegt. Ein liebevoll (!) renoviertes altes Haus, z.T. Bruchsteinwände in den Zimmern, ein grün überwachsener Innenhof, trotz aller Zugeständnisse an den erwünschten Komfort wie Klimaanlage, Fernseher, Kühlschrank ein echtes Stück altes Kreta.

Der noch recht junge (im Verhältnis zu mir!) Chef Manolis, optisch ein gutaussehender Späthippie, führt dieses Haus getreu seiner eigenen Philosophie: Es soll alles schön, aber ursprünglich sein. Und es gelingt ihm, dass der Gast sich hier wirklich gut aufgehoben fühlt. Frühstück gibt es nicht (dafür geht man dann eben beispielsweise in’s „California“).

Wenn ich mich mit Manolis über seine Heimatinsel unterhalte, dann spüre ich jedes Mal, wie sehr er unter manchen Entwicklungen leidet, wie sehr er die Insel und ihre Natur liebt und wieviel ihm wirklich daran gelegen ist, dass sich nicht nur immer alles verändert. Er gehört tatsächlich zu der Spezies von Idealisten, die ich längst ausgestorben wähnte. Und das, obwohl er von seinem Hotel lebt und leben muss. Und übrigens ist er der Einzige, der nicht über die ausbleibenden Touristen jammert. Er sagt höchstens: „Die guten Jahre waren früher!“

Unsere große Sympathie beruht auf Gegenseitigkeit, denn er sagte mir einmal, ich sei ein besserer Botschafter für Kreta, als all die Leute, die dafür bezahlt würden.
Und jedes Mal, wenn ich mich von ihm und seiner Freundin Despina verabschiede, tue ich das ganz schnell, denn ich hasse Abschiede von Freunden …

Cretan Villa

Kloster Chryssoskalítissa

PicturesKJ/chrysso.jpgDas Kloster Chryssoskalítissa liegt an der südlichen Westküste Kretas. Der Name bedeutet soviel wie „goldene Treppe“, denn der Legende zufolge soll eine der vielen Stufen, die zum Kloster hinaufführen, aus Gold sein. Natürlich sieht man die nicht, denn „nur wer ohne Sünde ist“, kann die Stufe sehen. Und wer ist das schon?

Das Kloster Chryssoskalítissa liegt in einer kleinen Ebene auf einem Felshügel. Es stammt aus dem 17. Jahrhundert. Es lebt nur noch eine Nonne hier, der das Gehen allerdings inzwischen ein wenig schwer fällt. Um so mehr freut sie sich über Besuch.

Wer sich in den hinteren Teil des Kloster Chryssoskalítissa über dem Meer begibt, sollte keine Höhenangst haben, denn hinter der nur niedrigen Mauer geht es doch recht steil in die Tiefe. Ganz am Ende der Balustrade eine kleine Toilette, von der aus alle großen und kleinen Geschäfte in „freiem Fall“ ins Meer entsorgt werden. Ich denke mal, die Quantität, die hier so anfällt, wird das Meer verkraften.

Vathý Iremía: Die „tiefe Stille“ südlich von Mátala

Von der Schotterstraße zwischen Sívas und Kalí Liménes zweigt am Kloster Odigítrias ein Fahrweg ab, an dem ein Schild „Vathý Iremía“ aufgestellt ist. Als ich diesen Wegweiser das erste Mal sah, las ich versehentlich „Vathý Erimiá“, was „tiefe Einsamkeit“ bedeutet, und war natürlich sehr gespannt, was das für eine Einsamkeit sein könne, in die es sogar einen Wegweiser gibt!

Außerdem findet sich im weiteren Verlauf der Strecke mehrfach ein Hinweisschild nach „Mártsalo“ (eine Kapelle oberhalb des Meeres, nicht etwa die falsche Schreibweise von Mátala). An einer der späteren Abzweigungen weist das Schild nach „Vathý“ links hinunter, wenig später wird der Weg deutlich schlechter und verlangt einen geübten Fahrer oder Allradantrieb, um wieder hinauf zu kommen (am besten natürlich beides).

PicturesOG/stille3.jpgDie „tiefe Stille“ entpuppt sich als eine wunderschöne Badebucht, die zwischen dem Kap Líthino und Mátala liegt, sie schneidet tief in die Felshänge ein und verfügt über kristallklares Wasser sowie einen schönen (schattenlosen) Sand-Kieselstrand, dem in Mátala ähnlich.

