Route1 Von Iráklion nach Westen bis Réthymnon über die „New Road“

Die Straße Richtung Westen aus Iráklion heraus führt durch die „Chanióporta“, das Chaniá-Tor. Wer sich den Weg durch die ganze Stadt sparen will (und dabei doch kaum etwas gewinnt), kann auch Richtung Knossós hinausfahren und findet auch dort eine ausgeschilderte Abzweigung auf die „New Road“ (die ziemlich gut ausgebaute „neue“ Nordküstenstrecke, der wir hiermit ein für alle Mal diesen Namen „verpassen“ wollen).

Durch das Chaniá-Tor folgt man weiter der stets chaotisch überfüllten Ausfallstraße bis zum Ortsausgang von Iráklion, vorbei an zahlreichen Werkstätten, Geschäften, Tankstellen etc. alles geschäftig, hektisch und … hässlich?

Direkt hinter dem Schild, welches das Ende Iráklions anzeigt, zweigt links die Straße nach Míres und Górtys ab, die man nehmen muss, um die „New Road“ zu erreichen. Wenige hundert Meter weiter ist es ausgeschildert: „Rechts müsst Ihr steuern nach Chaniá“.
Fast wie auf einer Autobahnauffahrt geht es leicht bergan, weit geschwungen, und dann ist man (endlich) auf der „New Road“. Und da ist der Mitteleuropäer auf den ersten Blick vielleicht ein wenig enttäuscht, weil er denkt, eine Schnellstraße müsse vier Spuren haben. Das muss sie aber wirklich nicht. Was sollte auf Kreta eine vierspurige Autobahn?

Denn die „New Road“ ist überwiegend breit und sie hat auch zwei offizielle Standspuren, die allerdings nicht als solche genutzt werden sollten. Hier gilt grundsätzlich: Straße ist Straße, da wird gefahren! Was also bei uns in Deutschland bei Strafe verboten ist, wird auf Kreta geradezu erwartet bzw. verlangt: Kommt von hinten ein schnellerer Wagen, weicht das langsamere Vehikel auf die Standspur aus (was es allerdings auch nicht immer tut!). Das Stehen oder Parken auf der „Standspur“ ist sowieso eigentlich auch überhaupt nicht erlaubt, deshalb findet der Reisende an der Nordküste nach Westen überall eingezäunte Strände und nur dann und wann einen „Exit to Beach“.

Man kann die „New Road“ tatsächlich zumindest teilweise als so etwas wie eine kretische „Autobahn“ bezeichnen, dennoch ist gerade hier besondere Vorsicht geboten: Insbesondere im Bereich von Iráklion können einem tags wie nachts auch schon einmal ein paar Ziegen auf der Straße begegnen, an der einen oder anderen Stelle ist der Straßenbelag schon lange nicht mehr das, was er mal sein wollte, manche Kurven sind sogar negativ überhöht (d. h. sie fallen nach außen ab) usw. Außerdem: Nur an dieser Straße gibt es tatsächlich auch mal Geschwindigkeitskontrollen. Und wer als Raser erwischt wird, muss mit einigem an Geldstrafe rechnen. Griechischen Verkehrssündern wird sogar rigoros für einige (manchmal auch längere) Zeit das Nummernschild entzogen: Fahrverbot!

Etwa 15 Kilometer von der Auffahrt auf die „New Road“ entfernt erreicht man die Abzweigung nach Agía Pelagía. Wer Tourismus immer dann nicht mag – auch wenn er selbst Tourist ist – wenn sich die Menschenmassen zu sehr knubbeln, der braucht den Link nicht zu benutzen und nicht abzubiegen, sondern fährt geradeaus weiter.

Etwa 7 Kilometer weiter erreicht man wieder das Meer, rechts der Straße sind Hotel- und Appartementanlagen zu bewundern, links ist es nach Fódele ausgeschildert. Der Geburtsort von „El Greco“ ist ein beliebtes Ziel für Touristen, es sind von hier aus noch etwa 3 KM bis zum Dorf.

Etwa 20 Kilometer weiter erreicht man Balí. Man sieht das Dorf schon eine Weile zuvor schneeweiß in der Bucht liegen, leider ist ein ziemlich großer Teil dieses „Schneeweißen“ eine Ansammlung von Hotelanlagen im vorderen Teil des Ortes. Der hintere Teil aber ist Besuch und Aufenthalt wert.
Von Balí aus steigt die „New Road“ wieder langsam und zäh bergan, dann erreicht man eine Art „Pass“ und kann den Wagen bis zur Abzweigung nach Pánormos fast nur noch rollen lassen. Hier verliert die kretische Nordküste (vorübergehend) ihren wilden, vom Fels geprägten Charakter, von dem sie etwa ab Agía Pelagía geprägt war. Die Berge fallen wieder flacher ins Mehr hinab und kleine Ebenen erstrecken sich im Hinterland des Küstenstreifens.

