Route 4 – Von Iráklion nach Süden in die Messará-Ebene über Ágii Déka, Górtys, Míres, Festós, Agía Triáda bis Agía Galini

Die Straße Richtung Westen aus Iráklion heraus führt durch die „Chanióporta“, das Chaniá-Tor.
Durch das Tor folgt man weiter der stets chaotisch überfüllten Ausfallstraße bis zum Ortsausgang von Iráklion, vorbei an zahlreichen Werkstätten, Geschäften, Tankstellen etc. alles geschäftig, hektisch und … hässlich?
Direkt hinter dem Schild, welches das Ende Iráklions anzeigt, zweigt links die Straße nach Míres und Górtys ab, die man nehmen muss. Wenige hundert Meter weiter ist rechts die neue „New Road“ nach Westen und Osten ausgeschildert, man ignoriere sie einfach und fahre darunter her geradeaus weiter.

PicturesOG/arne-weinanbau.jpgNach Verlassen der Stadt führt die Straße durch eines der größten zusammenhängenden Weinanbaugebiete der Insel. Kurz hinter dem Dorf Sivá ist links die Straße nach Dafnés ausgeschildert, einem Zentrum des Weinbaus. Dieses Dorf ist zur Erntezeit Ziel vieler Wanderarbeiter, die hier für eine Weile arbeiten, bis anderswo etwas anderes geerntet wird. Die rucksackelnden Dauertouristen aus Westeuropa oder den USA werden aber immer mehr durch noch billigere Arbeitskräfte aus Albanien oder Bulgarien verdrängt (bzw. ersetzt).

Überall sieht man rechts und links der Hauptstraße die Gestelle, an denen die kleinen, süßen und kernlosen Trauben nach der Ernte zum Trocknen aufgehängt und so zu leckeren Rosinen werden. PicturesOG/arne-erntezeit_sultaninen.jpgEine heikle Zeit für die Weinbauern, kann doch ein unvorhergesehener Regenguss alles zunichte machen.

Zur Zeit der Traubenreife sollte der Durchreisende keine Trauben von den Weinstöcken stehlen (auch wenn das sogar der eine oder andere griechische Tourist macht), sondern lieber jemanden, der dort gerade arbeitet, fragen, ob er nicht ein paar kaufen könne. Er wird sie immer geschenkt bekommen und vermeidet so ein schlechtes Gewissen. Und geht sicher, nicht doch eine Schrotladung in den Hintern zu bekommen …

Etwa 20 Kilometer von Iráklion entfernt passiert man das Dorf Veneráto. Hier lohnt u. a. ein Halt zum Besuch des 2 Kilometer entfernten Nonnenklosters Moní Palianís.

Nach weiteren 10 Kilometern erreicht man das größere Dorf Agía Varvára. Mehrere recht gute Tavernen laden hier zu einer Rast ein.Read More

Pýrgos und Chárakas

Das Landstädtchen Pýrgos liegt im Osten der Messará-Ebene an der Südstrecke von Ágii Déka nach Ierápetra. Ein gezielter Besuch lohnt wahrscheinlich nicht, der Ort ist touristisch nicht sonderlich nennenswert, aber für den, der auf der genannten Strecke „sowieso vorbeikommt“, hier ein paar Hinweise.

„Vorbeikommt“ ist schon mal ein richtiges Stichwort: Bis vor kurzem konnte man sich Pýrgos trefflich verfahren, wenn man von Osten kommend die Straße nach Protória suchte, es gab keine vernünftige Beschilderung. Diese Gefahr ist nunmehr gebannt, denn es gibt eine neue Umgehungsstraße, die in einen „bombastischen“ Kreisverkehr mündet (die weitere Straße nach Westen ist aber geblieben wie sie war). Es werden also in Zukunft noch mehr Reisender einfach „vorbeifahren“ als bisher schon.

Dabei hat man sich in Pýrgos in den letzten Jahren schon Mühe gegeben, den Ort etwas anziehender zu gestalten (wie das in anderen ähnlichen kleineren Städtchen im Süden ja auch schon geschehen ist bzw. noch geschieht).Read More

Kapetanianá

Kapetanianá

Die Straße in das Bergdorf in den Asteroússia-Bergen südlich der Messará-Ebene zweigt in Ágii Déka ab. Es gibt mehrere Gründe, dieses stille Dorf zu besuchen, wenn man fernab vom Trubel Kreta kennenlernen will (inzwischen ist die Straße komplett bis zum Dorf asphaltiert. Genauer gesagt, sind es eigentlich zwei Dörfer: Áno und Káto Kapetanianá).

