Route 13 – Von Réthymnon nach Chaniá (über die „New Road“ oder die alte Straße)

Verlässt man Réthymnon in Richtung Westen, hat man wieder einmal die Wahl zwischen „New Road“ und alter Straße. Letztere führt durchs Landesinnere, die „New Road“ bis Georgioúpolis immer am Meer entlang. Wer Zeit hat und etwas mehr von Kreta sehen will, dem empfehle ich auch hier die alte Straße. Es liegen an ihr zwar keine besonderen Sehenswürdigkeiten, aber man fährt eben statt auf einer Schnellstraße durch viele malerische Dörfer. Und man genießt bei dieser Gelegenheit die Tatsache, daß es die „New Road“ gibt, denn die LKWs fahren alle dort (und das ist ein Segen – wenn ich noch an die Zeit denke, als es dieses neue Straßenstück gab, es war trotz viel weniger Verkehrsaufkommen schon manchmal ein Horror, über viele Kilometer hinter einem stinkenden LKW herzuschleichen).

Kommt man aus Réthymnon heraus, steigt hinter dem Ortsausgang die Straße relativ steil an, oben angekommen, zweigt die alte Straße nach links ab. Ich beschreibe diese Strecke nicht näher, weil es da auch nichts Entscheidendes zu erklären gibt.
Die „New Road“ wird fast auf ihrer gesamten Strecke von Zäunen gesäumt. Der Zugang zum Strand ist nur an den „Exits to Beach“ gestattet, an denen sich jeweils Parkplätze befinden. Man soll und darf eben nicht wild auf der „New Road“ parken, da wie anderenorts schon beschrieben, die Standspuren durchaus zum Fahren gedacht sind.

Dort wo die Küstenlinie Kretas nach Norden abknickt, liegt das Dorf Georgioúpolis, ein sehr lebendiger Ort, der inzwischen voll touristisch erschlossen ist. Nicht nur ich empfehle Georgioúpolis gerne als „Einstieg“ für einen ersten Aufenthalt auf Kreta. Übrigens treffen sich hier vorübergehend „New Road“ und alte Straße und trennen sich gleich wieder.

Von hier aus sei jedenfalls ein Abstecher zum Kournás-See empfohlen, er ist immerhin Kretas einziger „echter“ Binnensee (alle anderen sind künstlich angelegt).

Ich wiederhole noch einmal meine Empfehlung, ab Georgioúpolis das waldreichste Gebiet Kretas auf der alten Straße zu genießen. Wer es sich anders überlegt, kann etwa 5 KM von Georgioúpolis entfernt auch wieder auf die „New Road“ einbiegen. Die alte Straße führt vom Dorfplatz durch die einmalige Eukalyptus-Allee nach Westen. Man unterfährt also am besten 5 Kilometer weiter die „New Road“ und erreicht nach weiteren 3 Kilometern Vrýsses, den Ort, wo Joghurt und Honig fließen. Dieses Dorf gilt als beste Einkaufsquelle für das Genannte, leider sind auch die Preise inzwischen oft so, als ob die Einheimischen gemerkt hätten, dass sie immer wieder empfohlen werden. Scherz beiseite: Es ist sehr lecker!

Vrýsses ist übrigens auch der offizielle Umsteigeort für die Busse nach Chóra Sfakíon.

Schon kurz hinter Vrýsses könnte und darf man wieder auf die „New Road“ einbiegen, sollte man aber nicht! Fahren Sie lieber auf der alten Straße bis Kalýves, denn die neue führt nur zwischen Böschungen hindurch, während die alte Straße durch einen der grünsten Teile der Insel führt, wie bereits angesprochen.

Ein hübscher Platz zum Rasten liegt etwa 4 KM hinter Vrýsses rechts unterhalb der Straße: Eine kleine Kirche, ein Picknickplatz, Süßwasserquellen, gerade Einheimische nutzen diesen Platz gerne zur Rast, leider wird öfter mal auch wilder Müll zurückgelassen.

