Kreta 1972 – es geht wieder los

Seit meiner ersten Kretatour 1971 war ein Jahr vergangen. Inzwischen war ich nicht mehr auf der Burg, sondern dabei, mein erstes Studiensemester in Köln hinter mich zu bringen. In den Semesterferien sollte es natürlich wieder nach Kreta gehen und ich musste noch ein paar wichtige Vorbereitungen treffen:
1. Mit wem fahre ich dieses Jahr eigentlich?
2. Womit, denn ein Auto besitze ich nicht.

Es werden diesmal sicher weniger Seiten als bei den Erinnerungen an 1971 – obwohl auch dieses Mal sehr schöne, aber ganz andere Erlebnisse dabei waren. Es ist schon ein großer Unterschied, ob man mit acht jungen Männern bzw. Jungs nach Kreta reist, oder als „Hähnchen im Körbchen“ mit drei liebreizenden Mädels.

Damit ist die erste Frage schon geklärt!
Außer mir waren es
a) Susi, meine damals noch recht frische Freundin,
b) ihre Freundin Schorni (wie hieß die eigentlich richtig?) und
c) meine „kleine“ (sie ist gerade mal zwei Jahre jünger als ich) Schwester Maria.

PicturesKK/forbild30.jpgAls Möchtegernmacho kaufte ich vor Antritt der Fahrt für uns alle die damals so „in“ gewesenen Indien-Hemden (ich trug ja passend dazu und zeitgemäß längst lange Haare und – inzwischen – einen recht ansehnlichen Vollbart), in vier verschiedenen Farben, weil die griechischen echten Machos auch gleich kapieren sollten, zu wem die Damen gehörten. Wir machten uns oft einen Spaß daraus, das richtig zu betonen, dazu aber später mehr.

Die zweite Frage bereitete mir mehr Mühe, aber eines Tages stand vor der Uni-Mensa ein betagter roter VW-Käfer, der sage und schreibe 250,00 DM kosten sollte. Baujahr 1954 allerdings und 180.000 Kilometer auf dem Tacho, aber dann würde er die 10.000 auch noch schaffen (hoffte ich). Der war noch nicht einmal synchronisiert, verlangte also selbst beim Hochschalten ein doppeltes Kuppeln und beim Herunterschalten entsprechend Zwischengas, aber diese Fahrweise hatte ich ja auf einem Bundeswehr-LKW gelernt. Das war also wirklich kein Problem. Nach einer kurzen Probefahrt, während der die 30 PS des kleinen Motors eifrig schnurrten, kaufte ich ihn (ich habe es nicht bereut).

Allerdings – wer einen alten Käfer kennt, wird es verstehen – musste ich meinen Mädels strenge Beschränkungen bezüglich des Gepäcks auferlegen. Wir bekamen so auch tatsächlich irgendwie alles unter, bevor wir wieder nach Griechenland aufbrachen (sogar meine Gitarre natürlich).

Da der Aufbruch um drei Uhr morgens erfolgte, kamen wir (ich fuhr alleine, denn Schorni hatte zwar den Führerschein, war mir aber eher zu unsicher – was auf der Rückfahrt dann auch bestätigt wurde) schon am ersten Tag bis hinter Maribor. Ja, ich hatte aus dem letzten Jahr gelernt und die Strecke ohne Pässe durch Österreich genommen, um dann von Maribor nach Zagreb und dann weiter auf dem Autoput zu fahren. Die Strecke hatte sich bis zu dieser Stelle auch in diesem einen Jahr nicht viel verändert, unser „Rossi“ (so hatte meine Schwester den Käfer spontan getauft) schnurrte mit etwa 100 km/h dahin und wir waren bester Laune.

Wir hielten höchstens einmal zum P…. an, ansonsten wurden während der Fahrt Brote geschmiert und ich von meinen drei Grazien gefüttert. Ach, was war das schön.

Zwischen Maribor und Zagreb, es war inzwischen schon dunkel geworden, wurde ich allerdings allmählich müde, und wir beschlossen, für den Rest der Nacht einen Zwischenstopp einzulegen.

Damals hatten wir noch nichts davon gehört, dass man in Jugoslawien nicht an irgendwelchen einsamen Stellen übernachten sollte, weil die Einheimischen so ziemlich das volle Programm drauf hätten: Diebstahl, Raub, Vergewaltigung, Mord … wie gesagt, wir hatten von all dem keine Ahnung (in späteren Jahren schlief ich in der Regel auf belebten und lauten Tankstellen).