Trotz der großen Einsamkeit und der tiefen Stille gibt es tatsächlich Abfalltonnen am Strand, die der einzige Bewohner und Eigentümer dieses schönen Fleckchens Erde, Nikos Sifákis, dessen Familie aus Gérgeri bei Zarós stammt, hier aufgestellt hat.

Übrigens liege ich möglicherweise falsch mit meiner Übersetzung „tiefe Stille“, auch wenn sie  sprachlich korrekt ist. Aber ich wurde belehrt, dass „Vathý“ hier wohl nicht als Adjektiv zu verstehen ist, sondern einfach als Bezeichnung für eine tief eingeschnittene Bucht (mit dem Namen „Stille“). Ich bin bereit, das nicht völlig von der Hand zu weisen und danke für den Hinweis, Wolfgang.

Nikos lebt hier das ganze Jahr über mit seinen Schafen (und seinem Allradauto natürlich) und getreu dem Motto „wo ein Grieche ist, gibt es auch ein Kafenío oder eine Taverne“ betreibt er ein(e) solche(s), ohne elektrischen Strom freilich und mit sehr eingeschränktem Angebot … und vermutlich nur als Hobby, denn es verirren sich nur wenige potentielle Gäste hierher. Nur dann und wann schippert ein Boot aus Mátala ein paar Gäste hierher, dann sitzt man zusammen, isst und trinkt. Nikos spielt auch Lyra und war richtig enttäuscht, dass ich meine Gitarre nicht dabei hatte, um mit ihm zusammen zu spielen. Er fragte mich: „Wie kannst du ohne Waffe in den Krieg ziehen?“ Zum Glück fiel mir die passende Antwort schnell ein: „Wie konnte ich in dieser schönen Bucht erwarten, Krieg zu finden?“

Einige halbfertige hässliche Bauten oberhalb seines Hauses am Hang zeugen von dem abgebrochenen Versuch anderer Kreter, sich hier zumindest für den Sommer niederzulassen, und so wohnt Níkos hier bisher ganz allein. Die „tiefe Stille“ ist garantiert! Wer genug Zeit und Fleisch (erstere hat Níkos selbst genug, letzteres kann er mangels Kühlmöglichkeit nicht lagern) mitbringt, dem (und sich) bereitet er es gerne im holzgefeuerten Freiluft-Backofen zu. Während der Garzeit kann man die zahlreichen Halb- und Ganzrelief-Steinmetzarbeiten von Níkos bewundern, die er ringsum aufgestellt hat.
Natürlich erlaubt er auch das wilde Campen, und da ihm die ganze Gegend gehört, ist es auch nicht mehr richtig „wild“. (KK)

Spíli: Der Brunnenplatz mit den venezianischen Löwen

Spíli liegt an der neuen Straße von Réthymnon nach Agía Galíni, Plakiás etc. etwa in der Mitte der Insel.

PicturesKJ/spili.jpgWer einmal bei brütender Mittagshitze quer über Kreta gefahren ist, der wird meine Liebe zum „Brunnenplatz“ in Spíli nachvollziehen können. Im Zentrum des Bischofsstädtchens speien 19 Löwenköpfe auch im heißesten Sommer reichlich kühles Wasser.

Und nachdem man den Kopf unter einen der vielen Strahlen gehalten hat, ist man wieder frisch und kann sich dann in einem der Cafés am Platz zu einer gemütlichen Rast niederlassen.

Auch sonst ist Spíli ein schönes Standquartier für den, der nicht unbedingt unmittelbar am Meer wohnen will. (KK)

Ravdoúcha: Kirchlein und Picknickplatz

Das Dorf Ravdoúcha liegt oberhalb der Westküste der Halbinsel Rodópou im Nordwesten der Insel. Inzwischen muss man nicht mehr die alte Straße zwischen Chaniá und Kastélli befahren, um nach Ravdoúcha zu kommen. Die Abzweigung ist auch von der „New Road“ aus ausgeschildert.

Hier sei insbesondere einer meiner Lieblingsplätze auf Kreta beschrieben:
Man fährt im Dorf Ravdoúcha bis zur Kirche, die links neben der Straße liegt. Direkt gegenüber der Kirche biegt rechts ein asphaltierter Weg ab, der steil hinunter zum Meer führt (Schild: „Pros Paralia Tavern“, was soviel heißt wie: „zum Strand und zur Taverne“).