Ein Stück weiter trifft man mit etwas Glück auf Köhler, die hier ihrer eintönigen und anstrengenden Arbeit nachgehen. Sie freuen sich immer über Besuch und ein Schwätzchen (sei es auch nur mit Händen und Füßen). Sie stammen aus den umliegenden Dörfern, sehen in den Sommermonaten meist aber wenig von ihrer Familie, denn die verbringen sie hier draußen. Die Meiler müssen ständig beobachtet und gepflegt werden. Früher schliefen sie im Freien auf der Erde, heute verfügen sie zum Teil schon über richtige Wohncontainer mit dem nötigsten Komfort.

Die Straße schlängelt sich weiter durch die Hügel (links hat man immer einen herrlichen Blick auf die „Levká òri“, die „Weißen Berge“, deren Hänge im gleißenden Sonnenlich tatsächlich weiß aussehen. Im Dorf „Ágii Pántes“ kann man rechts zum Kap Drápano abbiegen, zu urwüchsigen Dörfern, da der Tourismus hierher noch selten kommt. Eine Tour zum Kap Drápano ist unter Kalýves/Ausflug beschrieben.

Im Dorf Arméni steht an der Durchgangsstraße unter Platanen das Lokal mit dem originellen Namen „Platanos“, dessen Besitzer sich immer noch nicht endgültig entschieden haben, ob sie nun griechische oder Sonstwie-Küche anbieten wollen. So gibt es hier einiges, was man anderswo nicht bekommt, aber das braucht man vermutlich auch nicht! Meiner Erfahrung nach bestelle man lieber das Übliche, das ist völlig O.k., die Bedienung ist ausgesprochen nett und das Lokal als ganzes auch gemütlich eingerichtet.

Etwa 2 Kilometer hinter dem Dorf Arméni unterquert die alte Straße mal wieder die „New Road“. Wer die Nase voll hat von Kurven, kann hier auffahren. Er verpasst dann allerdings Kalýves, und das wäre schade.

Etwa 4 Kilometer westlich von Kalýves stellt sich die Frage „New Road“ oder alte Straße eh nicht mehr, sie vereinigen sich endgültig. Von Kalýves aus umfährt man vorher das ehemalige türkische Fort Izzedin, welches auch heute noch die Soúda-Bucht „beherrscht“. Während der Zeit der griechischen Militärjunta war das Fort ein Gefängnis für politische Gefangene, heute ist es eine Kaserne. Da die gesamte Strecke von hier bis Soúda miltärisches Sperrgebiet ist, weisen etwa alle 20 Meter Schilder darauf hin, das Fotografieren verboten ist (es gibt aber auch rein gar nichts, was lohnenswert zu fotografieren wäre). Und wer gerne ins Fort Izzedin hinein fotografieren möchte (strengstens verboten!), der fährt einfach 2 Kilometer weiter links nach Aptéra hoch, von hier aus hat man einen hervorragenden Blick hinein …

Zurück auf der Hauptstraße erreicht man schon wenige KM später die Abzweigung nach Soúda, dem Fährhafen von Chaniá. Man verpasst nicht viel, wenn man nicht hineinfährt.

Wiederum einige Kilometer weiter ist die Zufahrt nach Chaniá ausgeschildert, wenn man hier nicht hineinfährt, verpasst man hingegen einiges! Man könnte inzwischen zwar auch an Chaniá vorbei über die „New Road“ nach Westen weiterfahren, aber die meiner Meinung nach schönste Stadt Kretas muss man definitiv besuchen!

Vámos

PicturesOG/vamos2.jpgVámos– Der Hauptort der Eparchía Apokorónas im Hinterland des Kaps Drápano zwischen Kalýves und Georgioúpolis scheint auf den allerersten Blick nur mäßig interessant.