PicturesKK/forbild31.jpgDiesmal aber suchten wir uns einen ruhigen Feldweg und fuhren ihn langsam hinein, bis er zu Ende schien. Es war wie gesagt schon dunkel. Wir gingen ihn wenige Meter zu Fuß weiter und fanden eine Holzbrücke, die uns deshalb als Schlafplatz so empfehlenswert erschien, weil wir auf diese Weise weniger vom Morgentau abbekommen würden. Also rollten die jungen Damen und ich uns bis über den Kopf in die Schlafsäcke, denn im Norden Jugoslawiens war es noch kühl, und schlummerten alsbald sanft ein.

Ich erwachte durch fremdartig klingende Stimmen, die immer wieder kamen. Außerdem hörte ich ständig Schritte auf den Holzbohlen der Brücke, auf der wir lagen.

Irgendwann wurde es mir zu laut und ich steckte den Kopf aus dem Schlafsack, während gerade wieder eine jugoslawische Familie behutsam über unsere Schlafsackbündel stieg. Das also waren die Stimmen und Schritte gewesen, die mich geweckt hatten.
Wir lagen auf einer Brücke und der Fußweg endete hier beileibe nicht. Denn alle die Menschen, denen wir hier im Wege gelegen hatten, strebten der Kirche im benachbarten Dorf zu, es war Sonntag. Aber alle hatten sich redlich bemüht, uns nicht zu wecken.

Peinlich war es allemal und ich scheuchte die Damen aus den Schlafsäcken, (Morgentoilette auf der nächsten Tankstelle, irgendwo ein frisches Brot finden etc.). Zum Glück hatten die drei gewusst, dass sie eine gewisse Abenteuerreise erwartete und sie waren absolut nicht „fimschig“, wie der Rheinländer sagt (= empfindlich). Sie kamen ja dann auch zu einem frugalen Frühstück mit ein wenig Brot und Käse und Tomaten und auf der nächsten Tankstelle wartete ich nach der Benzinauffrischung auch sehr geduldig, bis sie alle wieder relativ tagesfein erschienen.

Dann ging es gnadenlos weiter. Unser „Rossi“ verfügte über eines dieser Faltschiebedächer, das wir weit öffneten. Je weiter wir uns dem Süden näherten, desto heißer wurde es. Ich fuhr längst mit freiem Oberkörper, aber damit ich mir nicht gleich – der kam später – einen Sonnenbrand holte, legte die Mädels mir ein Bettlaken als Burnus um. Mit der dazugehörigen dunklen Sonnenbrille sah ich richtig arabisch aus (verdammt, da gibt es Fotos, aber ich finde sie nicht).

PicturesKK/forbild33.jpgErst in Nis machten wir wieder Pause, denn wir hatten alle Hunger. Wir fanden ein kleines Lokal an der Straße, in dem wir wirklich köstliche Cevapcici mit Tomatensalat aßen (der jugoslawische Tomatensalat unterschied sich damals vom griechischen sehr, denn es waren reichlich klein gehackte Zwiebeln und Essig daran, was in Griechenland erst später Usus wurde).

Es war für uns alle ein herrliches Essen und ich erlebte erstmals die neidischen Blicke der einheimischen Männerwelt angesichts meiner attraktiven Begleitung. Ich genoss es zum ersten, aber sicherlich nicht zum letzten Mal.

Die Weiterfahrt ergab nichts Weltbewegendes, Tatsache war, dass wir zur Abenddämmerung genau dort eintrafen, wo wir auch im Vorjahr den ersten Griechenlandabend verbracht hatten: In Litóchoro, dem Dorf am Fuße des Olymp.

Kreta 1972 – Teil 2

Litóchoro – schon vertraut, aber wieder ganz anders …

Ich vergaß zu erwähnen, dass ich schon wenige Kilometer hinter der griechischen Grenze einen wahren „Kulturschock“ erlebte. Ich hatte den Mädels doch während der Fahrt eine ganze Menge aus dem letzten Jahr erzählt, und wir urig ich Griechenland erlebt hatte. Und dann das: Im ersten Dorf hinter der Grenze auf der rechten Straßenseite … eine Pizzeria!
Ich überprüfte mein Navi, ob wir vielleicht versehentlich ins falsche Land gefahren waren, aber es beharrte darauf, dass hier Griechenland war. Och ne … ich fahre doch nicht nach Griechenland, um Pizza zu essen!

