Kreta 1977 – Teil 11

Inzwischen war es schon fast Oktober und unsere letzte Woche war angebrochen. Ich rechnete allmählich mal unsere Finanzen durch. Dabei kam ich zu dem Ergebnis, dass wir eigentlich ganz gut im Soll lagen, was nach dieser langen Zeit erstaunlich war), einzig und allein die unvorgesehenen Arzneikosten wegen Yvonnes Abszess hatten eine heftige Bresche von etwa 120 DM in unsere Reisekasse geschlagen.

Also beschloss ich, am Tag vor der Abreise nach Iráklion zur IKA (staatliche Krankenkasse) zu fahren, weil ich hoffte, dass man mir dort bei Vorlage der Quittung und Yvonnes internationalen Krankenscheins das Geld erstatten würde.

Das Gebäude der IKA in der Odós Agíou Miná fand ich schnell, war aber schon ein wenig beeindruckt, als ich in der Empfangshalle die Schlangen vor den diversen Schaltern sah. Irgendwie fand ich heraus, wo ich mich anzustellen hatte und war nach geraumer Zeit auch dran. Erwartungsvoll schob ich die genannten Papiere über den Tresen. Der Mensch am Schalter schaute sie sich eine ganze Weile an und bedeutete mir dann, mit dem internationalen Krankenschein könne man hier nichts anfangen. Dazu müsse mir erst ein sog. „Vivliário“ ausgestellt werden, welches wohl den nationalen Krankenschein darstellte.
Also fragte ich, ob man mir hier dieses Vivliário ausstellen könnte. Die Antwort erinnerte an Radio Eriwan: „Im Prinzip schon … aber dafür müssen Sie in den zweiten Stock, Zimmer x!“

Also nahm ich tapfer meine Unterlagen wieder an mich und wanderte die Treppe empor in den zweiten Stock. Einen Fahrstuhl gab es nicht, denn bei der IKA sorgte man schließlich für die Gesundheit der Kundschaft.

Ich fand das entsprechende Zimmer, musste auch hier eine Weile warten, durfte dann aber eintreten und brachte mein Anliegen vor. Der Beamte (?) betrachtete sich meine Unterlagen und holte dann ein mehrseitiges Formular aus dem Schreibtisch. Mühsam schrieb er Yvonnes persönliche Daten aus dem Reisepass ab – ja, ich hatte sogar daran gedacht, mir von einem Einheimischen aufschreiben zu lassen, dass Yvonne mich ermächtigte … dieses Papier schien die ausreichende Anerkennung zu finden. Als das Formular endlich fertig war, musste ich unterschreiben, einige Stempel landeten auf dem Papier … und die Reise ging weiter.

Am Zielort fand ich einen (offensichtlich) Arzt vor, er trug einen weißen Kittel. Dieser las sorgfältig das Antragsformular von Anfang bis Ende durch, betrachtete Yvonnes Vollmacht und Krankenschein und beäugte schlussendlich auch die beiden Apothekenquittungen.

Er legte sie wieder weg und durchwühlte die Unterlagen noch einmal. Dann schaute er mich an?
„Ke pou íne i sintají?“ (Wo ist das Rezept?)
„Den to xéro. Mállon akóma sto farmakío. I stélnoun tis syntajés kápou?“ (Das weiß ich nicht. Wahrscheinlich noch in der Apotheke. Oder schickt man die Rezepte irgendwo hin?)

Es ging noch ein bisschen hin und her, aber das Ende vom Lied war … ohne Rezept hatte ich keine Chance. Blieb nur zu hoffen, dass der Apotheker in Timbáki das Rezept noch finden würde. Morgen hatte ich ja auch noch Zeit, mein Glück erneut zu versuchen. Sicherheitshalber würde ich Yvonne mitnehmen – wir mussten ja sowie zur Abendfähre und waren darüber hinaus mit der netten Chaniotin verabredet.

Ich hatte Glück: Der Apotheker in Timbaki hob anscheinend alle Rezepte bis an sein Lebensende auf, er hatte eine ganze Schublade voll davon. Und … er fand unser Rezept. Ich atmete auf. Nun würde ich also morgen sicher das Geld bekommen … das Vivliário hatte ich ja schon. Wie ich später feststellte, war das noch gar nicht das Vivliário – nur der (erste) Antrag dafür …

Am nächsten Tag nahmen wir wieder einmal Abschied von Kókkinos Pýrgos, was uns wie immer schwer fiel. Wenn ich mir das heute noch mal so überlege, verstehe ich das gar nicht so richtig, aber sicherlich waren es die Menschen, denen wir damals begegneten. Den vielen einheimischen Freunden und Bekannten und natürlich auch den anderen KP-Bekloppten, die immer wieder kamen. Wahrscheinlich war es so ähnlich wie etwa zur gleichen Zeit in Paleochóra, nur ist Pale schon ein wenig (nein, eigentlich viel) hübscher. So hat halt jedes Tierchen sein Plaisirchen oder Vorlieben …

Also zurück nach Iráklion und zur IKA. Diesmal nahm ich Yvonne mit rein, denn nach den bisherigen Erfahrungen erwartete ich fast, dass meine handschriftliche Vollmacht irgend einem wichtigen Menschen plötzlich nicht mehr reichen würde.
Da ich den Antrag, die andren bisherigen Unterlagen und nun auch das bzw. die beiden Rezepte bei mir hatte, gingen wir gleich durch in den zweiten Stock zu dem Herrn im weißen Kittel.
Wieder betrachtete er sich sorgfältig und akribisch alle Papiere, dann nickte er gnädig, öffnete seine Schreibtischschublade und zog … ein Antragsformular hervor. Mein Gott, nein, nicht noch eins. Es dauerte eine halbe Stunde, bis wir sein Büro mit dem unterschriebenen und abgestempelten Vivliário verließen und uns auf die Suche nach einem Büro im 1. Stock machten, zu dem er uns geschickt hatte.

Wir fanden es: Es war ein Großraumbüro mit etwa 15 Schreibtischen, die alle besetzt waren. An der Tür liefen wir auf eine freundliche Dame auf, die das Büro wie ein Zerberus „bewachte“. Wir legten ihr alle Unterlagen vor, die sie aufmerksam studierte und uns dann an einen Schreibtisch ganz am hinteren Ende des Raumes verwies. Während wir den Raum durchquerten, entdeckte ich voller Überraschung und Vorfreude, dass sich hier in diesem Büro offensichtlich auch die Kasse befand. Und zwar in einem hölzernen, abschließbaren Verschlag an einer Seitenwand des Raumes. Sie war sogar geöffnet, es standen ein paar Leute davor.

Wir erreichten den besagten Schreibtisch und wurden gnädig aufgefordert, Platz zu nehmen. Die also für uns zuständige Dame studierte mit Bärenruhe unsere Unterlagen, dann … jeder ahnt  sicher, was jetzt kommt. Sie öffnete ihre Schreibtischschublade …

Inzwischen leicht bis ziemlich genervt fragten wir, wie viele Büros und wie viele Formulare wir denn jetzt noch vor uns hätten. Doch sie beruhigte uns mit einem sanften Lächeln: Was sie da ausfülle, sei die Auszahlungsanweisung, mit der wir im Anschluss zur Kasse gehen könnten … und dann würden wir das Geld bekommen! Wir frohlockten innerlich …

Die Dame war noch mitten in ihrer Arbeit, als das Fenster des Kassenhäuschens geschlossen wurde und ein recht dicker Mann mit einem großen Schnauzbart durch eine Seitentür heraustrat.
Er rief laut durch den Raum: „Mía i óra, tha klíso tóra méchri stis pénte!“ (Es ist ein Uhr, ich mache jetzt bis um fünf zu!)

In Windeseile überschlug ich die Zeit: Um sieben Uhr würde die Fähre abfahren, ich wollte die erhaltenen Drachmen zum Teil in die Tickets umsetzen, denn ein Rücktausch wäre doch recht verlustreich gewesen. Aber nach fünf Uhr noch ein Ticket für das Auto zu bekommen, schien mir trotz der Jahreszeit zu risikobehaftet.

Also gingen mir in diesem Moment ganz nach griechischem Temperament endgültig die Pferde durch. Ich stand auf und brüllte (jawohl: brüllte!!!) durch den großen Raum: „An tha klísis tóra, tha káno to tamío sou ólo jialiá karfiá!“ (Wenn du jetzt zu machst, haue ich dir deine Kasse zu Kleinholz!). Das mochte zwar nicht ganz grammatikalisch korrekt sein, aber verstand es und zuckte mit den Schultern.
„Endaxi, tha periméno!“ (OK, ich warte!)
Offensichtlich hatte ich Schaum vor dem Mund und er hatte Sorge, ich würde ihn beißen und mit meiner Tollwut anstecken.