Von dieser Abzweigung sind es hinunter zum Strand ca. 2,5 Kilometer, aber schon nach etwa 1 Kilometer ist eine kleine Kirche erreicht, die oberhalb des Weges in den Hang gebaut ist (im Inneren Fresken und Wandmalereien unbestimmten Alters). Direkt am Weg unterhalb der Kirche der alte Waschplatz des Dorfes, zu dem früher die Frauen hinunter pilgerten, als es weder Wasser, Strom noch Waschmaschinen gab. Vor der Kirche liegt ein kleiner Picknick-Platz mit Steinbänken und -tischen und einem überwältigendem Blick auf den Golf von Kastélli.

Leider wird dieser Blick seit einiger Zeit aber erheblich durch ein neues Appartementhaus unterhalb der Straße getrübt: das Panorama ist immer noch herrlich, aber man schaut eben von oben auf diesen Betonklotz.

Restaurant „Romantika“ in Agía Galíni

PicturesKJ/agheidi3kl.jpgKyriákos Petrakákis und seine österreichische Frau Heidi haben hier eine kleine idyllische Oase geschaffen. Eigentlich war das überhaupt nicht ihre Absicht, denn sie betrieben vorher viele Jahre lang ein Lokal in Kókkinos Pýrgos und hatten davon die Nase voll. Eigentlich wollten sie nur noch leben, Kyriákos, sich seiner Liebhaberei, dem Malen, widmen (er malte übrigens exzellent!) und vielleicht noch für den Lebensunterhalt zum Fischen fahren.

Irgendwann war das aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich, und so besannen sie sich auf ihre anderen Talente: Sie begannen mit einem kleinen „Kiosk“, von dem aus sie kleine Speisen „über den Strand“ verkauften. Nach und nach wurde angebaut, und zwar mit viel Liebe und Sorgfalt, gepflanzt etc.
Nach Kyriakos‘ Tod hat Chefin Heidi alles im Griff, mit tatkräftiger Unterstützung ihrer Söhne, vor allen Dingen des Älteren, Jannis, der ein charmanter Filou ist.

PicturesKJ/agheidi6kl.jpgÜber den Süßwasserfluß nebenan führt eine Fußgängerbrücke, die häufig durch Unwetter zerstört wurde, aber inzwischen sehr massiv aufgebaut wurde, am Strand gibt es Liegen und Sonnenschirme und vor allen Dingen immer hervorragendes Essen.
Ein paar schöne Zimmer vermieten sie auch. Ab Sommer 2003 sind sechs funkelnagelneue Appartements dazu gekommen, richtig edel (und zu Recht auch ein bisschen teurer). Telefon 0030-28320-91014.

Das Lokal liegt in der Nähe des Campingplatzes und ist mit dem Auto von der Zufahrtsstraße nach Agía Galíni zu erreichen. Wenn man den Berg hinunter gekommen ist, liegt rechts eine Tankstelle, ein paar Meter weiter biegt links das Sträßchen zum Campingplatz und zum „Romántika“ ab. (KK)

Souzoukákia Smyrnéika (Hackfleischröllchen auf Smyrna-Art)

Zutaten
600 g Hackfleisch, am besten vom Lamm
1 Tasse Brotkrumen, gut zerkleinert
2 Knoblauchzehen, zerdrückt
4 Tomaten (oder eine Dose geschälte Tomaten)
etwas Zucker
reichlich Olivenöl zum Braten
Kreuzkümmel (siehe Kímino)
Salz, Pfeffer

Zubereitung
Die Brotkrumen in Wasser einweichen, dann gut auspressen.
Das Hackfleisch mit den ausgepressten Brotkrumen, dem Knoblauch, Kreuzkümmel, Salz und Pfeffer vermengen. Kneten und längliche Röllchen formen.

Das Olivenöl erhitzen und Hackröllchen darin anbraten. Öl abgießen, etwa eine halbe Tasse auffangen.
Die Tomaten kurz mit kochendem Wasser überbrühen und häuten, dann pürieren. Öl und pürierte Tomaten in eine Pfanne geben. Zucker, Salz und Pfeffer zugeben und die Sauce etwa 10 Minuten köcheln lassen. Souzoukákia hinzu geben, noch etwas kochen lassen und servieren.

Reicht für etwa drei Hungrige, wenn es Vorspeisen davor gibt oder für sechs, wenn die Souzoukákia die Vorspeise sind.