Ein zweiten Blick sollte man sich aber jedenfalls gönnen, denn der örtliche Kulturverein setzt sich seit ca. 10 Jahren engagiert und erfolgreich für eine umfassende Sanierung des alten Ortskern im traditionellen Stil ein. Viele alte Häuser wurden liebevoll restauriert und stehen nun als „Gästehäuser“ zur Vermietung bereit. Sie bieten Platz für bis zu 6 Personen und kosten knapp 80 Euro/Nacht.Read More

Kalýves – Ein Ausflug zum Kap Drápano

Mit dem eigenen oder gemieteten Auto kann man von Kalýves aus eine schöne Tour zum Kap Drápano unternehmen. Man fährt vom Zentrum aus Richtung Réthymnon über die Brücke und biegt die zweite Möglichkeit dahinter nach rechts ab (die erste ist die Straße nach Réthymnon), Ausschilderung nach Vámos (wenn ich mich recht erinnere). Man schraubt sichPicturesOG/ombro2.jpg mit der Straße den Berg hoch und biegt kurz vor dem Dorfausgang links Richtung Almyrída ab. Almyrída ist ein Straßendorf mit schmalem Sandstrand, welcher am Wochenende ziemlich überlaufen ist.

Eine sehr schöne Unterkunft einige hundert Meter westlich vom Ortsrand Richtung Kalýves ist  Kástro Kerá.

Von dort aus geht es wieder den Berg hoch durch eine recht wilde Landschaft, häufig passiert man irgendwo in die Landschaft gesetzte Wohnhäuser (die Gegend ist vor allen Dingen bei Engländern sehr beliebt), Pensionen und Zimmervermietungen und bedauert insgeheim die Leute, die hier wohnen (falls sie nicht motorisiert sind).

Kap Drápano an sich ist eigentlich eine Enttäuschung, denn es ist zum einen nur eine flache Felszunge im Meer, zum anderen endet die Straße schon vorher vor einem militärischen Sperrgebiet. Von dort aus fährt man entweder zurück nach Kalýves oder aber über z. T. recht schlechte Straßen die aber landschaftlich interessante Route über Kókkino Chorió nach Georgioúpolis. Vom Kap kommend fährt man der ersten Straßengabelung links nach Kókkino Chorió. Hinter dem Dorf biegt man bei der Glasbläserei links ab (derzeit noch keine Ausschilderung), dann durchfährt man das Dorf Drápanos und biegt an einer ausgeschilderten Abzweigung (u. a. Kefalás) nach Süden ab.Read More

Georgioúpolis

Der Ort Georgioúpolis liegt an der Nordküste zwischen Réthymnon und Chaniá, genau dort, wo die Küste nach Norden abknickt. Georgioúpolis ist der optimale Urlaubsort für alle, die einen Badeurlaub und die umgebende Natur lieben, denn beides ist hier sehr attraktiv.
Das Dorf ist touristisch gesehen ein richtiger Spätstarter, noch Anfang der 80er Jahre war hier kaum was los, während woanders schon längst der Bär tanzte. Heute allerdings hat sich hier schon sehr viel getan, von dörflicher Abgeschiedenheit ist keine Rede mehr. Doch der Reihe nach:

Das Dorf gibt es erst seit etwa 100 Jahren. Unter dem damaligen Namen „Almyrópolis“ lag es in einem feuchten Moor- und Sumpfgebiet, war verrufen als Schlupfloch für Piraten und als Malariaherd. Erst als Prinz Georg, der 1. Hochkommissar Kretas, den Ort von Chaniá aus zusammen mit dem engagierten ersten Bürgermeister des Dorfes wirtschaftlich förderte, wurde man auf Georgioúpolis aufmerksam. In jener Zeit wurden z. B. all die schönen Eukalyptusbäume angepflanzt, die dem Dorf auch heute noch seinen unverwechselbaren Charakter geben (und für das Ende der Malaria-Gefahr sorgten). Zu Beginn dieses Jahrhunderts (nach meiner Information so um 1903) wurde das Dorf zum Dank in Georgioúpolis (Georgsstadt) umbenannt, der damalige erste Bürgermeister steht als Denkmal auf dem Dorfplatz.

