Route 24 – Von Ágios Nikólaos ins Umland: Kritsá, Kritsá-Schlucht, Láto, Katharó-Hochebene, Eloúnda, Pláka und Spinalónga/Kalýdon

Der geschäftige Ort Ágios Nikólaos bietet eine ganze Reihe von interessanten Ausflugszielen im Umland. Zum einen lohnt sich ein Ausflug nach Südwesten nach Kritsá . Man fährt aus Ágios Nikólaos heraus, als wolle man Richtung Osten (Sitía) fahren, überquert aber dann oben die Nordküstenstraße Richtung Kritsá.

Besonders sehenswert ist dort eine der berühmtesten Kirchen Kretas Panagía i Kerá, die noch vor dem Ortseingang von Kritsá liegt.

Von hier aus lohnt die Weiterfahrt zu den Ausgrabungen von Láto und zur Katharo-Hochebene sowie eine einsame und schöne Wanderung durch die Kritsá-Schlucht.

Ein anderer schöner (und durchaus tagesfüllender) Ausflug führt am Meer entlang nach Norden. Man überquert am Hafen die kleine Brücke, die die Zufahrt zum Voulisméni-See „überspannt“ und hält sich dahinter rechts am Meer entlang.

Bis zum Badeort Eloúnda sind es von hier aus etwa 11 Kilometer. Von dort aus erreicht man die vorlagerte Insel Spinalónga und vom Dorf Pláka aus (man biegt vor dem Uhrturm in Eloúnda rechts ab – weitere 10 Kilometer) die ehemalige Lepra-Kolonie auf der kleinen Insel Kalýdon (sie ist unter Spinalónga mit beschrieben).

Zurück kann man auch in einem großen Bogen durchs Hinterland fahren, das macht Spaß, wenn man sich die Zeit nimmt – ruhige und abgeschiedene Dörfer und pittoreske Landschaft.

Spinalónga und Kalydón(a)

Die ehemalige „Leprainsel“ liegt nördlich von Ágios Nikólaos gegenüber des Badeortes Eloúnda.

Tatsächlich besteht Spinalónga aus zwei Inseln, der südlichen, die wirklich so heißt, aber nicht (!)  die Leprainsel war, und der nördlichen, die die Leprainsel war, aber richtig Kalydón bzw. Kalydóna heißt.

PicturesOG/spinalo1.jpgBeginnen wir mit der südlichen (Spinalónga) und ihren (kleinen) Sehenswürdigkeiten: Zu dieser Insel kann man auch zu Fuß oder mit dem Auto hinüber gehen/fahren, denn sie ist mit dem kretischen „Festland“ durch einen langen Damm verbunden. Diesen wiederum durchschneidet ein schmaler Kanal, über den eine Brücke führt. Die Zufahrt ist im Ort Eloúnda recht unauffällig rechts zum „Public Beach“ ausgeschildert.

Direkt hinter der Brücke geht man rechts bis zu einer recht netten Taverne. Direkt rechts daneben  führt ein schmaler Weg etwa 20 Meter landeinwärts. Dort findet man ein etwa 3-5 Meter großes (eingezäuntes) byzantinisches Fußbodenmosaik, welches Delphine und Rosetten zeigt.

PicturesOG/spinalo2.jpgZurück an der Taverne geht man weiter (links) am Wasser entlang und erreicht eine kleine Kirche. Direkt vor der Kirche kann man bei ruhiger See unter der Wasseroberfläche die Grundmauern von Häusern erkennen (es ist nicht ganz einfach, man muss schon genau gucken).
Es soll sich hier um Überreste der antiken Stadt Ólous handeln, die bei einer Erdbewegung der Insel im Meer versank.
Einige hundert Meter den Weg weiter gehend, erreicht man zwischen den felsigen Klippen diverse kleine Badestellen, wo man fast für sich alleine sein kann. Nebenbei sind die Felsen bestens als Sprungbrett ins Meer zu nutzen, da es hier tief genug ist. Einer meiner Söhne hat hier mal mit der Hand einen Oktopus gefangen, den er leider wieder schwimmen ließ, weil er ihn so traurig anschaute (und ich esse doch Oktopus für mein Leben gern!)