Unsere Sachbearbeiterin lächelte erneut milde und schien sich jetzt etwas mehr zu beeilen. Und es geschahen Zeichen und Wunder. Wir gingen mit der Anweisung zur Kasse, die nun wieder geöffnet war … und wir bekamen das Geld! Ja, wirklich und tatsächlich! Wir glaubten es kaum, aber die Scheine in unserer Hand fühlten sich nicht virtuell, sondern ganz real an.
Wir wünschten dem Kassierer einen „Guten Appetit“ und sahen zu, dass wir Land gewannen, denn auch wir wollten noch etwas essen, vorher allerdings unsere Mitfahrerin aus Chaniá treffen, um gemeinsam die Fährtickets zu kaufen.

Es klappte alles: Sie war da, wir bekamen Tickets … und dann ließen wir es uns im damals noch guten – nein, sehr guten – Restaurant „Knossos“ am Brunnenplatz schmecken. Heute ist es eher ein Studentenlokal, sehr schade.

Wir fuhren aus bekannten Gründen wieder recht früh auf die Fähre, nachdem wir vorher noch Jorgos in Athen angerufen hatten. Ob er denn morgen früh an der Fähre sein würde und ob seine Einladung noch gelte?
Natürlich lautete die Antwort „sowohl als auch“.

Kreta 1977 Reisebericht Teil 12

Kreta 1977 – Teil 12

Tatsächlich stand er mit seinem roten Simca unten auf der Hafenmole, als die Fähre in Piräus anlegte. Wir begrüßten uns herzlich, nachdem ich den Bus aus dem Bauch des Schiffes gefädelt hatte, dann fuhren wir hinter ihm her bis zum Haus seiner Eltern. Ich weiß im Moment nicht mehr, wie das Viertel heißt, wo sie wohnten, aber es war eindeutig ein „besseres Viertel“ – hier standen keine Reihenhäuser oder Mietwohnungen, sondern kleine bis größere Villen.

Das Haus von Jorgos‘ Eltern war eines der größeren. Wir drei bekamen eine kleine Einliegerwohnung mit zwei Schlafzimmern und Bad angewiesen, in der normalerweise Jorgos wohnte, er zog so lange in eines der anderen reichlich vorhandenen Zimmer – es war ja nur für eine Nacht.

Wir nutzten erst einmal die Gelegenheit, uns ausführlich der Körperpflege zu widmen, wann hatten wir denn das letzte Mal eine warme Dusche gehabt? Danach machte Yvonne mich stadtfein und Jorgos zog mit uns bis abends in seinem Auto durch Athen … unter anderem stiegen wir auch auf den Lykavittós.

Für den Abend waren wir bei den Eltern zum Essen eingeladen. Jorgos‘ Vater war Professor und das waren ja die, die auch Jahre nach Einführung der „Dimotikí“ (Volkssprache) als Amtssprache immer noch der „Katharévoussa“ verbunden waren und sie auch sprachen. Also verstand ich nicht viel von dem, was er sagte, aber als ich merkte, dass er angesichts meines in den letzten Wochen angeeigneten kretischen Tonfalls schmerzlich zusammenzuckte, machte ich mir einen Heidenspaß daraus, immer bevor ich „und“ sagte, eine kurze Pause einzulegen, und dann ein breites kretisches „tche“ hervor zu stoßen. Er zuckte wirklich jedes Mal zusammen, es schien ihm weh zu tun … eigentlich war es gemein von mir.

Am nächsten Morgen fuhren wir weiter nach Thessaloniki, wo wir auch eine Nacht verbrachten und köstlich in einem von Studenten sehr frequentierten Lokal aßen – einfach und preiswert, aber hervorragend. Sowieso ist die Küche Nordgriechenlands besonders zu preisen … ich weiß zwar weder, wie der Platz heißt und ob es das Lokal noch gibt, wiederfinden würden wir es aber sicher.

Von der weiteren Rückfahrt gibt es keine neuerlichen Verkehrskatastrophen zu berichten außer einer Verwarnung wegen Überholens im Überholverbot. Die erste richtige Station machten wir in der Steiermark, wo wir uns mal wieder ein Zimmer, einen herrlichen Tafelspitz und ein paar frisch gezapfte Biere (so etwas war damals in Kreta gänzlich unbekannt) gönnten. Yvonne trank trotzdem Wein …

Und am nächsten Mittag trudelten wir dann in München ein, wo wir noch einige gemütliche Tage mit Irene und Klaus verbrachten, die uns in den Englischen Garten, natürlich auf den Viktualienmarkt (ich liebe es wirklich, Rostbratwürstchen mit Sauerkraut und zwei halben Moaßn zu frühstücken!) und in das eine oder andere Brauhaus führten (nicht ins Hofbräuhaus, zum Glück!).

Nur als sie uns am nächsten Abend in ein griechisches Lokal schleppen wollten, legten wir Protest und Veto ein: Nach einer so langen Zeit in Griechenland stand uns der Sinn jetzt mal nach etwas anderem … und sie hatten Verständnis dafür.

Pünktlich zu Semesterbeginn trudelten wir dann wieder in Köln ein … das Ende unseres längsten Urlaubs auf der Insel mit noch viel mehr Eindrücken, als ich hier schildern konnte

Próblema!

Von Ursula Holz und Anja & Thomas Otto

Wir sind unterwegs, Kreta gucken. Anja, Thomas und ich.
Irgendwann packt uns der kleine Hunger. Ein Dorf – eine Taverne – ein alter Mann. Passt!
Wir setzen uns. Der Mann steht auf und ruft in ein Treppenhaus nach Sophia. Mehrmals. In Abständen. Nichts passiert.
Wir organisieren uns einen Aschenbecher.
Dann Schritte. Sophia , vielleicht 8 Jahre alt (offensichtlich die Enkelin), erscheint. Im Schlepptau ihr jüngerer Bruder. Wir werden begutachtet – und weg sind sie wieder.

Wollen wir uns die 2. Zigarette anstecken? Der Mann und wir lächeln uns an und nicken uns zu.
Schräg hinter uns auf der anderen Straßenseite entdecken wir eine Snackbar.
Die Frau des Hauses erscheint immer wieder auf der Strasse und checkt die Lage.

Langsam wird es langweilig. Mittels unseres Überlebensgriechischs erkundigen wir uns bei dem alten Mann, ob es Hoffnung gäbe etwas zu Essen zu bekommen.
„Die Familie kauft in der Stadt ein. Sie kommen gleich wieder, siga, siga.“
Wie lange kann das dauern? Sollen wir warten oder weiterfahren?
Vier Zigaretten später entschließen wir uns dann doch, wieder ins Auto zu steigen und unser Glück woanders zu versuchen.
Der Motor läuft schon, da steht ein Beauftragter des „Schnellimbisses“ gegenüber neben uns. Ob wir essen wollten. Schon, aber doch nicht da – oder??? Überredet.
Unser neuer Tisch bekommt eine Stoffdecke!!!

Dann rollt die Patronin etwas nach draussen und schliesst es umständlich an den Strom an. Wir starren völlig entgeistert auf ein beleuchtetes, sich drehendes Teil, auf dem Essensbildchen zu sehen sind.
„Das ist unsere Auswahl.“
Mag ja sein, dass man sich über so Etwas auf der Tourimeile nicht mehr wundern würde, aber hier draußen in der „Wildnis“?
Unseren Heiterkeitsausbruch ob dieses Drehdingens missversteht die Chefin gründlich. „Próblema?“ Nein, nein, alles ok.
Darauf erst mal was trinken. Ein großes Wasser und Mýthos. „Mýthos? Próblema. Amstel.“
Aha – na gut. Das Wasser wird in einer kleinen Flasche geliefert.
„Groß? Próblema.“ Entáxi, dann noch 2 kleine. Mittlerweile macht das Unterdrücken lauten Lachens echt Mühe und wir hatten vorher schon großen Durst.

Aber wir wollten ja auch essen. Also: Salat. Sie schreibt auf.
Tzatziki. „Próblema.“ Omelett? Aus der Küche ertönt: „Próblema!“
Die elektrische Speisekarte bietet noch Einiges, mit dem die Lokalität Próblema hat.
Wir drehen den Spieß um und fragen nach den Sachen, die kein Próblema wären.
Pastítsio und Moussakás gingen. Na also, klappt doch wunderbar, wozu braucht sie denn dann diese Drehorgel? Macht doch nur Próblema!

Muttern zieht den Stecker und rollt das Drehteil wieder weg. Schade, wir hätten so gerne ein Foto davon gemacht.
Eine Mischung aus geviertelten Tomaten und arbeitssparend geschnittenen Gurken (absolut nackig) landet auf unserem Tisch, Anja und mir verläuft inzwischen die Wimperntusche, Thomas schaut betreten zur Seite.
Die Wirtin fragt wieder, ob wir Próblema hätten. Nö, wir doch nicht.
Und oh Wunder – Öl, Essig, Salz und Pfeffer wird dann doch auf Anfrage nachgeliefert. Tatsächlich kein Próblema.

