Freitag, 13. Juli – Kreta 2001

Ich wache einmal mehr in vollkommen unbekannter Umgebung auf, aber ich habe bestens geschlafen. Auch hier verhinderte die Klimaanlage offene Fenster und damit auch den Besuch meiner besonderen Freunde, der Mücken.

Marianna und Melina finde ich beim Haus vor, wo sie gerade stolz wie Harry Jürgens und Stefanies Mitbringsel ausprobieren: Zwei richtig aus Peddigrohr geflochtene Puppenkindersitze für ihre Fahrrädchen. Judith treffe ich unten im Büro an. Meinen vorsichtigen Versuch, das Zimmer zu bezahlen, weist sie kategorisch von sich. Ich hätte es wissen müssen. Irgendwie bin ich in diesem Jahr nicht überzeugend genug.

Mein Aufbruch verläuft nach den üblichen Regeln … keine langen Verabschiedungen. Das heißt nicht, dass ich Judith und Thanassis für ihre Gastfreundschaft nicht dankbar bin! Ich glaube aber, Judith hat das schon verstanden.

PicturesKK/irakhafen4.jpgIch frühstücke bei Heidi in Agía Galíni. Ich fühle mich bedrückt, wie immer, wenn die endgültige Abreise von Kreta unmittelbar vor der Tür steht. Denn heute nachmittag will ich nach Iráklion fahren, da Jorgos (von City Car) mich bzw. uns in jedem Jahr gerne einmal zu sich nach Hause einlädt. Und da mein Flugzeug morgen schon relativ zeitig abfliegen soll, bietet es sich geradezu an, die Nacht in Iráklion zu verbringen und so morgen nicht zu früh aufstehen zu müssen.
Also nutze ich den Rest des Vormittags zu meinem üblichen Verabschiedungsrundgang und zum Packen, den Nachmittag zu einem letzten ausgiebigen Schläfchen. Dann geht es wieder auf die Piste Richtung Iráklion.

Gegen 6 Uhr abends gebe ich das Auto bei Jorgos ab und er bringt mich zum Hotel „Evans“ unweit des Flughafens, das er für mich gebucht hat. Der Besitzer ist ein Freund von ihm. Wir verabreden uns für halb neun, heute bin ich nicht bei ihm zu Hause eingeladen, sondern ein Herrenabend ist angesagt. Auch gut.

PicturesKK/irakionia.jpgDas Hotel beherbergt keinen einzigen Touristen außer mir, hier steigen normalerweise eher Vertreter u. ä. ab. Es ist durchaus in Ordnung, wenn es auch in der Ausflugschneise des Flughafens liegt. Zudem sind die offiziellen 13.000 Drachmen schon ein stolzer Preis für ein recht einfaches Stadthotel. Da ich aber nur 7.000 bezahle und die Nähe zum Flughafen in meinem Fall eher angenehm ist, hüte ich mich, etwas dagegen einzuwenden.

Da ich bereits einen Nachmittagsschlaf hinter mir habe, nutze ich die Zeit bis zu unserer Verabredung noch für einen Stadtbummel und ein paar neue Fotos.

Später kommt Jorgos und entführt mich nach Amnissós direkt auf den Strand. Auch dieser Wirt ist ein Freund von ihm, natürlich. Das Lokal liegt praktisch direkt unterhalb der Klippe, auf der Start- und Landebahn des Flughafens liegen. So lange wir auch dort sitzen, die Flugzeuge starten und landen ununterbrochen. Fast stört der Krach uns nicht mehr, eher ist es spannend, wie knapp die Flieger hinter der Klippe aufsetzen, auch bei völliger Dunkelheit.

Ich seufze und sage zu Jorgos: „Ich bin traurig, morgen fliege ich nach Hause!“
Er lacht und antwortet: „Freu dich doch!“
Das kann und will ich natürlich nicht verstehen.
„Du kannst dich ruhig freuen, denn du kommst doch bald wieder hierher! Das weiß ich nun schließlich aus Erfahrung! Und wenn du nächstes Mal ein Auto brauchst, musst du nichts bezahlen. Du musst wissen, du hast Freunde hier auf Kreta. Und das weißt du doch auch!“

Darauf habe ich keine Antwort mehr, allerdings nicht wegen des Autos! Ich hasse Abschiede (oder sagte ich das schon?).