Ab Pánormos führt die „New Road“ deshalb nun auch kurvenarm bis Réthymnon weiter. Über eine kurze Stichstraße rechts hinunter fährt man nach Pánormos hinein. An der gleichen Stelle zweigt übrigens auch die Straße ins Landesinnere nach Pérama ab, welche an der alten Straße liegt, und deshalb unter der Fahrtroute 2 von Iráklion nach Réthymnon behandelt wird.

Wie man in der Beschreibung über Pánormos erfährt, gehört dieses noch „ein wenig verschlafene“ Dorf meiner Meinung nach zu den besseren Adressen für den Individualreisenden auf Kreta.
Wenn man sich den Abstecher oder einen längeren Aufenthalt hier gegönnt hat, erreicht man die „New Road“ wieder, indem man zunächst der „Hauptstraße“ des Dorfes nach oben folgt und am oberen Ende derselben links einbiegt, dann erreicht man nämlich die „offizielle“ Auffahrt.

Von hier aus erreicht man Réthymnon schnell, die Straße verläuft fast schnurgerade. Etwa 20 KM weiter kreuzt die alte Straße, der Wechsel lohnt eher nicht, da diese nur durch dicht-(meist hotel-)besiedeltes Gebiet führt . Wer allerdings zu den Campingplätzen bei Réthymnon will, muss hier auf die alte Straße überwechseln.
Außerdem kann man hier auch nach Süden zum Kloster Arkádi abbiegen. Ebenso lohnt ein kurzer Besuch des Geburtsortes des „Helden von Arkádi“ Kóstas Giamboudákos, des Dorfes Ádele, oder auch des weniger bekannten, aber sehenswerten Klosters Arsaníou.

Nach Réthymnon sind es von dieser Kreuzung aus, ganz gleich, welcher Straße man folgt, noch etwa 7 Kilometer.

Kreta Reiseroute 1

Arsaníou (Kloster)

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Etwa 15 Kilometer östlich von Rethymnon liegt beim Dorf Pangalochóri das Kloster Arsaníou (16. Jahrhundert). Die Kirche wurde in ihrer heutigen Form allerdings „erst“ Ende des 19. Jahrhunderts erbaut. In der Kirche hängen sehr schöne Ikonen, auch die holzgeschnitzte Ikonostase ist prächtig.

Ebenso lohnt ein Besuch des Klostermuseums (unweit des Eingangs), in dem alte Siegel, Kreuze, Evangelien und lithurgische Bücher aus dem 17. und 18. Jahrhundert, Messgewänder und alte Fotografien zu sehen sind.

Agía Pelagía

An Agía Pelagía an der Nordküste von Kreta unweit westlich von Iráklion scheiden sich möglicherweise die Geister. Wer Tourismus immer dann nicht mag, wenn er sich zu sehr knubbelt, PicturesOG/Agia Pelagia_ww.jpgder braucht hier eigentlich nicht hinzufahren. Andererseits höre ich auch immer wieder von Leuten (auch hier im Internet), die dort einen wunderschönen Kreta Urlaub verlebt haben. Und das zweifele ich nicht an, denn auch hier gilt wieder einmal: Jedem das Seine.
Agía Pelagía wird in den Prospekten vieler Reiseveranstalter als „nettes Fischerdorf mit Charme und kretischem Flair“ angepriesen, aber tatsächlich ist er inzwischen nicht viel anderes als eine aus dem Boden gestampfte Touristensiedlung. Das „Fischerdorf“ habe ich nicht gefunden.
Biegt man von der „New Road“ aus hinunter nach Agía Pelagía ab, so bewundert man zuerst einmal die wilde zerklüftete Landschaft, die wirklich großartig ist.

Baden

Der schmale, aber einladende Sandstrand in der „Hauptbucht“ von Agía Pelagía ist naturgemäß stark bevölkert. Das Meer ist hier in der Regel ruhig, weil das Kap im Nordosten von Kreta gut vor dem Wind schützt. Wen es nicht stört, dass er sich praktisch ausschließlich unter seinesgleichen befindet, wen es nicht stört, dass er wirklich kaum noch feststellen kann, unter welcher südlichen Sonne er sich befindet, der ist hier tatsächlich gut aufgehoben. Eine touristische Infrastruktur ist jedenfalls vorhanden, man kann Wasserski fahren oder gar Fallschirmsegeln, Tauchgänge oder Bootsausflüge unternehmen und was in solchen Orten eben alles geboten wird.
Wem es hier zu voll und zu eng ist, der weicht in die – ebenfalls allerdings nicht ganz unbelebten – Nachbarbuchten aus: Im Nordosten z. B. die Mononáftis-Bucht oder im Südwesten Lygariá und Madé (alle diese Buchten sind „natürlich“ auch durch Tavernen und/oder „Beach-Bars“ bewirtschaftet).

Essen und Trinken
Am Strand liegen die meisten Lokale des Ortes, genannt seien hier nur stellvertretend für andere die Lokale „Sokratis (Socrates)“, „Kochyli“ und „To Votsalo“. Hier isst man gut.
Einen Tipp schickte mir Melanie Dress: „… das allerbeste Restaurant in Agía Pelagía ist wirklich „Irini“, und das liegt nicht am Strand, sondern in der Hauptstraße. Der Chefkoch versteht es wirklich, frische Dinge zuzubereiten!“ Danke für den Hinweis.