Dann hören wir ein Geräusch aus der Küche, pling, klack, phphphüüüü …, ohne Zweifel eine Mikrowelle. Neee, ne?
Wir müssen echt an uns halten, um nicht laut loszuprusten. Die Wirtin hakt wieder nach, ob wir Problema hätten.
Das Pastítsio auf unseren Tellern bietet zwar keinen Wiedererkennungseffekt, aber man kann (wenn auch mit Mühe) doch noch Nudeln erkennen.
Naja, der Hunger treibt es rein, es kann eigentlich nicht mehr schlimmer kommen.

Drinnen geht unterdessen der Kampf mit der Mikrowelle in die zweite Runde.
Es sollte doch noch eine Steigerung möglich sein. Auch eine Senkung unserer Lachkrampfschwelle.
Der Moussakás. Eine platte, matschige Masse, mit der man vermutlich auch die Wand verputzen könnte.

Die Verkostung derselben ergibt: Kartoffelscheiben mit Kartoffelpü oben drauf. Anja und Thomas haben Glück und finden je ein kleines Stück Auberginenschale in ihren Portionen.
Die Wirtin erkundigt sich nunmehr einigermaßen besorgt, ob wir nicht vielleicht doch Próblema hätten.
Ein unvergessliches Menü fand seinen Abschluss in einer „vergessen wir es besser ganz schnell wieder-Rechnung“. Kein Próblema!

Der Lachfaktor hält wahrscheinlich ein Leben lang.

Urlaub auf Kreta 1993

Von Gabi

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Mein zweiter Griechenland-Urlaub führte mich vom 07.06.-21.06.1993 nach Ágios Nikólaos auf die Insel Kreta. Gebucht hatte ich das Hotel „Ariadni „, ein Bungalow-Hotel. Das ist eine schöne Anlage am Hang und direkt am Meer gelegen. Zum Hotel gehört ein Strand, der aber sehr steinig ist. Deshalb nahm ich lieber einen Fußweg Hotel Ariadni von 6-8 Minuten in Kauf zum schönen und sauberen Almyros Beach. Dort ist sehr feiner Sandstrand. Das Meer ist ziemlich flach, sodass man weit hineinlaufen kann, gut geeignet für Kleinkinder.

Ein Ausflug führte mich in die südlichste Stadt von Kreta, Ierápetra. Weiter ging es vorbei an vielen antiken Ausgrabungen zum Kloster Tóplou, das ein wunderschönes Wandbild und kostbare Wandteppiche besitzt. Von dort führte die Fahrt nach Vái, dem berühmten Palmenstrand von Kreta. Die Zeit reichte für ein Erfrischungsbad ehe es mit dem Bus weiter ging.

PicturesKJ/gabi2.jpgZiemlich weit östlich gelegen ist Sitía, eine wunderschöne kleine Stadt am Meer, die sich bis zu einer Festung hoch erstreckt. Im Hafen, wo auch größere Schiffe anlegen können, liegen meist nur bunt bemalte kleine Fischerboote.
Von den kleinen Tavernen am Hafen hat man einen sehr schönen Blick aufs Meer. Sitía ist noch nicht völlig vom Tourismus überrollt, was sehr angenehm ist.

Ein weiterer Ausflug führte von Ágios Nikólaos nach Knossós, ein MUSS für Kreta-Reisende. Beeindruckend ist die von Sir Arthur Evans ausgegrabene Anlage. Es wurde versucht, sie so herzurichten, dass der Besucher sich in „etwa“ vorstellen kann, wie die Minoer vor ca. 3.500 Jahren gelebt haben. Die Originale der Wandmalereien und vieler ausgegrabenen Fundstücke findet man im Museum in Iráklion. Am meisten beeindruckt haben mich dort der Schmuck und die Keramiken des alltäglichen Bedarfs, wie Schalen, Teller, Krüge und Kannen. Mancher Designer von heute könnte sich an den schönen Formen ein Beispiel nehmen. Ein Bummel durch die Straßen von Iráklion brachte uns dann wieder in die Neuzeit zurück.

PicturesKJ/gabi5.jpgAm Eingang der Ausgrabungen von Knossós befindet sich ein kleines Geschäft, in dem es Ansichtskarten, Hefte und Bücher der Anlage von Knossós zu kaufen gibt. Da viele Touristen an diesem Tag unterwegs waren, konnte ich nur wenige Fotos ungestört schießen.
So ging ich in das Geschäft und suchte mir einige schöne Ansichtskarten und ein kleines Buch aus. Das Geschäft war sehr voll, sodass der Verkäufer kaum aufschaute.

Er begann meine Karten zu zählen, ich sagte „ochto“, er daraufhin „from where do you come?“, ich „apo ti Germania“, er „what´s your name?“, ich „me lene Gabriela“.
Daraufhin streckte er mir die Hand entgegen und sagte „Manolis, katse!“ Ich musste mich an eine kleinen Tisch setzen und dann fragte Manolis, was für einen Kaffee ich möchte – Frappe, Espresso, Elliniko. Nachdem ich „ena elliniko parakalo“ geantwortet hatte, verschwand Manolis aus dem Geschäft nach nebenan ins Kafenío und holte mir den Kaffee. Die vielen Touristen stürzten sich nun auf mich und wollten von mir bedient werden oder einfach nur bezahlen. Ich konnte nur mit den Schultern zucken und sagen, dass ich selbst Gast bin. Das waren meine ersten Erfahrungen mit ein wenig Touristen-Griechisch.

PicturesKJ/gabi6.jpgAm Samstag fand in dem Bergdorf Anópolis ein kretischer/griechischer Abend statt. Eine Tanzgruppe zeigte verschiedene griechische, besonders kretische, Tänze. Zwischendurch holten die Tänzer die Gäste zum Tanz auf die Bühne. Der Kreis führte schließlich durch den ganzen Saal. Hier lernte ich die ersten Schritte für den Sirtaki.
Als ich Montag früh im Flugzeug nach Hause saß, wunderte ich mich, wieso ich in den Oberschenkeln solchen Muskelkater hatte.

Kreta Herbst 2000 Teil 1

Von Eva Schuhbeck

Iraklion – Ankommen und so weiter
Die lärmenden Flugzeuge über Iraklion, die Touristen bringen und wieder abholen, und die pieksenden Federn meiner Matratze haben mich früh aufstehen lassen. Vom Balkon im dritten Stock des Hotels „Mirabello“ schaue ich auf kastenförmige, mehrstöckige Häuser und auf die schmalen Gassen hinunter, die noch im Schatten liegen.
Auf der Terrasse des Hauses gegenüber werden Hühner und Hasen gehalten. Ein Huhn spaziert zwischen den in Olivenölkanister gepflanzten Geranienstöcken umher. Sonnenstrahlen dringen durch leichten Morgendunst.

Ich gehe hinunter zum Hafen. Auch dieses laute Iraklion hat seine ruhigen, kontemplativen Ecken. Einige Männer nützen die frühen Stunden, um von den Befestigungsblöcken der Hafenmauer aus ihr Anglerglück zu versuchen. Eine Frau sitzt ganz eigenartig aufreizend auf einem Stuhl und liest Zeitung. Wartet sie hier auf Kundschaft?
Ich klettere auf die Mauer der Mole, um den Blick auf das offene Meer und den Hafen zu haben. Das Meer finde ich immer schön, die Bewegungen, die Farben, die Gerüche, die Geräusche. Beim Ankommen auf der Insel ist das Meer das Erste, das ich begrüßen möchte. Ist doch die Sehnsucht danach einer der Gründe, warum ich hierher komme. Ruhig, schwer, graublau und weiß blitzend breitet es sich im Morgenlicht vor mir aus.

Lentas – Baden und Schauen
Das Dorf liegt reizvoll. Besonders wenn man von Westen kommt. Dann sieht man Lentas vor einem kegelförmigen Berg liegen. Dahinter weitere gelbkahle Bergzüge des Asterousia-Gebirges, ins Meer hinabfallend. Von Osten her wird der Blick vom Löwenkopf-Berg begrenzt. Der Berg sieht aus, wie wenn er im Meer hocken würde. Das Dorf ist eine bunte Ansammlung von alten bescheidenen Häusern mit liebenswürdigen Gärten und neuen, großzügigeren weißen Würfeln mit Balkonen, Terrassen. Die Bauaktivitäten für den Tourismus halten sich in Grenzen. Treppen, kleine Gassen, Pfade.

Die Hauptstraße und ihr diffuses Ende auf einem Platz vor dem Supermarkt. Ein Laden/Büro für Geldwechsel und Autovermietung. Natürlich eine größere Anzahl Tavernen und Restaurants.
Ich schlendere umher und fotografiere einige „Stilleben“: Einen Hasenstall aus locker aufeinander geschichteten Betonsteinen, um eine Gittertür herum gebaut, zugedeckt mit Plastikfolie und mit Steinen beschwert. Einige Rollen Draht und das verbeulte blaue Blech eines Autokotflügels auf einem Holzstapel. Ein zufälliges Arrangement aus hölzernen Obstkisten, einer gelben Plastikschüssel und einem Stück verblichenen rostroten Teppichs.
Zwei Frauen sitzen nahe der Bushaltestelle plaudernd im Schatten einer Mauer. Gut gelaunt grüßen sie die Vorbeigehenden. Sie warten hier auf neu ankommende Reisende, um ihnen Zimmer zu vermieten.