PicturesOG/spinalo3.jpgKommen wir nun zur nördlichen Insel Kalydón, der echten Leprainsel (man kann zu dieser Insel mit Ausflugsschiffen von Ágios Nikólaos oder von Eloúnda aus fahren, ich persönlich ziehe es vor, mit dem Auto (oder dem Bus – s. u.) weiter nach Norden bis zu dem kleinen Fischerdorf Pláka zu fahren (die Straße nach Pláka zweigt in Eloúnda hinter dem Hafenplatz und dem Uhrturm rechts ab) und von dort aus den kurzen Weg mit einem größeren Fischerboot zu fahren (Preis/Person ca. 8 Euro). Im Lokal „Gorgona“ direkt an der Anlegestelle haben wir gut gegessen, während wir auf das nächste Boot warteten. Spinalónga und Kalydón(a) weiterlesen

Kritsá-Schlucht

Die folgende Beschreibung der Schluchtdurchwanderung schickte mir Frank Bageritz.
Die Strasse von Kritsá zur Ausgrabung der dorischen Stadt Láto überquert kurz nach dem Ortsausgang von Kritsá ein im Sommer ausgetrocknetes Flussbett. Hier weist ein kleines verrostetes Schild mit der Aufschrift „Farángi Kritsás“ nach links den Weg zum eigentlichen „Einstieg“ in die Schlucht.

PicturesOG/kritsaschlucht001.jpegMan auch schon an der Brücke in das Flussbett klettern. Wer nicht erst durch Kritsa hindurch will, kann sogar mit der Wanderung schon hinter der Kirche „Pánagia i Kerá“ ins Flussbett einsteigen. Es sei aber nicht verschwiegen, dass bis zur oben genannten Brücke der Weg eher einer Müllhalde als einem Flussbett ähnelt.

Schöner ist es, hinter der Brücke erst einmal den Weg bis zu einem kleinen Kirchlein zu laufen, denn erst dahinter beginnt die eigentliche Schlucht. Für einen Sonntagsspaziergang mit Kind und Kegel ist diese Wanderung wirklich nicht empfehlen. Geht es am Anfang nur über Geröll, so steht man nach etwa 400 Metern bereits an der ersten Herausforderung. Man muss einen ausgewaschenen Felsen bezwingen. Nicht sehr hoch, aber glatt. Man braucht zwar keine alpine Ausrüstung, aber festes und vor allem rutschfestes Schuhwerk ist in jedem Falle von Nöten (also die Oma unbedingt zu Hause lassen).

PicturesOG/kritsaschlucht002.jpegDie Mühe lohnt sich. Man ist nun in einer menschenleeren Schlucht angekommen, die meiner Meinung nach sogar imposanter ist als z.B. die Samariá-Schlucht. Durch die Enge der Schlucht hat man auch im Sommer immer ausreichend Schatten. Allerdings sollte man sich mit Getränken eindecken, da es hier in den warmen Monaten keinen Wasserlauf mehr gibt (übrigens haben wir auch Ende April nur Pfützen sehen können). Auf ca. 3 Kilometern geht es nun weiter durch die enge Schlucht. Immer wieder wird man durch kleine Klettereinlagen überrascht. Auch das Passieren der Zäune, welche wohl bei der Schneeschmelze transportiertes Gestein zurückhalten sollen, fordert teilweise etwas Geschick. Dann verbreitert sich die Schlucht. Linker Hand ist unser „Katzenfelsen“ zu sehen. Der Stein auf dem Berg sieht echt wie eine sitzende Katze aus.

PicturesOG/kritsaschlucht003.jpegAb hier treten die Wände noch weiter auseinander, die Schlucht wird immer breiter. Auch mit dem Schatten ist es vorbei. Immer mehr Olivenbäume prägen das Bild, bis man plötzlich in einem richtigen Olivenhain steht. Dieser gehört zum Bergdorf Tápes, welches das Ende der Schlucht darstellt. Nach ca. 7 Kilometern ist die Durchwanderung geschafft. Von den kleinen Kletterpartien abgesehen, ist es nicht sehr anstrengend, der Weg von Agía Rouméli nach Omalós durch die Samariá-Schlucht (also auch bergauf) ist wesentlich beschwerlicher.

In Tápes angekommen wird man allerdings schnell enttäuscht sein, denn einen guten griechischen Kaffee oder Frappé erhält man hier nicht.

Jetzt ist eine Entscheidung gefordert. Entweder, man geht den gleichen Weg zurück oder man „wandert“ entlang der Strasse Richtung Ágios Nikólaos. Öffentliche Verkehrsmittel sind uns auf der Wanderung von Tapes nach Ágios Nikólaos nicht begegnet. Die Strecke ist ca. 12 Kilometer lang und führt immer an der Strasse entlang. Das macht also keinen richtigen Spaß.

PicturesOG/kritsaschlucht005.jpegEs ist eher zu empfehlen, die Schlucht nur bis zu dem Punkt zu durchwandern, wo sie richtig breiter wird (hinter dem Katzenfelsen). Hier ein kleines Picknick machen und dann den gleichen Weg zurück (auch das sind dann insgesamt etwa 7 Kilometer).

Ein wichtiger Hinweis zum Schluss:
Durch die Einsamkeit der Schlucht sieht es im Notfall sehr schlecht mit Hilfe aus. Auch mein Handy hatte größtenteils keinen Empfang. Deshalb sollte man die Wanderung auf keinen Fall alleine unternehmen!