In den 80er Jahren wurde Georgioúpolis zu einem der wenigen Rucksacktouristentreffs an der Nordküste der Insel. Inzwischen vermietet aber fast jedes Haus Zimmer, der Ort wird von sehr vielen Veranstaltern auch pauschal angeboten, so hat sich die Klientel sehr gewandelt. Einen Rucksack sieht man nur noch selten.

Trotz der inzwischen stark touristischen Infrastruktur ist der Ort aber reizvoll geblieben. Immer noch fahren die Fischer hinaus, immer noch werden Schafherden an den Fluss getrieben und immer noch schwimmen auf jenem die Entenfamilien. Die Atmosphäre wirkt tatsächlich immer noch dörflich, auch wenn man es irgendwie kaum glauben sollte. Ich empfehle Georgioúpolis immer wieder als Standort und Ausgangspunkt für Kreta-Neulinge (und fahre nach wie vor gerne selbst dorthin). Zudem liegt Georgioúpolis auch sonst sehr „geschickt“: nach Chaniá und Réthymnon ist es nicht weit und auch das gesamte Hinterland ist sehr reizvoll. Ich verweise da nur auf den Kournás-See, Kap Drápanos, Kalýves, das erstaunlich stark bewaldete Hinterland Richtung Vrýsses etc.

Sehenswert
PicturesOG/georgi11.jpgDer Blick von der Hafenbrücke zum Fischerhafen. Vom Dorfplatz aus ein Stück Richtung Hafen laufen, dann links halten. Da der Fischerhafen praktisch in einer Flussmündung liegt, ist er sehr geschützt. Rechts vom Fluss (zum Meer hin gesehen) liegt am Ende einer langen Mole die Kapelle des Ágios Nikólaos, links vom Fluss auf der Landzunge die unten beschriebene Taverne „Arkadi“.

Am hinteren Ende der Kaliváki-Bucht im Westen des Ortes (siehe: Baden) liegt am Hang des Kap Drápano eine weitere Kapelle, zu der sich ein Spaziergang lohnt. Den kleinen Fluss am Ende der Bucht kann man dank einer Fußgängerbrücke nun auch trockenen Fußes überqueren.

Die Eukalyptus-Allee vom Dorfplatz aus Richtung Chaniá, an deren Ende ein seeähnlicher Biotop-Tümpel mit interessantem Pflanzen- und Tierbestand liegt. Da es hier auch Sitzgelegenheiten gibt, kann man alles in Ruhe beobachten und dabei z. B. picknicken.
Auch der Blick auf Dorf und Bucht vom „Arkadi“ oder vom „Panorama“ (ebenfalls weiter unten Näheres) aus ist sehenswert.

PicturesOG/georgi3.jpgBaden
Zum Allerschönsten an Georgioúpolis gehören die weitläufigen Sandstrände. Die ca. 300 Meter lange Kaliváki-Badebucht im Westen (hinter dem „Arkadi“) ist vor allen Dingen für Kinder ideal, da das Wasser nur sehr langsam tiefer wird. Weiterhin angenehm ist ein Süßwasserfluss, der am hinteren Ende der Bucht eiskalt ins Meer fließt, so kann man sich immer gleich das Salz abwaschen. Ein anderer Arm dieses Flusses bildet gleichzeitig den Fischerhafen des Dorfes. Der Fluss sorgt für die Feuchtigkeit des Hinterlandes, so dass es bis vor einigen Jahren hier immer noch Fälle von Malaria gegeben haben soll, wie die Einheimischen berichten. Ich wage dies allerdings zu bezweifeln (siehe auch oben).

Nach Osten reichen die Sandstrände kilometerweit, auch hier fließt ein Fluß ins Meer, über den eine sehr selbstgebaut aussehende Fußgängerbrücke führt. Einheimische warnen an diesem Strand allerdings gerne vor tückischen Meeresströmungen, besonders bei bewegtem Meer. Man sollte vielleicht darauf hören, denn ich habe auch schon persönlich eine gewisse „Sogwirkung“ verspürt. Auf Kinder achten!!!Read More