Messara – Über die Dörfer
Mit dem Motorroller eine Tour über die Dörfer. Ambelouzos, Plouti, Moroni, Panagia, Roufas. In Kastelli machen wir eine Pause. Das Dorf liegt auf einer leichten Anhöhe. Die Häuser, gemütliche alte und hübsche neue, die Kirche frisch geweißt, reihen sich entlang der Hauptstraße. Wir folgen einer Seitenstraße, die nach wenigen Metern vor einem Garten mit Kürbissen und einem Schweinestall endet. Vor dem Kafenion in der Hauptstraße sitzen drei Männer. Nicht wie üblich mit dem Rücken zur Hauswand, sondern frei mitten auf der Straße. Weil es so luftiger ist, sagen sie.

Erstaunt und amüsiert schauen sie uns an. In diese Gegend kommen selten Touristen. Es wird eine heitere Nachmittagsstunde. Wir werden zu Kaffee und Limonade eingeladen. Einer der Männer stellt sich als der Dorflehrer vor, einer ist der Wirt und der Dritte sagt nicht, was er macht. Er ist der Älteste und Lustigste. Man macht uns Komplimente: Angeliki hätte eine gute Figur und ich schöne Augen. Fragen nach Woher und Wohin, Scherze, Lachen.

Im nächsten Dorf parken wir den Roller etwas außerhalb. Etwas scheu laufen wir durch die schmalen, verwinkelten Straßen. Wir wollen nicht in die Privatsphäre eindringen, nicht voyeurhaft das Dorfleben betrachten. Aber die Bewohner haben offensichtlich damit keine Probleme. Im Gegenteil, man freut sich über die Abwechslung, die Fremde bringen. Hier werden wir von Frauen eingeladen. Eine alte Frau möchte unbedingt, daß wir uns zu ihnen setzen. Ihre kleine gebeugte Gestalt ist ganz in Schwarz gekleidet. Sie bringt Stühle aus ihrem Haus, bietet Nüsse und Trauben an, zeigt uns das Hochzeitsfoto der Enkelin. Die Frauen wollen erzählen und auch etwas von uns erfahren. Sie wollen wissen, ob wir verheiratet sind, wo die Familie ist. Sie sind voller Liebenswürdigkeit und Herzensgüte.
Wir befinden uns in den Hügeln und Vorbergen des Ida-Massivs. Von den Höhen aus haben wir immer wieder einen phantastischen Blick auf die vor uns liegende, weit geöffnete Messara-Ebene.

Pitsidia – In Chariklias Haus
In meinem Zimmer sind die Wände weiß gekalkt, eine etwas dunklere Stelle scheint im Winter feucht zu sein. Die hölzernen Fensterläden in verblichener blauer Farbe werden von zwei großen Steinen am Auf- und Zufliegen gehindert. Zwei Betten mit weißen Laken und geblümten Kopfkissen bilden das Zentrum des Raumes. In der Ecke steht ein brauner Schrank. Zwei Stühle drängen sich an ein grünweißes Resopaltischchen. Ein winziges Spiegelschränkchen aus den 50er Jahren hängt an der Wand. An der Tür ein blaugemusterter Vorhang und eine dünne weiß-beige-braun gestreifte Nylongardine.

Der halbstündige Fußweg zum Strand führt leicht hügelig bergab durch Olivenhaine und sandige Dürre. Im Hintergrund bläulich-violette Berge. Immer wieder verwilderte Weinfelder. Eine Gruppe von Agaven mit lanzettförmigen, dornig gezähnten Blättern. Etwas fremd, an Mexiko erinnernd. Zwei hohe Blütenbäume. Kurz vor dem Komos-Beach sehe ich vor/unter mir eine umzäunte Ausgrabungsstätte liegen. Mauerreste, die Rechtecke erkennen lassen, kleine Räume, größere freie Flächen. Das war Komos, ein Hafen aus der minoischen Zeit, zu Festos gehörend.

Der Himmel ist so blau wie er nur sein kann. Henry Miller schrieb in Der Koloß von Maroussi: „In Griechenland möchte man im Himmel baden, möchte sich der Kleider entledigen und sich in das Blau des Himmels stürzen. Man möchte in der Luft schweben wie ein Engel oder steif im Gras liegen und die Wollust eines Starrkrampfes genießen. Stein und Himmel vermählen sich hier. Es ist die ewige Morgendämmerung des Erwachens der Menschheit.“
Aber man kann sich ins Meer stürzen, dessen Blau dem des Himmels nicht nachsteht. Vom langen Gehen erhitzt. Eintauchen, untertauchen. Eine kleine orgiastische Explosion in Kopf und Körper. Das libysche Meer an der felsigen Südküste Kretas ist das schönste.

Loutro – In den Bergen und am Meer

Bald kennt man die wichtigen Leute in Loutro, vor allem die Inhaber und Kellner der Tavernen. Da ist zum Beispiel der Dicke. Er hat eine gewaltige Bauchkugel. Darüber ein weißes T-Shirt. Ganz prall. Er ist liebenswürdig. Wenn er uns mit seinem gewinnenden Lächeln alle Speisen der Vitrine gezeigt und genannt hat, schaffen wir es kaum noch, zu einem anderen Restaurant weiterzugehen. Wir ergeben uns, setzten uns möglichst an einen Tisch ganz vorne am Meer, und bald wird das in der Mikrowelle erhitzte Essen serviert. Meistens schmeckt es auch. Und der dicke Mann freut sich.

Seit einiger Zeit trifft man in Griechenland vermehrt junge Menschen aus Albanien und den Staaten des ehemaligen Jugoslawien an. Sie sind billige Arbeitskräfte: Zimmermädchen, Kellner, Tomatenpflücker, Bauarbeiter. In früheren Jahren haben diese Rolle Langzeittouristen aus den mitteleuropäischen Ländern gespielt, junge Leute, die nicht in den heimatlichen Alltag zurück wollten, Frauen die sich in einen griechischen Mann verliebt hatten, Aussteiger auf Zeit oder unbestimmt. Ich unterhalte mich mit einem Bosnier, der während des ersten Jugoslawienkrieges nach Kreta kam. Er ist selbstbewusst, arbeitet als Barkeeper. Er fühlt sich angenommen und in gewisser Weise integriert. Aber er hat auch Sehnsucht nach seinem Land und möchte am Ende der Saison zurückgehen.

Der Albaner, der unser Zimmer in Nikos‘ Haus saubermacht, wirkt allerdings verhuscht und unglücklich. Es ist schwer, einen Kontakt zu ihm herzustellen.
Die Albaner werden von den Griechen am meisten abgelehnt. Man hält sie für Diebe. In großer Zahl kommen sie nach Griechenland, um Arbeit zu finden und mit ihrem Lohn die Familien in Albanien zu unterstützen. Viele sind illegal im Land und werden wieder abgeschoben.

Am Sweetwaterbeach zelten auch zwei alte Männer, Brüder oder ein Paar. Man erzählt uns, sie seien schon den ganzen Sommer hier. Sie sind sehr braun, nackt. Der eine schon etwas gebeugt. Richtige Freikörperkulturmenschen. Sie machen bisweilen seltsame Übungen. Kopfstand. Die nackten braunen Häute und Körperteile aushängend. Oder eine Art Sauna. Dazu decken sie sich völlig mit einer Plastikfolie zu und schwitzen so in der Sonne liegend vor sich hin. Richtige Freaks. Ich amüsiere mich köstlich über die beiden.

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Kreta Herbst 2000 Teil 2

Paleochora – Begegnungen mit alten Plätzen
Paleochora liegt auf einer weit ins libysche Meer hinausreichenden Landzunge. Auf der Westseite ein langer Sandstrand, von Tamarisken begrenzt, auf der Ostseite Steine und Felsen. Paleochora heißt „alter Ort“, und dies ist er auch. Kein reiner Touristenplatz, jedoch vom Tourismus geprägt. Paleochora besitzt Hinterland, Gärten, Felder, fruchtbares Land, von dem Menschen und Tiere existieren konnten. Heute bildet der Fremdenverkehr die wirtschaftliche Basis. Aber es ist immer noch normales Leben zu spüren. Kleine Handwerksbetriebe und all die Geschäfte und Institutionen, die eine kleine Stadt braucht, befinden sich hier.

Die Spitze der Landzunge bildet eine felsige Anhöhe mit einem Plateau. Hier stand das von den Venezianern im 13. Jahrhundert erbaute Kastell. Der exponierte Platz mit dem Kastell stellte einen wichtigen Vorposten zum Meer hin dar, mit weitem Ausblick, Überblick. Ich stelle mir vor, wie einsam und ausgesetzt es hier war, mit dem schroffen Gebirge im Norden und der gleichzeitigen Bedrohung durch Überfälle von Piraten. Ein Schauplatz der Geschichte, der wechselnden Besatzer: Venezianer, Türken.