Egal, kommen wir zurück auf Litochoro … „meine“ kleine Souvlakibraterei war noch vorhanden und wir kehrten natürlich dort als erstes ein. Ich hatte oben am Dorfplatz geparkt und war dann demonstrativ Hand in Hand mit den drei Damen in rot, orange und grün Hand in Hand die Hauptstraße hinunter spaziert, ich konnte es nicht lassen. Die Blicke der Einheimischen schmeichelten mir, denn alle drei konnten sich wie gesagt wirklich sehr gut sehen lassen.

PicturesKK/forbild36.jpgDer alte Besitzer des Souvlatzidiko und seine Frau erkannten mich zu meiner Überraschung sofort wieder, eine Überraschung, die ich in Griechenland in den Folgejahren immer wieder erlebte.

Griechen im Allgemeinen und Kreter im Besonderen haben wohl ein besonderes Gen dafür, jemanden wieder zu erkennen, ich bin sicher, ich bin nicht der Einzige, der diese Erfahrung gemacht hat. Mein Griechisch war in diesem Jahr nicht besser geworden, aber Worte wie Souvlaki, Retsina etc. hatte ich behalten. So klappte die Bestellung reibungslos, selbst Konversation fand irgendwie statt … keiner verstand den anderen verbal so richtig, aber man verstand sich schon.

Die Damen waren sehr angetan und ich auch, denn dieses Mal vertilgten wir noch ein paar sehr leckere Souvlaki mehr als im Jahr zuvor … übrigens legten die Mädels trotz all der reichhaltigen Nahrung in diesem Urlaub – ja, diesmal war es ein Urlaub – nicht zu, sie waren und blieben eine wahre Augenweide. Und man möge mir nicht böse sein, ich genoss es.

Während wir aßen, klärten wir untereinander auch die Übernachtungsfrage. Keine von ihnen bestand auf einem Zimmer, wir würden abends wieder zum Meer hinunter fahren, um uns unter freiem Himmel von den nahen Wellen in den Schlaf wiegen zu lassen.

Vorher aber wollten wir noch etwas erleben.
Also wanderten wir nach dem reichhaltigen Essen wieder Hand in Hand die Dorfstraße hinunter. Erwähnte ich schon, dass es in Litóchoro eine große Kaserne gab oder noch gibt? Jedenfalls waren auf der Straße und in den Lokalen überdurchschnittlich viele junge Soldaten vertreten … und die verdrehten sich natürlich nach uns – weniger nach mir – den Kopf. Im letzten Lokal unten rechts kehrten wir dann ein (ja, wer jetzt alles mitbekommen hat, der weiß, es war gleichzeitig das erste Lokal unten links vom letzten Jahr). Hier hatte sich doch einiges verändert. Vor allen Dingen gab es jetzt eine Zwei-Mann-Kapelle, die mit Hammondorgel und Schlagzeug so ziemlich alles durchnudelte, was damals in Griechenland gerade so en vogue war.

Der größte Teil der Gäste waren auch hier Soldaten. Und so saßen wir schon nach etwa 20 Minuten mit etwa zehn von ihnen an einem Tisch. Wann hatten sie denn hier schon mal so charmante Gesellschaft? Ich wiederhole mich, wenn ich schreibe, meine drei Begleiterinnen waren wirklich weitaus mehr als einen Blick wert. Meine Susi war ein 180 cm großes schwarzhaariges Rasseweib mit einem Mund wie Angela Jolie, Schornie war zwar etwas kleiner, aber hübsch proportioniert und dunkelblond, und meine Schwester … na ja, die sah etwa so aus wie ich damals, allerdings trug sie keinen Bart.

Da die jungen Soldaten alle Englisch konnten, klappte auch die Konversation. Und eines musste man den Jungs lassen: Sie waren wirklich nett und höflich, vielleicht auch deshalb, weil wir nicht erkennen ließen, wer denn nun im Endeffekt wirklich zu mir gehörte. Es machte uns Spaß und augenscheinlich ihnen auch.
Irgendwann im Laufe des Abends schlug einer von ihnen vor, uns doch am nächsten Mittag ein Lokal zu zeigen, das kaum ein Tourist kennen würde. Eine ganz kurze Absprache mit den Damen ergab, dass keine etwas gegen einen weiteren Tag in Litóchoro hatte, also sagten wir zu und verabredeten uns für den frühen Nachmittag im gleichen Lokal.