Bemerkenswert ist die Lage des Dorfes (ca. 900 Meter hoch), die einen wunderschönen Blick auf das Libysche Meer bietet.

Bemerkenswert ist weiterhin die Möglichkeit, von hier aus zwei interessante Wanderungen zu unternehmen:Read More

Górtys (Ausgrabungen)

Die Hauptstraße Iráklion – Ágii Déka – Míres – Timbáki – Agía Galíni passiert nur etwa einen Kilometer hinter Ágii Déka die Ausgrabungen von Górtys. Hier auch die Abzweigung nach Léntas.PicturesOG/gortys3.jpg

Górtys war zwar schon in minoischer Zeit besiedelt, aber bedeutungslos. Erst unter den Dorern wurde sie zu einem der mächtigeren Stadtstaaten, die Römer machten sie dann sogar zu ihrer kretischen Hauptstadt. Der biblischen oder sonstigen Überlieferung zufolge war auch der Apostel Paulus in Górtys. Die Christianisierung Kretas ging von hier aus. Einer der ersten Gefolgsleute des Apostels, der Heilige Titus (Ágios Títos), wurde später der erste christliche Bischof der Insel. Er war übrigens auch der Adressat von Paulus‘ Titusbrief.
Erst als die Araber die Insel von Süden her eroberten und Górtys sozusagen auf dem Weg nach Iráklion nebenbei mitnahmen, verlor die Stadt wieder völlig an Bedeutung.

Die Ausgrabungen liegen rechts und links der Straße, der bekanntere Teil von Ágii Déka aus gesehen rechts. Direkt hinter dem großen Parkplatz (der viel Platz bietet, aber dennoch oft völlig mit Reisebussen überfüllt ist) befindet sich das Hauptausgrabungsgelände, welches eingezäunt ist und Eintritt kostet. An einem kleinen Kiosk am Eingang kann man den einen oder anderen Führer erstehen.
Gleich links vom Eingang stehen die Überreste der Basilika des Heiligen Titus, des ersten Bischofs der Insel. Sein Haupt wird als Reliquie heute in der ihm geweihten Ágios-Títos-Kirche in Iráklion aufbewahrt. Der Kirchenbau in Górtys ist insofern besonders interessant, als er auf der einen Seite drei Apsiden statt nur einer Apsis aufweist (eine dreifache Hauptapsis und zwei kleinere Nebenapsiden – in der linken steht heute noch ein kleiner Altar mit einigen unechten Ikonen), andererseits aber durch weitere seitliche Apsiden eine Kreuzform erhielt. Der Schnittpunkt des Kreuzes war von einer Kuppel überdacht.

Wandert man von der Basilika weiter nach Norden, also von der Straße weg, überquert man die alte Agorá (den Marktplatz) von Górtys und erreicht das römische Odeon (2) mit der alten Stadtrechtsinschrift von Górtys im Hintergrund. PicturesOG/gortys2.jpgWenn nichts weiter los ist und der Wächter Zeit hat, schließt er das halbrunde Gebäude mit der Stadtrechtsinschrift auf, ansonsten reicht aber auch der Blick durch die Gitter auf diese griechische, in Stein gemeißelte Inschrift aus dem 5. Jahrhundert vor Christi. Sie ist inzwischen entziffert und enthält allerlei Bestimmungen bis hin zur Ahndung von Ehebruch. Interessant ist, dass sie geschrieben ist „wie der Ochse pflügt“, d. h. in jeder zweiten Zeile von rechts nach links und in Spiegelschrift.

Westlich des Odeons liegt ein kleines griechisches Theater (3), auf dem Berg darüber die alte Akrópolis (4). Diese gibt es nämlich nicht nur in Athen, das Wort „Akropolis“ heißt schlicht „Obere Stadt“. Oben findet man allerdings nicht mehr allzu viel vor.
Ein Stück links hinter der Stadtrechtsinschrift steht übrigens die Platane, unter der angeblich Zeus mit Europa den Mínos zeugte. Ich bin mir dessen allerdings weniger sicher, diese Platane müsste älter sein, als es je eine Platane vor oder nach ihr wurde. Beeindruckend ist sie allerdings und der Platz lädt ein, es Zeus nachzutun (falls man entsprechende Begleitung hat), doch der Ort ist heute nicht mehr menschenleer! Also lassen wir es besser.

PicturesOG/gortipla.jpgVerlässt man das eingezäunte Gelände wieder, liegt links am Kiosk vorbei ein Stück von der Straße entfernt ein kleines Museum, in dem ein paar interessante Statuen ausgestellt sind, die hier in Górtys gefunden wurden; außerdem Fotos aus der Zeit der Ausgrabungen, die die Arbeiten zeigen.