1941 kamen die Deutschen und besetzten auch das Kastell. Wieder diente der befestigte Platz zur Überwachung der westlichen Südküste. Um die hochgesteckten Afrikapläne umsetzen zu können und die widerspenstigen Kreter in den Griff zu bekommen, benötigte man einen effektiven Verteidigungs- und Beobachtungsposten. Sogar eine Radarstation richtete man ein. Zum Aufbau wurden Männer aus Paleochora und den Bergdörfern zwangsverpflichtet. Bei Weigerung drohte harte Bestrafung. Bald formierte sich die Widerstandsbewegung. Sabotageakte folgten. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist das Kastell ohne Funktion und durfte verfallen, sozusagen sich in Frieden auflösen.

Ich möchte die Orte von früher wiedersehen. Wir gehen nach Anidri, einem Bergdorf etwa eine Stunde von Paleochora entfernt. Richtung Osten. Vorbei am Friedhof mit den mit weißem Marmor abgedeckten Gräbern und den bunten Plastikblumen. Vorbei am „Oriental Bay“, einem der ersten größeren Häuser hier, bei dessen Bau wir damals glaubten, jetzt fängt es mit den großen Hotels und dem Ausverkauf des Ortes an – dies war aber nicht so, es hat sich alles gemächlich entwickelt. Der Weg führt durch die großen Gärten und Olivenhaine. Eine Brücke über den Fluss, der Campingplatz, einige neue Bungalows und andere Häuser. Hecken aus mächtigen Feigenkakteen, deren saftige reife Früchte verführerisch orangerot leuchten. Wir nehmen die links abbiegende, breit ausgebaute Teerstraße, die eine Weile später beginnt, sich den Berg hinaufzuwinden.
Früher war es auf der schmalen Schotterstraße ein angenehmes Gehen gewesen. Die Ränder immer wieder ausgefranst, mit Gräsern, Büschen. Jetzt ist alles befestigt, mit Teer versiegelt. Eine ordentliche Straße, nach EU-Richtlinien und mit EU-Geldern gebaut. Ein Gefühl für die Natur, für Notwendigkeiten und Verhältnismäßigkeiten schien da nicht zu existieren. Entwicklung und Erschließung. Ich bin überzeugt, eine weniger breite, halb so gut ausgebaute Straße würde völlig genügen.

Die Umgebung ist schön. Der zugewachsene Flusslauf – zu dieser Jahreszeit trocken. Sanft ansteigende Hügel. Die alten, schiefen, verdrehten Olivenbäume. Manche aus mehreren Stämmen zusammengewachsen, andere gespalten. Mit Hohlräumen, Wucherungen und narbiger Rinde. Aber immer noch mit kräftigen Ästen, dichtem Blätterwerk. Jetzt im Herbst hängen die grünen Früchte wie Tropfen an den Olivenbäumen.

Chania und Rethymnon – Städte im Norden
Busbahnhof. Wir geben unsere Rucksäcke bei der Gepäckaufbewahrung ab. Da ist sie wieder, diese etwas orientalische Athmosphäre. Nichts ist hier glatt und steril wie entsprechende Orte in Deutschland. Hier herrscht wuseliges, lautes Chaos, verlebtes, gelebtes „Ambiente“, ein derber Ton von Ticketverkäufern, Busfahrern, Barmann. Ein Losverkäufer ruft lautstark die möglichen Gewinne aus.

Es zieht uns hinunter zum Hafen, diesem großzügigen, weit geschwungenen Bogen mit den venezianischen Häusern. Nicht mehr viele zeigen sich in der melancholischen Patina von früher, die sich manchmal schon traurigem Verfall näherte. Stattdessen frische Pastellfarben. Der venezianische Hafen ist immer noch ein reizvoller Ort, um am Nachmittag in einem der sich aneinanderreihenden Cafés und Restaurants zu sitzen und sinnierend auf das ruhige Meer, den türkischen Leuchtturm und die Janitscharen-Moschee zu schauen. Die große Kuppel mit den Abstützungen daran wirkt wie eine von kleinen Hauben umgebene Krake. Gleichzeitig denke ich, dass die große Kuppel/ Halbkugel aussieht, als wenn darin etwas ausgebrütet würde und die kleinen Halbkugeln an aus Förmchen gebildete Sandkuchen erinnern. Ich würde gerne das Innere des Gebäudes besichtigen. Es ist leider nicht möglich. Die Türken erbauten die Moschee unmittelbar nach der Einnahme Chanias 1645 als Zeichen ihrer Machtübernahme und als Demonstration der nun herrschenden Religion des Islams.

„Rethymno ist eine kleine Stadt von sieben- bis achttausend Seelen, erbaut am Ufer des Meeres, an der Nordküste von Kreta, auf halbem Wege zwischen Chania und Megalokastro. Es heißt, sie habe in vergangenen Zeiten in der Welt einen Namen gehabt durch ihren Handel, sich hervorgetan in der Kunst der Seefahrt und sogar einige gute Dichter und Maler hervorgebracht, die immer vonnöten sind, um den Ruf eines Ortes unzerstörbar zu bewahren, wenn seine Märkte verstummen und seine Schiffswerften verfallen und seine besten Söhne auf und davon fliegen.“

So beginnt das Buch „Die Chronik einer Stadt“, in dem Pandelis Prevelakis seine geliebte Heimatstadt rühmt. Er blickt auf die Geschichte und den wirtschaftlichen Niedergang Rethymnons und das Leben seiner Bürger in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts zurück. Heute ist die Stadt natürlich viel größer, dehnt sich weit in das Hinterland, wächst und wuchert. Die Touristen durchströmen im Sommer die Stadt, und an der Küste reiht sich ein Hotel an das andere.

Von Eva Schuhbeck

 

In the Cretan Highlands

Von Wolfgang George

Für den Herbst 2002 hatten wir mal wieder zwei Wochen Kreta geplant, diesmal mit zwei Tagen Aufenthalt in der Gegend von Anógia, bevor wir weiter nach Damnóni/Plakiás fahren wollten.

Am Freitag, 27. September, ging es am Nachmittag mit 1½-stündiger Verspätung (die Fluglotsen in Griechenland machten gerade mal wieder Dienst nach Vorschrift) ab Köln/Bonn nach Iráklion. Nach Übernahme unseres Mietwagens brachen wir Richtung Anógia auf, dem größeren Nachbardorf unseres Zieles Axós.

Beim Durchfahren von Anógia bot sich uns ein Bild, das wir bisher in keinem anderen kretischen Dorf gesehen hatten. Es waren noch viele Leute auf den Beinen und es gab eine Unmenge Kafenía an der Durchgangsstraße, die alle gut besetzt waren. Darunter viele Männer in traditioneller Tracht, urige Typen mit Gesichtern, die von einem anstrengenden Leben erzählten. Typen, wie ich sie in dieser Vielzahl selten in Kreta gesehen hatte. Die Männer des Dorfes verbrachten den Abend offensichtlich in den Kafenía. Alles machte den Eindruck eines wohlhabenden, intakten Dorfes.

Gegen 22:30 Uhr erreichten wir Axós und nahmen uns nun den handgemalten Anreiseplan zu unserem Hotel Enagron vor, den wir einige Tage zuvor per Fax erhalten hatten. Außerdem kündigten wir telefonisch unsere verspätete Ankunft an. Eine freundliche Stimme teilte uns mit, welchen grünen Schildern wir folgen sollten und dass wir abgeholt würden.
Wir machten uns aber schon mal auf den Weg, der sich nach kurzer Strecke als ziemlich halsbrecherisch erwies. Dann sahen wir in der Ferne Lichter, die uns näher kamen. Schließlich erkannten wir einen Geländewagen, der wendete und auf uns wartete.

Bei der Ankunft stellte sich uns Jorgos vor und zeigte uns unser Appartement, das erwartungsgemäß wunderschön war und sich vor allem durch eine Karaffe Tsikoudiá zur Begrüßung auszeichnete. Während Christa übermüdet ins Bett fiel, ging ich zurück zum Gebäude mit der Rezeption, auf einen Balkon hinter der Lounge, um noch etwas mit Jorgos zu plaudern und mehr über das Hotel und die Gegend zu erfahren.
Er zauberte eine Karaffe Wein und einen Teller mit würzigem Bergkäse aus der Psilorítis-Gegend herbei. Es war trotz ca. 700 Meter Höhe ein sehr milder Herbstabend und ich entspannte mich herrlich von den Strapazen der Anreise. Jorgos hatte noch längere Zeit mit dem Schließen div. Türen und Löschen div. Lichter zu tun, bevor er sich zu mir gesellte. Er musste dann aber noch unbedingt den im TV laufenden Film bis zum Ende sehen (The Gladiator, natürlich Englisch mit griechischen Untertiteln), bevor er noch etwas kretische Musik auflegte. Wein und Käse weckten meine Lebensgeister und ich ließ es mir gut gehen. Wir schienen an diesem Abend die einzigen Gäste zu sein.