Den ganzen Morgen plantschten wir im Meer, es wurde heißer und heißer. Die Mädels zeigten von Stunde zu Stunde weniger Interesse, den doch relativ erfrischenden Fleck am Meer gegen eine Taverne auf den heißen Bergen einzutauschen, aber da war der „Reiseleiter“ unerbittlich:
„Soll ich da alleine hochfahren? Wegen mir wollen sie uns das Lokal doch nicht zeigen! Die wollen  mit euch flirten.“
Das leuchtete allen ein und nach einem letzten erfrischenden Bad zogen wir uns wieder unsere Einheitshemden an (die wir übrigens täglich wuschen oder zumindest einmal durchs Wasser zogen). Ich musterte die Truppe wie immer voller Stolz …und ab ging es.

Man erwartete uns bereits. Vier junge Uniformierte strahlten uns entgegen, als wir vor fuhren. Sie hatten sich sogar einen Militärjeep ausgeborgt, in dem sie uns nun voran fuhren. Es ging immer nach oben: Über den Dorfplatz und vorbei am Friedhof. Und dann waren wir da. So ein Lokal habe ich seitdem nicht mehr gesehen … Eine winzig kleine Steinhütte auf einem großen ebenen Platz, der von mehreren Bächen durchflossen wurde, die vom Olymp kamen. Und das ganze unter mächtigen Platanen. Es war hier etwa zehn Grad kühler als unten am Meer, die Temperatur konnte man nicht anders als „ausgesprochen“ angenehm beschreiben Über die Bäche führten Miniaturholzbrückchen und überall waren kleine Wasserräder eingehängt, die meisten mit Glöckchen versehen. Sie machten an diesem sonst so ruhigen Ort einen Höllenlärm.

Das war aber fast das einzige Unangenehme an diesem fast idyllischen Ort. Wir aßen herrliche Salate mit ganz viel Käse und fühlten uns nur wohl. Die Soldaten freuten sich an unserer charmanten Gesellschaft. Nur der Wirt war das andere Unangenehme: Er hatte wohl selten so hübschen Besuch und benahm sich wie ein läufiger Hund. Nun, die Mädels wussten ihn in die Schranken zu weisen und so gab es keinen größeren Ärger. Ich habe diese Oase übrigens später noch öfter besucht, in wechselnder Begleitung, aber der „Schmuddelzwerg“ versuchte es irgendwie immer wieder. Aber immer wieder ohne Erfolg.
Eines war mir klar: Ohne meine Damen und die damit verbundenen Kontakte hätte ich dieses Lokal im Leben nicht entdeckt.

Nach einem langen und sehr erfrischenden Nachmittag verabschiedeten wir uns von unseren neuen Freunden … und ich wusste genau, wie sehr sie mich beneideten, dass ich am nächsten Morgen Richtung Piräus aufbrechen durfte, während sie weiter in ihrer Kaserne schwitzen mussten. Sie waren aber allesamt wirklich lieb und nett …

Kreta 1972 – Teil 3

Den nächsten Abend verbrachten wir auf dem Oberdeck der Fähre. In diesem Jahr begannen wir einen „Ritus“, den ich über fast all die Jahre, die ich mit dem Auto nach Kreta fuhr, beibehielt. Wir bereiteten uns auf Deck eine große Schüssel „Schweizer Wurstsalat“ zu. Alle Zutaten hatten wir aus Deutschland mitgebracht …

In diesem Jahr (und in all den folgenden) schauten die Einheimischen schon etwas verwundert, als wir da alle fleißig Fleischwurst, Gouda und Gurken schnippelten, alles in die Schüssel warfen und dann noch Paprikastreifen und Silberzwiebeln hinzufügten. Nur für diesen einen Salat nahm ich sogar normales Pflanzenöl mit ins Land der Oliven … und ordentlich Balsamico gehörte natürlich auch hinein.

Und immer gaben wir jedem Interessierten etwas ab … wir produzierten ja jedes Mal viel zu viel. So betätigten wir uns als „Botschafter des Wurstsalats“ in Griechenland … aber ehrlich, das war wirklich die einzige „deutsche“ Mahlzeit, die wir in Griechenland zu uns nahmen.

PicturesKK/forbild32.jpgNun muss ich einen ordentlichen Sprung machen, ich weiß nämlich nicht mehr, wohin wir uns auf Kreta als Erstes wandten. Ich weiß nur noch, dass der bereits erwähnte Jannis in Kókkinos Pýrgos mehr als angetan von meinem „Harem“ war, dass wir in Festós und „natürlich in Knossós waren und dass wir natürlich auch wieder meine erste Liebe, das „Kiani Akti“ bei Kalýves besuchten und dass wir auf der Lassíthi herumkraxelten.