Rezept von Dörte

Ófti saláta – Kartoffelsalat „auf Kohlen“

Zutaten
3 große Kartoffeln
3 Zwiebeln
25 Oliven, schwarz
5 EL gutes Olivenöl, kalt gepresst
Saft von 1 Zitrone
Salz
Pfeffer, frisch gemahlen
1 Prise Zucker

Zubereitung
Kartoffeln und Zwiebeln in Alufolie wickeln und in die glühende Asche eines Grills oder Ofens legen und garen lassen, alternativ etwa 45 Minuten bei 200° in den Backofen (die Garzeit richtet sich nach der Größe der Kartoffeln und Zwiebeln). Die gegarten Kartoffeln und Zwiebeln etwas erkalten lassen bis auf Handwärme, dann schälen, in Stücke schneiden und mit den Oliven in eine Schüssel geben.

Zitronensaft, Salz, Pfeffer, Zucker und Olivenöl in ein verschließbares Glas o. ä. geben und kräftig schütteln, bis alles gut vermischt ist. Die (wirklich kräftige) Öl-Zitronensauce über den Salat geben und diesen lauwarm entweder als Vorspeise oder als Beilage zu traditionellen griechischen Gerichten reichen.

Je nach dem, was es noch dazu gibt, reicht die angegebene Menge für drei bis vier Hungrige.

Rezept von Dörte

 

Kreta 1972 – es geht wieder los

Seit meiner ersten Kretatour 1971 war ein Jahr vergangen. Inzwischen war ich nicht mehr auf der Burg, sondern dabei, mein erstes Studiensemester in Köln hinter mich zu bringen. In den Semesterferien sollte es natürlich wieder nach Kreta gehen und ich musste noch ein paar wichtige Vorbereitungen treffen:
1. Mit wem fahre ich dieses Jahr eigentlich?
2. Womit, denn ein Auto besitze ich nicht.

Es werden diesmal sicher weniger Seiten als bei den Erinnerungen an 1971 – obwohl auch dieses Mal sehr schöne, aber ganz andere Erlebnisse dabei waren. Es ist schon ein großer Unterschied, ob man mit acht jungen Männern bzw. Jungs nach Kreta reist, oder als „Hähnchen im Körbchen“ mit drei liebreizenden Mädels.

Damit ist die erste Frage schon geklärt!
Außer mir waren es
a) Susi, meine damals noch recht frische Freundin,
b) ihre Freundin Schorni (wie hieß die eigentlich richtig?) und
c) meine „kleine“ (sie ist gerade mal zwei Jahre jünger als ich) Schwester Maria.

PicturesKK/forbild30.jpgAls Möchtegernmacho kaufte ich vor Antritt der Fahrt für uns alle die damals so „in“ gewesenen Indien-Hemden (ich trug ja passend dazu und zeitgemäß längst lange Haare und – inzwischen – einen recht ansehnlichen Vollbart), in vier verschiedenen Farben, weil die griechischen echten Machos auch gleich kapieren sollten, zu wem die Damen gehörten. Wir machten uns oft einen Spaß daraus, das richtig zu betonen, dazu aber später mehr.

Die zweite Frage bereitete mir mehr Mühe, aber eines Tages stand vor der Uni-Mensa ein betagter roter VW-Käfer, der sage und schreibe 250,00 DM kosten sollte. Baujahr 1954 allerdings und 180.000 Kilometer auf dem Tacho, aber dann würde er die 10.000 auch noch schaffen (hoffte ich). Der war noch nicht einmal synchronisiert, verlangte also selbst beim Hochschalten ein doppeltes Kuppeln und beim Herunterschalten entsprechend Zwischengas, aber diese Fahrweise hatte ich ja auf einem Bundeswehr-LKW gelernt. Das war also wirklich kein Problem. Nach einer kurzen Probefahrt, während der die 30 PS des kleinen Motors eifrig schnurrten, kaufte ich ihn (ich habe es nicht bereut).

Allerdings – wer einen alten Käfer kennt, wird es verstehen – musste ich meinen Mädels strenge Beschränkungen bezüglich des Gepäcks auferlegen. Wir bekamen so auch tatsächlich irgendwie alles unter, bevor wir wieder nach Griechenland aufbrachen (sogar meine Gitarre natürlich).

Da der Aufbruch um drei Uhr morgens erfolgte, kamen wir (ich fuhr alleine, denn Schorni hatte zwar den Führerschein, war mir aber eher zu unsicher – was auf der Rückfahrt dann auch bestätigt wurde) schon am ersten Tag bis hinter Maribor. Ja, ich hatte aus dem letzten Jahr gelernt und die Strecke ohne Pässe durch Österreich genommen, um dann von Maribor nach Zagreb und dann weiter auf dem Autoput zu fahren. Die Strecke hatte sich bis zu dieser Stelle auch in diesem einen Jahr nicht viel verändert, unser „Rossi“ (so hatte meine Schwester den Käfer spontan getauft) schnurrte mit etwa 100 km/h dahin und wir waren bester Laune.