Der nächste Tag begann mit einem Frühstück mit vielen regionalen Produkten und wieder versprach es, ein schöner sonniger Tag zu werden. Wir wollten die Ida-Höhle (Idaíon Ándron) auf 1538 Meter Höhe am Psilorítis in der Nähe der auf 1300 Metern liegenden Nída-Hochebene besuchen. In dieser Höhle wurde der griechischen Mythologie zufolge Zeus von der Amme Amalthaea versteckt, einer Nymphe, die in Gestalt einer Ziege den jungen Zeus mit Ambrosia und Nektar aufzog, die ihren zwei Hörnern entströmten.

Wir brachen also mit dem Auto auf und fuhren über Anógia Richtung Nída. In Anógia wollten wir noch kurz unsere griechische Prepaid-Karte aufladen, was uns dann auch mit Hilfe eines etwas englisch sprechenden Jugendlichen und zweier kichernder Mädchen gelang. Inzwischen war die Sonne verschwunden und es hatte angefangen zu regnen. Einige Kilometer hinter Anógia entdeckte ich rechts am Straßenrand plötzlich einen Wegweiser, auf dem ich das Wort „Yakinthos“ entziffern konnte. Wir folgten dem Weg und kamen nach einigen hundert Metern zu einem Platz mit einer Kapelle, die von einem alten Mann „bewacht“ wurde. Wir standen tatsächlich vor der von dem Dichter und Musiker Loudovikos gestifteten Yakinthos-Kapelle, an der jedes Jahr im Juli das von ihm initiierte gleichnamige Festival kretischer Musik und Lyrik stattfindet.
Die Kapelle ist in Form eines Mitáto gebaut, wie die nur im Sommerhalbjahr bewohnten Schäferhütten der Nída-Hochebene genannt werden. Sie sind ohne Mörtel aus übereinander geschichteten flachen Feldsteinen in Iglu-ähnlicher Form gebaut und finden sich ähnlich auch an anderen Stellen des Mittelmeerraums.
Die Yakinthos-Kapelle ist natürlich etwas größer als ein Mitáto, besticht aber wie diese durch ihre schlichte archaische Form.

Später kauften wir uns in Rethymnon eine Life-CD vom Yakinthos-Festival 2001. Inzwischen sind die auftretenden Künstler alle irgendwo unter Vertrag, so dass keine weiteren Life-CDs produziert werden dürfen.

Zurück auf der Straße, die durch zwischenzeitlichen Regen ziemlich rutschig geworden war, ging es weiter Richtung Nída. Wir erreichten einen Pass, der den Übergang zur Hochebene bildet. Langsam fuhren wir am Rand dieser großen Ebene entlang, bis wir am nördlichen Rand die Nída-Taverne erreichten. Hier endet die Straße und es führt lediglich eine mit einer Schranke versehene Piste weiter in Richtung Psíloritis und dann zur Südküste.
Wir erfuhren, dass die Ida-Höhle nur einige hundert Meter von der Taverne entfernt sei und gönnten uns zunächst einen griechischen Salat, bevor wir weitere Pläne machten – es regnete nämlich inzwischen in Strömen und wir waren uneins, ob wir noch zur Höhle laufen sollten oder nicht.

Inzwischen kamen laufend einzelne Bergsteiger und kleine Gruppen, die zu einer französischen Bergsteigergruppe gehörten, die eigentlich den 2456 m hohen Psíloritis besteigen wollten. Nach und nach hatten aber alle aufgegeben und kamen, teilweise bis auf die Haut durchnässt, in die Taverne zurück.

Wir überblickten von hier aus die Ebene, die sich in der Ferne durch die vom Regen gebildeten Schleier fast verlor. Es gab immer wieder Bereiche, die mit weißen Punkten gesprenkelt waren, vermutlich Schafe. Menschen oder Pick-ups waren nicht zu sehen. Immerhin ist die Ebene so groß und flach, dass sie im zweiten Weltkrieg von den Deutschen als Flugzeuglandeplatz genutzt wurde. Die Kreter verteilten aber als Gegenmittel zahlreiche Felsblöcke auf der Ebene, die das schließlich verhinderten.

Zu guter Letzt wurden wir doch einig, gemeinsam zur Ida-Höhle zu laufen und kamen dort nach ca. 30 Minuten ziemlich nass an. Nach kurzem Aufenthalt und einigen „Beweisfotos“ traten wir den Rückweg an und entledigten uns, am Auto angekommen, der nassen Jacken.
Wir nahmen noch zwei der französischen Mädchen nach Anógia mit. Sie waren recht froh, nicht wie ihre Freunde bei strömendem Regen auf der Ladefläche eines offenen Pick-up zurückfahren zu müssen.

Auf der Rückfahrt merkten wir noch mehr, wie heikel es war, bergab und ohne ABS – wie bei Mietwagen auf Kreta üblich – auf diesen regennassen Straßen zu fahren, deren Beläge definitiv nicht auf Griffigkeit bei Nässe optimiert sind. Wahrscheinlich werden im Sommer auch nicht allzu viele Touristen auf Kreta in die Verlegenheit kommen, auf nassen Strassen herumfahren zu müssen!

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In the Cretan Highlands Teil 2

Kurz vor Axós passierten wir einen Köhlerbetrieb, wo sich uns in der Abenddämmerung ein fast unwirkliches Bild bot: zwei Köhler standen auf Schaufeln gestützt auf ihren Meilern, unmittelbar neben einer jeweils aus der Mitte lodernden Flamme – ein Bild wie aus einer anderen Zeit.

Zurück im Hotel bereiteten wir uns in der Bar zunächst auf einer Art Campinggas-Brenner einen griechischen Kaffee, bevor wir das Thema Abendessen angingen. Inzwischen waren John und Fani Papadakis, die Inhaber des Hotels, angekommen, die jedes Wochenende im Enagron verbringen und die ganze Anlage wohl einmal mit einem Haus für den eigenen Bedarf begonnen haben. Wir wurden gefragt, ob sie den Koch rufen sollten – wir waren nämlich immer noch die einzigen Gäste. Wir zogen es aber vor, mit etwas mehr Leben um uns in Anógia zu essen und ließen uns dazu von John und Fani sowie einem Freund der beiden, der mit ihnen auf der Terrasse saß und von dem wir später erfuhren, dass er der Bruder von Loudovikos war, ein paar Tipps geben. Dann fuhren wir nach Anógia.

Da ich die Ortsdurchfahrt im Unterdorf relativ eng in Erinnerung hatte, stellten wir unser Auto kurz vor dem Ort ab. Im Ort war dann auch tatsächlich das totale Auto-Knäuel, da keiner dem anderen nachgeben und zurücksetzen wollte. Ein paar Meter weiter sahen wir in einer Seitenstraße eine große Menschentraube – aus einem Lieferwagen wurden von einem großen Stapel ganze Lämmer und Ziegen verkauft.

Die erste uns empfohlene Taverne war recht groß, schien aber dennoch sehr voll, so dass wir weiter Richtung Oberdorf gingen. Die dortige Tavernen-Empfehlung war noch völlig leer – auch nicht gerade vertrauenerweckend. Am Dorfplatz begann gerade eine Parteikundgebung im Zusammenhang mit bevorstehenden Wahlen. Fast das ganze Dorf schien hier versammelt zu sein.

Da die Taverne immer noch leer war, gingen wir wieder ins Unterdorf zurück und fragten an der ersten Taverne, ob ein Tisch frei sei. Ein perfekt deutsch sprechender Kreter lud uns daraufhin ein, Platz zu nehmen. Dies sei die Taufe seiner Tochter und wir sollten doch am Essen teilnehmen. Ehe wir uns versahen, saßen wir mit einigen jungen Leuten am Tisch. Während Christa eigentlich sofort wieder gehen wollte, weil sie glaubte, aufgrund des Massakers der deutschen Wehrmacht eine solche Einladung in Anógia nicht annehmen zu können, glaubte ich, aus genau dem gleichen Grund die kretische Gastfreundschaft nicht ablehnen zu dürfen. Schließlich blieben wir und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Die Vorspeisen waren offensichtlich schon durch, denn als nächstes wurden Teller, Gabeln und dann Schüsseln mit Reis gebracht. Schließlich kamen Platten mit gegrilltem Lamm dazu. War nur die Frage, wie man das mit der Gabel essen sollte. Ich spekulierte: entweder hat jeder Kreter ohnehin sein Messer dabei, oder Messer werden aus „Sicherheitsgründen“ nicht ausgeteilt!

Aber das ganze war gar nicht so kompliziert: die Gabeln waren für den Risotto-ähnlichen in Lammbrühe gekochten, fantastisch schmeckenden Reis gedacht und die Fleischstücke aß man wie bei uns Hähnchen. Inzwischen hatte man uns, wie allen anderen auch, kleine weiße Schleifen zum Anstecken gegeben. Außerdem erhielten alle Gäste als Geschenk eine kleine Ikone mit einem Säckchen voll weißer Bonbons.