Weitläufiger ist das Ausgrabungsgelände auf der anderen Seite der Straße und jedenfalls mehr zu empfehlen als der Aufstieg auf die Akrópolis. Verstreut in den Olivenhainen finden sich kleinere Ausgrabungsfunde, es könnten viel mehr sein, aber die meisten antiken Steine der Stadt finden sich heute in irgendwelchen Hausmauern von Ágii Déka wieder.
Entweder man folgt dem Pfad, der ungefähr am Ortsschild „Górtys“ von der Hauptstraße abzweigt, nach Süden, oder man läuft erst ein Stückchen die Straße nach Léntas hinein und wendet sich dann nach links. Eine Reihenfolge kann und will ich hier nicht empfehlen, in Erläuterung zum Plan hier nur kurz die wichtigsten Angaben:

(5) Heiligtum der ägyptischen Gottheiten Isis und Serapis,
(6) Tempel des Apollon Pythios
(7) kleines Theater, zum Tempel gehörend,
(8) römisches Prätorium,
(9) Thermen (Warmwasserbadeanstalt),
(10) Reste einer frühbyzantinischen Basilika,
(11) wahrscheinlich auch Thermen.
(12) römisches Theater.

Wer hier durch die Olivenhaine gewandert ist, wird mir zustimmen, nirgendwo sonst auf Kreta kann man in Ausgrabungen solche Ruhe und Beschaulichkeit erleben.

Öffentliche Verkehrsmittel
Jeder Bus, der diese Hauptstrecke (siehe oben) befährt, hält bei Bedarf.

Assími

Assími

Kleines Landstädtchen in der Messará-Ebene zwischen Pýrgos und Ágii Déka. Ähnlich wie Timbáki und Míres ein landwirtschaftliches Zentrum mit diversen Supermärkten, Tavernen, Post (ungefähr in Ortsmitte an der Durchgangsstraße), Tankstellen. etc.Read More

Ágii Déka

Ágii Déka (ca. 750 Einwohner) liegt an der Straße von Iráklion nach Agía Galíni, dort wo die Straße sich endgültig in die Messsará-Ebene gesenkt hat. Der Ortsname („Die Heiligen Zehn“) erzählt von frühchristlichen Märtyrern, die hier von den heidnisch-römischen Machthabern hingerichtet wurden. Der Legende zufolge wurden nur neun zum Tode geführt, denen sich ein junger Schäfer mit den trotzigen Worten „dann bin auch ich ein Christ“ anschloss (bekanntlich wurde Kreta von der Messará her christianisiert, der Apostel Paulus soll in Kalí Liménes gelandet sein). Die neun hatten sich geweigert, an den Einweihungsfeierlichkeiten für einen Tempel der Göttin Tyche teilzunehmen. In der Dorfkirche von Ágii Déka ist heute noch der Stein zu sehen, auf dem sie bei ihrer Enthauptung gekniet haben sollen. Ihre Gräber, bzw. das, was ihre angeblichen Überreste beherbergt, kann man besichtigen, wenn man westlich außerhalb des Ortes links abbiegt zur Kapelle der Heiligen Zehn (ausgeschildert „Tombs Agii Deka“).
Übrigens gibt es um diese hingerichteten Christen auch die Legende, sie seien gar nicht hier gefangen genommen worden, sondern im Amári-Becken, genauer gesagt im Ort Apostóli, welches seinen Namen nach ihnen trägt. Aber es ist völlig normal, dass viele Geschichten sich durchaus auch mal ein wenig widersprechen.

Heute ist Ágii Déka ein recht nüchternes Straßendorf auf Kreta mit einigen Lokalen und Kafenía an der Durchgangsstraße (an einem davon hält auch der Bus mit Umsteigemöglichkeiten nach Léntas). Ein Teil der Steine, aus denen die Häuser des Dorfes erbaut sind, stammt übrigens aus der benachbarten antiken Stadt Górtys.
Mehrere Tavernen vermieten auch Zimmer, insgesamt sind es derzeit ca. 30 Betten.
Ebenfalls an der Durchgangsstraße Post und OTE.

Öffentliche Verkehrsmittel
Alle Busse von Iráklion nach Agía Galíni, Festós und Mátala halten hier, Umsteigemöglichkeit in den lokalen Bus nach Léntas.

Tipp: Von hier aus einen Ausflug nach Kapetanianá unternehmen. Es lohnt sich!