Wir hielten höchstens einmal zum P…. an, ansonsten wurden während der Fahrt Brote geschmiert und ich von meinen drei Grazien gefüttert. Ach, was war das schön.

Zwischen Maribor und Zagreb, es war inzwischen schon dunkel geworden, wurde ich allerdings allmählich müde, und wir beschlossen, für den Rest der Nacht einen Zwischenstopp einzulegen.

Damals hatten wir noch nichts davon gehört, dass man in Jugoslawien nicht an irgendwelchen einsamen Stellen übernachten sollte, weil die Einheimischen so ziemlich das volle Programm drauf hätten: Diebstahl, Raub, Vergewaltigung, Mord … wie gesagt, wir hatten von all dem keine Ahnung (in späteren Jahren schlief ich in der Regel auf belebten und lauten Tankstellen).

PicturesKK/forbild31.jpgDiesmal aber suchten wir uns einen ruhigen Feldweg und fuhren ihn langsam hinein, bis er zu Ende schien. Es war wie gesagt schon dunkel. Wir gingen ihn wenige Meter zu Fuß weiter und fanden eine Holzbrücke, die uns deshalb als Schlafplatz so empfehlenswert erschien, weil wir auf diese Weise weniger vom Morgentau abbekommen würden. Also rollten die jungen Damen und ich uns bis über den Kopf in die Schlafsäcke, denn im Norden Jugoslawiens war es noch kühl, und schlummerten alsbald sanft ein.

Ich erwachte durch fremdartig klingende Stimmen, die immer wieder kamen. Außerdem hörte ich ständig Schritte auf den Holzbohlen der Brücke, auf der wir lagen.

Irgendwann wurde es mir zu laut und ich steckte den Kopf aus dem Schlafsack, während gerade wieder eine jugoslawische Familie behutsam über unsere Schlafsackbündel stieg. Das also waren die Stimmen und Schritte gewesen, die mich geweckt hatten.
Wir lagen auf einer Brücke und der Fußweg endete hier beileibe nicht. Denn alle die Menschen, denen wir hier im Wege gelegen hatten, strebten der Kirche im benachbarten Dorf zu, es war Sonntag. Aber alle hatten sich redlich bemüht, uns nicht zu wecken.

Peinlich war es allemal und ich scheuchte die Damen aus den Schlafsäcken, (Morgentoilette auf der nächsten Tankstelle, irgendwo ein frisches Brot finden etc.). Zum Glück hatten die drei gewusst, dass sie eine gewisse Abenteuerreise erwartete und sie waren absolut nicht „fimschig“, wie der Rheinländer sagt (= empfindlich). Sie kamen ja dann auch zu einem frugalen Frühstück mit ein wenig Brot und Käse und Tomaten und auf der nächsten Tankstelle wartete ich nach der Benzinauffrischung auch sehr geduldig, bis sie alle wieder relativ tagesfein erschienen.

Dann ging es gnadenlos weiter. Unser „Rossi“ verfügte über eines dieser Faltschiebedächer, das wir weit öffneten. Je weiter wir uns dem Süden näherten, desto heißer wurde es. Ich fuhr längst mit freiem Oberkörper, aber damit ich mir nicht gleich – der kam später – einen Sonnenbrand holte, legte die Mädels mir ein Bettlaken als Burnus um. Mit der dazugehörigen dunklen Sonnenbrille sah ich richtig arabisch aus (verdammt, da gibt es Fotos, aber ich finde sie nicht).

PicturesKK/forbild33.jpgErst in Nis machten wir wieder Pause, denn wir hatten alle Hunger. Wir fanden ein kleines Lokal an der Straße, in dem wir wirklich köstliche Cevapcici mit Tomatensalat aßen (der jugoslawische Tomatensalat unterschied sich damals vom griechischen sehr, denn es waren reichlich klein gehackte Zwiebeln und Essig daran, was in Griechenland erst später Usus wurde).

Es war für uns alle ein herrliches Essen und ich erlebte erstmals die neidischen Blicke der einheimischen Männerwelt angesichts meiner attraktiven Begleitung. Ich genoss es zum ersten, aber sicherlich nicht zum letzten Mal.

Die Weiterfahrt ergab nichts Weltbewegendes, Tatsache war, dass wir zur Abenddämmerung genau dort eintrafen, wo wir auch im Vorjahr den ersten Griechenlandabend verbracht hatten: In Litóchoro, dem Dorf am Fuße des Olymp.