Informationen, Tickets, Autos, Wohnungen
Ebenfalls in der Hauptstraße bei „Kritinet Travel“.

Sehenswert
Ausgrabungen spätminoischer Gräber und die Kirche der Agía Pelagía auf einem Felsen am Meer.

Unterkunft
Hotels:
Luxus: „Capsis Beach“; 660 Z./1220 B.; Tel. 2810-811112; März-November.
A-Kat.: „Alexander House“; 80 Zimmer/147 Betten; Tel. 2810-811303; April-Oktober.
A-Kat.: „Peninsula“; 204 Z./367 B. (auch Bungalows); Tel. 2810-811313; April-Oktober.
B-Kat.: „Manonavtis“; 40 Z./74 B.; Tel. 2810-811213; April-Oktober (direkt am Meer).
B-Kat.: „Panorama“; 130 Z./254 B.; Tel. 2810-811002; April-Oktober.
B-Kat.: „Stelios“; 42 Z./76 B.; Tel. 2810-811072; April-Oktober.
B-Kat.: „Perla“; 42 Z./80 B.; Tel. 2810-811034; März-November.
C-Kat.: „Charis“; 42 Z./81 B.; Tel. 2810-811508.
D-Kat.: „Evi“; 10 Z./19 B.; Tel. 2810-811167; April-Oktober (direkt am Meer).
D-Kat.: „Lady M.“; 3 Z./6 B.; Tel. 2810-811533; April-Oktober (direkt am Meer).
D-Kat.: „Miros“; 18 Z./30 B.; Tel. 2810-811222.
Darüber hinaus aber auch private Zimmervermieter.

Öffentliche Verkehrsmittel
Viermal täglich Busverbindung mit Iráklion.

Pánormos

Pánormos ist ein kleiner Badeort an der Nordküste von Kreta zwischen Iráklion und Réthymnon. Genau an dieser Stelle verliert die kretische Nordküste ihre vorübergehende felsige Wildheit, von der sie zwischen Agía Pelagía und Pánormos geprägt war. Die Berge fallen wieder flacher ins Meer ab, es entstehen kleine Ebenen als Hinterland des Küstenstreifens.
Das Dorf Pánormos erreicht man über eine kurze Stichstraße (1 Kilometer) von der „New Road“ aus. An der gleichen Stelle zweigt übrigens auch die Straße ins Landesinnere nach Pérama ab, die so die alte Straße durch die Berge und die „New Road“ verbindet. Entfernung ab hier 8 Kilometer.

In Pánormos findet man einen kleinen und (immer noch) relativ verschlafenen Ort auf Kreta vor, auch wenn die Einheimischen erklären, seit einigen Jahren hätte der Tourismus auch hier sehr zugenommen. Die entsprechende Infrastruktur haben sie schon geschaffen oder sind eifrig dabei.
Der Strand neben dem Hafen ist zwar sandig, allerdings auch ziemlich klein.

Das eigentliche Dorfzentrum liegt oberhalb des kleinen Hafens (ganz unten am Hafen übrigens die beste Parkmöglichkeit für Durchreisende), der nur aus einer kleinen Mole besteht, die die flache Bucht abschirmt. Hier finden sich auch mehrere kleine Tavernen, die leider alle Schatten nur unter einem Stoffdach bieten. Preise und Essen sind in Ordnung, in der Taverne „Mourágio“ fand ich besonders das „Saganáki“ (eine Eierspeise mit Käse) sehr gelungen.

Weiter oben im älteren Ortskern, in der gleichen Straße wie die Post, das Büro von „Kastélli Tours“. Hier kann man Leihwagen mieten, Ausflüge buchen, Zimmer bekommen … oder aber auch einfach nur eine Auskunft, man versteht sich gleichzeitig als eine Art „Tourist-Information“.
Schräg gegenüber ein kleines und ziemlich uriges Lebensmittelgeschäft für Selbstversorger, ein Stück dahinter die Post, und am Ende der Gasse ein gemütliches altes Kafenío, welches sich in seiner deutschsprachigen Karte aber auch schon auf die Touristen eingestellt hat. Hoffentlich weicht es nicht ganz einer Café-Bar.

Unterkunft
findet man z. B. über „Kastelli Tours“ und bei diversen anderen Appartement- und Zimmervermietern (z. B. im „Captains House“ direkt über der Hafenmole), oder auch in einigen Hotels im Ort:
C-Kat.: „Panormo-Beach“; 31 Zi./61. B.; Tel. 28310-51321, April – Oktober.
D-Kat.: „Kastelli“; 10 Zi./19.B.; Tel. 28310-51226.

Öffentliche Verkehrsmittel
Der mehr als häufig verkehrende Bus Iráklion-Réthymnon-Chaniá hält oben an der Abzweigung  der „New Road“. Insgesamt sind es 23 Busse aus Richtung Iráklion/Tag (Fahrzeit ca. 1/2 bis 1 Stunde je nach Tageszeit) und mindestens ebenso viele aus der anderen Richtung.