Unsere oben erwähnte Diskussion ging aber weiter, so dass wir uns nach diesem Gang bei dem Vater des Täuflings bedankten und das Weite suchten. Zuvor durften wir uns noch die Geschenke für die Taufpaten ansehen – für jeden eine große, geschmückte Ikone.
Da wir nicht annähernd satt waren und inzwischen auch ziemlich gestresst, machten wir noch einen Versuch im Oberdorf. In der Taverne war inzwischen ein Tisch besetzt, es wurde aber noch nicht gegessen. Als wir nach dem Essen fragten, verschwand die Inhaberin und kam mit einem Topf zurück, den sie zu den beiden anderen schon vorhanden in die Küche brachte. Leider überzeugte uns keines der drei Gerichte, die sie uns anbot, und mehr umfasste ihr Angebot an diesem Abend auch nicht. Obwohl es mir total peinlich war, bedankten wir uns herzlich und suchten nun auch hier das Weite.

Also wieder ins untere Dorf zurück, wobei ich bemerken möchte, dass zwischen den beiden Dorfteilen ein unbeleuchtetes Straßenstück von ca. 500 Metern Länge liegt und die beiden Tavernen fast einen Kilometer voneinander entfernt sind. Das war alles nicht sonderlich spaßig, zumal Christa bisher kaum etwas gegessen hatte und total groggy war.

Uns fiel aber ein, dass sich in der Nähe der ersten Taverne noch eine weitere kleinere befand, wo am Vorabend bei unserer Ankunft Gäste im Freien gesessen hatten. Das war auch heute wieder so und so steuerten wir auf diese Taverne zu. Wir wurden freundlich begrüßt und eingeladen, uns zu setzen. Gerade rechtzeitig erkannten wir aber noch, dass diese Taverne eigentlich zwei waren, von denen diejenige, in die wir nun geraten waren, völlig leer war. Wir bogen noch rechtzeitig zu der anderen ab, wo auch der eine besetzte Tisch stand. An einem offenen Grill wurde eine Lammseite gebraten und in der Taverne selbst war noch ein Tisch mit alten Männern besetzt.
Das Speisenangebot bestand aus „Lamb, Potatoes and Greek Salad“. Wir bestellten und bekamen schließlich von jedem etwas. Abgesehen davon, dass die Kartoffeln lauwarm waren, war das Essen gar nicht schlecht und auch der Wein war OK.

Nach einiger Zeit fuhr ein Pick-up vor und der Fahrer ging mit einer großen Platte voller Fleisch in die Taverne. Er warf das gegrillte Fleisch auf den Tisch, an dem die alten Männer saßen. Offensichtlich handelte es sich hierbei um die übrig gebliebenen Platten von der Taufe, die jetzt quasi als Armenspeisung in den Tavernen und Kafenia verteilt wurden.

Inzwischen war uns eingefallen, dass wir auf der Rückfahrt von der Nida-Ebene am Ortseingang von Anógia noch eine weitere Taverne gesehen hatten, die mit Hinweisen wie „Deutsche Speisekarte“ für sich geworben hatte. Ich glaube, die hatten wir in der Folge verdrängt, weil wir ja eigentlich etwas Landestypisches suchten – was wir ja schließlich auch bekommen hatten, und das gleich mehrfach!

Dennoch fuhren wir nun wesentlich entspannter und immerhin gesättigt ins Enagron zurück. Den Rest des Abends verbrachten wir mit John und Fani sowie einem irischen Paar, das hierher geraten war, weil es das einzige freie Hotel in der Gegend war. Wir saßen in der Lounge am Kamin. Christa bekam ein Glas von Johns fantastischem kretischen Rotwein angeboten (den er sonst eigentlich nur selber trinkt) und Fani verwöhnte uns mit leckeren frischgebackenen Quarktaschen. Beim Thema „kretische Musik“ kam das Gespräch irgendwann auf Ross Daly und die Tatsache, das die beiden Iren einen gemeinsamen Freund mit diesem irischen Musiker haben.

John und Fani konnten ihnen Tipps geben, wo man Ross Daly auf Kreta finden kann.
Das Enagron ist eine Idee von John und Fani. Er ist Manager bei Coca Cola in Iraklion, und sie Architektin. Die beiden wohnen in Iraklion und haben mit dem Enagron eine kleine Ferienanlage nach ihren Vorstellungen realisiert. Das ganze hat den Charakter einer kleinen Farm mit Gästehäusern. Auf dem Gelände befindet sich noch ein alter Bauernhof mit Pferdekoppeln, Federvieh und anderem Getier, das Kinder bei einem Aufenthalt sicherlich faszinieren würde. Im Zentralbau befinden sich Rezeption und Lounge, eine Bar sowie ein rustikales Restaurant mit einer umlaufenden Galerie. Überall finden sich schöne alte kretische Möbel, Haushaltsgeräte, bäuerliche Erinnerungsstücke und auch Möbel aus der türkischen Besatzung im 18. und 19. Jahrhundert.

Daneben wunderbar dekorierte Accessoires und schwarz-weiß-Fotos, die die bäuerlichen Traditionen der Gegend in Erinnerung rufen. Nicht unerwähnt bleiben sollen die beiden Destilliergeräte zum Brennen von kretischem Tsikoudiá, dem dortigen Rakí, die im Hof stehen und in der Brennzeit sicherlich auch schon zu manchem gemütlichen Abend beigetragen haben.
Das Enagron ist zur Jahreswende 2001/2002 eröffnet worden und war dann vor allem im Winter 2002 gut besucht. Diese Gäste waren aber überwiegend die Freunde von John und Fani aus Iráklion. Nun musste man erst einmal Marketing und Vertrieb organisieren, um eine akzeptable Auslastung zu bekommen.

Die Gegend um Anógia hat im Winter Ihren Reiz durch das einzige kretische Skigebiet, das sich hier am Psilorítis befindet – inklusive Skilift!
Trotz eines kleinen Mäuschens, das sich unter unser Bett rettete und dort versteckt hielt, schliefen wir gut ein, wurden aber in der Nacht durch ein extremes Gewitter geweckt. Unaufhaltsam blitzte und krachte es und der Regen prasselte auf die Holzterrassen unserer Wohnung und klatschte gegen die Fensterläden. Am nächsten Morgen sahen wir dann die Bescherung: überall tiefe Pfützen und Furchen, die das abfließende Wasser in die Böschungen und Wege gegraben hatte.
Nach einem kräftigenden Frühstück packten wir unsere Sachen, um Richtung Plakiás aufzubrechen. Zuvor kam uns aber noch die Idee, dass Coca Cola in Iráklion vielleicht einmal eine gute Adresse für ein Praktikum unserer Tochter Caroline sein könnte. John war dem gegenüber nicht abgeneigt und so tauschten wir auch noch unsere Business Cards.

Dann fuhren wir auf der Old Road Richtung Réthymnon, vorbei an der Melidóni-Höhle, wieder bei extremem Regen. Ich glaube, ich habe noch nie solche Sturzbäche von allen Seiten zu einer Straße hin strömen sehen. Natürlich spülten die auch kleine Sand- und Geröllhalden auf die Straße, so dass man verdammt aufpassen musste. Da es in den Dörfern offensichtlich keine Regenwasserkanalisation gibt – warum auch bei den paar Wochen Regen im Jahr – strömte das Wasser jeweils die Hauptstraße entlang durch das ganze Dorf, um sich danach in die Wiesen und Felder zu ergießen.
Schließlich kamen wir auf der New Road an, bogen bei Réthymnon in Richtung Südküste ab und kamen am frühen Nachmittag wohlbehalten in Dámnoni an, wo wir von Despina in Empfang genommen wurden.
Jetzt konnte der ruhigere Teil des Urlaubs beginnen.

von Wolfgang George

Unsere traumhafte „Kreta Rundtour“ im Mai 2009

PicturesKJ/britu02.jpgKreta Reisebericht von Britta Goldammer

Wir haben vom 08.-22.Mai 2009 eine traumhafte „Rundtour“ durch den Nord- bzw. Südwesten gemacht. Das erste Mal sind nur wir ZWEI – Britta & Klaus – gefahren, ganz ohne unsere Kinder. Sie fahren jetzt lieber mit ihren Freunden.

Kreta Reise 2009 – 1. Tag
Am Freitagnachmittag sind wir pünktlich in Iráklion gelandet. Wir haben uns nur einen Jeep an den Flughafen stellen lassen, aber kein festes Quartier vorgebucht, es wird sich finden! Wir sind offen für alles!

Die Sonne scheint und es weht ein angenehm leicht kühler Wind. Wir lassen uns den Jeep kurz erklären, besonders die Zuschaltung für den Allradantrieb, dann starten wir Richtung Westen. Wir fahren in den wunderschönen Sonnenuntergang hinein. Um ca. 21 Uhr kommen wir bei Martin in Maroulás an, unserer ersten Station.