Aber an einen Abend und noch viel mehr an den darauffolgenden Tag erinnere ich mich noch sehr gut: Wir waren in Ierápetra in irgend einem kleinen Lokal mitten im Ort. Wir hatten gut gegessen und irgendwie kriegten die Mädchen mich rum, noch ein bisschen Gitarre zu spielen. Ich konnte inzwischen zwei oder drei griechische Lieder mehr, und die einheimischen Gäste waren recht begeistert, unsere Tischrunde wurde immer größer. Nicht weil ich so ein toller Sänger war, nehme ich an, sondern weil es ihnen ziemlich unfassbar erschien, dass überhaupt ein Tourist auf die Idee kam, selbst griechische Lieder zu singen. Und außerdem hatte man so ja auch einen Vorwand, den Mädels ein wenig näher zu rücken.

PicturesKK/forbild34.jpgUnd so kam es im Verlauf des weiteren Abends, wie es leider kommen musste. Irgendwann hatte ich dummerweise das Gefühl, jetzt genug Ouzo oder Raki getrunken zu haben (ich glaube, damals trank ich noch vorzugsweise Ouzo, was sich aber bald änderte), und stieg – ja es war Dummheit – auf Retsina um. Man weiß eigentlich vorher schon, wie das ausgeht, aber mancher wird eben durch Schaden nicht klug.

Langer Rede kurzer Sinn: Wie ich mit dem Auto an den Strand östlich von Ierapetra gekommen bin, weiß ich nicht mehr. Die Damen behaupteten, ich sei noch ziemlich normal gefahren … ich erinnere mich nicht mehr. Tatsache war aber, dass mich selbst der größte Pott Filterkaffee am nächsten Morgen nicht fit machte (wir hatten so ein kleines Gaskocherchen dabei) … und so blieben wir erst einmal am Strand. Meine Mädels bauten für den leidenden „Pascha“ ein kleines Sonnendach aus einem Handtuch für den Kopf. Ich sollte ja nicht auch noch einen Sonnenstich bekommen.

Ich lag da vollkommen ermattet, ein leichter, kühlender Wind strich über meinen Körper und mein Kopf schmerzte zwar, aber das wenigstens im Schatten.
Die Ladies gingen baden und ich schlief wieder ein.

PicturesKK/forbild35.jpgLeider hatten wir die Rechnung ohne die Sonne gemacht. Warum auch immer, keine der Damen hatte daran gedacht, mich einzucremen (wie ich das gewohnt war) und ich bemerkte erstens wegen des Windes und zweitens schlafend nicht, dass ich mir den bombastischsten Sonnenbrand meines Lebens holte. Ich wurde nämlich erst Stunden später wieder wach … und es war grauenhaft. Insbesondere meine Beine hatten die Farbe gut gesottenen Krebsfleisches angenommen, und der Versuch, in meine Jeans zu steigen, endete in einem Schmerzensschrei. Es ging einfach nicht …

Susi borgte mir schließlich eine ganz leichte und dünne Baumwollhose, rot-weiß kariert und natürlich ein wenig zu kurz, aber auf Schönheit kam es jetzt nicht an. Ich brauchte einige Tage, bis ich mich wieder in die Sonne wagen konnte.

Die letzten Tage auf Kreta verliefen ebenfalls ohne Ereignisse, an die ich mich erinnern würde, lediglich die Rückfahrt durch Jugoslawien blieb mir in Erinnerung. Wir wollten nonstop durchfahren und ich hielt von Piräus bis hinter Belgrad ohne Probleme durch. Dann aber überfiel mich die Müdigkeit und ich bat Schorni, mal für ein oder zwei Stunden das Lenkrad zu übernehmen.
Geweckt wurde ich knapp eine halbe Stunde später durch ein übles Rumpeln, das durchs Auto fuhr … wir kamen auf einer Wiese zum Stehen. Schorni war am Steuer eingeschlafen … ein Glück, dass weiter nichts passiert war. Also setzte ich mich wieder hinter das Lenkrad und fuhr bis Köln durch … insgesamt waren es 48 Stunden praktisch nonstop. Damals konnte ich das noch …

Noch ein abschließendes Wort zu meinem treuen „Rossi“: Über 8.000 Kilometer hatte er uns ohne jedes Problem nach und durch Kreta getragen. Eine Woche später erlitt er einen Kolbenfresser … und ich bekam noch 400,00 DM dafür … ehrlich!