Fischen

Für das Fischen vom Ufer aus braucht man keine besondere Genehmigung, groß ist die Chance allerdings nicht, etwas Besonderes zu fangen. Die Einheimischen angeln trotzdem unverdrossen und hauen auch die kleinsten Fische in die Pfanne.

Auch hier wieder eine kleine Geschichte: Mein jüngerer Sohn, damals über den Daumen gepeilt etwa 10 Jahre alt, holte sich in Kalýves „Nachhilfeunterricht“ bei einem Einheimischen (wie er das ohne Sprachkenntnisse geschafft hat, weiß ich nicht). Jedenfalls mixte er mit Unterstützung meiner Frau einen offensichtlich sehr schmackhaften Köderbrei, den er dann mitsamt Angel an das äußerste Ende der Hafenmole von Kalýves trug. Der Dreizackhaken war viel zu groß, als dass die kleinen Fischlein („Marídhes“) hätten anbeißen können… aber er wartete, bis ein ganzer Schwarm am Knabbern war, dann riss er die Angel in die Höhe und hatte fast jedes Mal Erfolg: Irgendein Fisch wurde vom Haken mit hochgerissen. So fing er unter den staunenden Augen und anerkennenden Bemerkungen einheimischer Kinder und Erwachsener eine komplette Abendmahlzeit für unsere vieköpfige Familie innerhalb von knapp zwei Stunden … er war und ist bis heute geduldig und hartnäckig in seinem Tun.

Interessanter ist es, wenn man einen Fischer überredet, einen auf den nächtlichen (!) Fang mitzunehmen. Außer dem ungewöhnlichen Erlebnis bekommt man auch mal einen echten Eindruck vom „romantischen“ Fischerleben. Es ist nämlich eher anstrengend als romantisch (ich weiß, wovon ich rede, denn ich bin mit Freunden aus Kókkinos Pýrgos mehrere Sommer lang praktisch jede Nacht rausgefahren).

Offiziell ist es den Fischern allerdings verboten, Gäste mitzunehmen (aus Sicherheitsgründen), und so wird die Mitfahrgelegenheit nicht mehr so freigiebig geboten wie früher. In Réthymnon, Agía Galíni oder Ágios Nikólaos und anderen Orten kann man nicht ganz echte Fischertouren (weil tagsüber) auch gegen Bares buchen, wenn sich sonst keine Gelegenheit bietet.