Zu den Schluchten auf Kreta

Kritsá

In allen Reiseführern liest man, wie pittoresk dieses Bergdorf 12 Kilometer südwestlich von Ágios Nikólaos sei. Da der größte Teil der Anfahrt praktisch ebenerdig durch Olivenhaine führt, mag man zuerst vielleicht gar nicht glauben, daß man gleich da sein wird, doch dann ist rechts schon die größte Sehenswürdigkeit des Dorfes auf, die Kirche Panagía i Kerá, erreicht.

PicturesOG/kritsa.jpgKritsá  ist mit etwa 2000 Einwohnern eines der größten Dörfer der Insel. Spätestens seitdem es Schauplatz der Verfilmung von Kazantzakis‘ „Griechischer Passion“ durch Jules Dassin war, gilt es auch als eines der schönsten Dörfer Kretas. Kritsá weiterlesen

Katharó-Hochebene

Katharó-Hochebene

PicturesOG/Katharo_gbeisner_087.jpgDiese Hochebene liegt östlich der Lassíthi-Hochebene im Díkte-Gebirge. Man erreicht sie von Kritsá aus.

Fährt man durch das Dorf auf der sehr schmalen „Hauptstraße“ hindurch (aber dann nicht Richtung Kroustás!), windet sich die Straße hinauf ins Díkti-Gebirge. Erst jetzt geht es so „richtig“ in die Berge, deswegen führt die Bezeichnung Kritsás als „Bergdorf“ wirklich ein wenig in die Irre.

Je höher man nun kommt, desto beeindruckender wird der Blick ringsum in die kargen Berghänge, es gibt immer weniger Olivenbäume, immer mehr Macchia und den Duft nach allen Kräutern der Insel wie Thymian, Rosmarin, Salbei oder Oregano. Katharó-Hochebene weiterlesen

Panagía i Kerá (Kirche)

Die relativ kleine Kirche bei Kritsá wenige Kilometer südlich von Ágios Nikólaos ist die wohl berühmteste Kirche Panagía i Kerá auf Kreta und ziert viele Titelblätter, nicht zu Unrecht, denn sie bietet immerhin zwei Besonderheiten.

PicturesOG/kritsa2.jpgZum einen ist Panagía i Kerá  dreischiffig. Diese drei Kirchenschiffe entstanden in horizontaler Sandwichbauweise nach und nach im Laufe von drei Jahrhunderten. Das macht die Kirche Panagía i Kerá  viel breiter, als der Kuppelturm über dem mittleren Schiff hoch ist. Wegen ihrer zusätzlichen schrägen Stützmauern an den Seiten wirkt sie geduckt und fest im Boden verwurzelt. Nicht das mittlere Schiff mit dem Turm ist übrigens das älteste, sondern das südliche, welches zu Beginn die komplette Kirche darstellte.

Die zweite Besonderheit der Kirche Panagía i Kerá sind die Fresken in ihrem Inneren, die ich leider nicht fotografieren konnte, da es zu dunkel war und ein Blitz verboten ist.

Nirgendwo sonst auf Kreta sind diese Fresken so zahlreich und gut erhalten. Deshalb kommen so viele Interessierte hier her, dass diese Kirche meines Wissens die Einzige auf Kreta ist, für die Eintritt verlangt wird (ca. 3 Euro). Das Innere ist diesen Obulus aber auch wert.

Das Mittelschiff ist mit Bildern der Propheten (in der Kuppel, schlecht erhalten), der Evangelisten (in den Ecken darunter) und dahinter mit einer Darstellung der Auferstehung Christi geschmückt. In der Apsis findet eine Darstellung der Gottesmutter mit den Erzengeln Gabriel und Michael. Im vorderen Teil sind einige Stationen aus dem Leben Christi zu sehen, wie seine Geburt, der Kindermord des Herodes, das Abendmahl u.a.

Das Südschiff ist der Agia Anna geweiht (der „Großmuttergottes“). Die Fresken zeigen Bilder aus ihrem Leben.

Das Nordschiff gehört dem Ágios Antónios. In der Apsis ist hier besonders interessant die Darstellung des Christus Pantokrator. Etwas fehl am Platze scheint in der hinteren linken Ecke ein Paar in kretischer Tracht. Man vermutet, daß es sich ganz prosaisch um die Stifter dieses zuletzt angebauten Nordschiffes handelt.

Die Kirche ist montags – samstags von 10-15 Uhr, sonntags nur bis 14 Uhr geöffnet. Man sollte sich vor dem Hinauffahren diese Öffnungszeiten aber unbedingt bei der Touristeninformation (EOT) in Ágios Nikólaos bestätigen lassen, damit man nicht möglicherweise vor verschlossener Tür steht.