PicturesKJ/britu04.jpgEs wird ein sehr herzliches Wiedersehen, denn Martin kommt ursprünglich ebenfalls aus dem Südosten von Hamburg. Nach einem leckeren Abendbrot in fester 2009 Goldammerund flüssiger Form landen wir weit nach Mitternacht im Bett.

Kreta Urlaub 2009 – 2. Tag
Nach einem ausgiebigen Frühstück und viel Kaffee starten wir zu einer Tour zum Staudamm in der Nähe. Hier wurde ein ganzes Dorf „versenkt“, 7 Häuser, 2 Tankstellen, Kirche, ehem. Olivenfabrik u.a. – siehe auch Martins Maroulás-Seite. Es sieht schon sehr komisch aus, auf diesen See zu blicken und an mehreren Stellen münden die alten Straßen direkt im Wasser?!!
Nach einer kleinen Stärkung in einer Taverne bei Frappé, Bier und ein paar leckeren Kleinigkeiten geht es weiter.

PicturesKJ/britu03.jpgMartin zeigt uns eine traumhafte Piste entlang einer Schlucht bei Prásses / Mýrthios. Es macht super viel Spaß über diese Schotterpiste zu düsen, auf den Rücksitzen zu stehen und in die Schlucht zu blicken, während Klaus vorn den Jeep lenkt. Tief unten in der Schlucht rauscht das Wasser. Alles ist üppig grün und blüht herrlich, ich pflücke frischen Thymian. Hoch oben können wir Lämmergeier beobachten, es ist einfach nur toll!

Wir machen uns auf den Rückweg, kaufen noch kurz ein und bereiten das Abendessen vor. Es gibt selbstgemachten Nudelsalat (Martins Wunsch), Nackensteaks vom Grill, Bier und diesen oberleckeren „Local Wine“, den man überall bekommen kann.
Es wird wieder ein laaaaaanger Abend mit vielen Gesprächen …

PicturesKJ/britu01.jpgKreta 2009 – 3. Tag
Nach einem leckeren Frühstück brachen wir gegen 10:30 Uhr aus Maroulás auf, weiter in Richtung Westen.

Zuerst machten wir einen kurzen Halt in Georgioúpolis. Wir parkten vor dem „Summer Time“, unserer Lieblingsbar am Strand, und Katherina erkannte uns schon vom Auto aus. Wir begrüßten uns und klönten eine Weile. Leider wollten sie erst in ein paar Tagen aufmachen :(. Wir tranken noch einen Frappé am Dorfplatz und beschlossen, nun doch weiterzufahren. Kurz noch Badeschuhe bei ANNA im Supermarkt gekauft, auch hier allgemeines Hallo, dann fuhren wir weiter.
Kalýves lag auf dem Weg und wir wollten es uns ansehen, zum Verweilen lud es uns nicht ein.

PicturesKJ/britu10.jpgDie weitere Fahrt verlief besonders entspannt, an Chaniá und Kastélli Kissámou vorbei. Um ca. 14:30 Uhr waren wir an unserem nächsten Ziel: Falássarna. Als Quartier wählten wir das herrlich gelegene SUNSET am Ende der Asphaltstraße.

Wir bezogen ein schönes großes Zimmer im 2. Stock mit herrlichem Blick aufs Meer ! Nach kurzem Auspacken, gingen wir noch an den Strand und ins doch noch recht kühle Meer… brrrrr ! Aber wir haben gebadet :))!

Abends bestellten wir uns etwas zu Essen, Klaus genoss sein leckeres Hühnchen und ich hatte leider Pech, denn mein Lammgericht war voll von Fettstückchen und Knochensplittern (ich brauchte später nicht zu bezahlen).

PicturesKJ/britu12.jpg

 

 

Danach machten wir noch einen Spaziergang und fotografierten wunderschöne Sonnenuntergänge direkt am Strand.

 

Kreta Rundreise 2009 von Britta Goldammer
Kreta Reise 1, Kreta Reise 2, Kreta Reise 3, Kreta Reise 4, Kreta Reise 5, Kreta Reise 6

Unsere traumhafte „Kreta Rundtour“ im Mai 2009 – Teil 2

PicturesKJ/britu13.jpgKreta Tour 2009 – 4. Tag
Nach einem guten, aber doch recht teuren Frühstück starteten wir mit unserem Jeep nach Gramvoússa / Bálos Bay oder auch Piratenbucht genannt. In meinen Augen die optisch absolut schönste Bucht mit Südseefeeling! Die Fahrt auf der Schotterpiste dauerte ca. 1 Stunde mit gaaaaanz vielen Fotostopps. Es ist eine teils sehr holperige Piste, machte aber mir super viel Spaß beim Fahren. Wir wussten schon, warum wir für diesen Urlaub unbedingt einen Jeep haben wollten;)! Endlich kamen wir auf dem Parkplatz an, konnten leider doch nicht so fahren wie wir wollten, da auch einige Kleinwagen diese Strecke doch nur sehr langsam bewältigen konnten. An einem Berg musste einer der Wagen zurückrollen und alle anderen Autos mit ihm …?!! Diese Strecke ist mit normalen PKWs nicht einfach!

PicturesKJ/britu14.jpgMit Wanderstiefeln machten wir uns an den Abstieg, wofür wir ca. 40 Min. brauchten (inkl. div. Fotostopps). Die doppelte Zeit, wie auf dem Schild angegeben?! ;)) Macht nichts! Gut, dass ich mir noch ein paar Teleskopwanderstöcke gekauft hatte (Tipp im Forum), konnte ich hier gut gebrauchen (Knieprobleme)! Nach vielen wunderschönen, traumhaften Fotos badeten wir kurz im Meer und ließen uns von der Sonne wieder trocknen. Durch den Westwind war es recht kühl. Nach ca. 2 Stunden machten wir uns auf den Rückweg. Für den Aufstieg ließen wir uns noch mehr Zeit, viele Blicke auf die Bucht zurück, Riechen an allerlei Kräutern, erneutes Schießen von Fotos und viel Wasser trinken. Nach einer Stunde waren wir wieder an unserem Auto.

Auf der Rückfahrt steuerte Klaus den Jeep und ich genoss die schöne Landschaft. Die vielen Ziegen musste ich auch einfach noch fotografieren. Anschließend hatten wir versucht in Platanos die Bank anzusteuern, war gar nicht so einfach.
PicturesKJ/britu15.jpgEs folgte noch ein Einkauf im Minimarkt, brauche jedes Mal eine Zitronenpresse, um uns jeden Tag diesen köstlichen Orangensaft selbst zu pressen. 45 Cent für 2 Gläser selbstgepressten Saft, im Restaurant kostete das gleich 5 Euro! Zurück im SUNSET gab’s erst einmal für Klaus ein frisches eiskaltes Bier vom Fass und für mich einen Frappé.

Das Abendessen war heute sehr gut, mit gebratenen Zucchini, Patátes, Salat und Minifischen zum ganz essen. Mmmmmhhhh, lecker! Auch hier war der „Local Wine“ wieder einmal ausgezeichnet, wenn auch ganz anders im Geschmack.

Kreta Reise 2009 – 5. Tag
Früh um 08:30 Uhr und ohne Frühstück starteten wir vom SunSet in Falássarna. Wir hatten uns vorgenommen diesmal unterwegs etwas zu essen, auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel.
Wir fanden am westlichen Rand von Kastélli Kissámou ein schönes kleines Cafe/Hotel mit herrlicher Terrasse zum Meer und wunderbarem Frühstück ! Wir genossen ein reichliches Mahl mit gutem Kaffee und tollem Blick an einer sauberen, kleinen Sandbucht zu einem angemessenem Preis.
PicturesKJ/britu21.jpgDann ging es weiter auf den herrlichsten Bergstraßen mit den wunderbarsten Gerüchen (habe immer das Gefühl, dass meine Nase Purzelbäume schlägt) über Kaloudianá, Makronas, Topólia, Koutsamatádos, Míli, Stovlés, Alígi, Plemenianá und Kakodíki bis hinunter nach Paleochóra.

Unser Fotoapparat war kurz davor heiß zu laufen …, alles in allem haben wir es in diesen 14 Tagen auf 1119 Fotos gebracht! Unterwegs machten wir Rast an den schönsten Ecken und ab und zu musste auch der Allradbetrieb des Jeeps dazu geschaltet werden.

Nach der nächsten Kurve tauchte Pale vor uns auf, was für ein schöner Anblick: „O-Ton“ Klaus „Fast wie Beverly Hills“?!

PicturesKJ/britu20.jpgWir fuhren erst den Westsandstrand ab und nahmen dann die Ostseite unter die Lupe, dort fanden wir Quartier im „To Kyma“ (die Welle). Sah von außen ganz nett aus, war aber eher sehr einfach und auch etwas lauter. Aber okay, für Euro 25,-/Nacht kann man ja nicht meckern.

Nach unser Ankunft stellten wir die Koffer aufs Zimmer und hüpften erst einmal ins Meer,  um den Reisestaub abzuwaschen. Gut, dass ich in Geo noch Plastikschuhe gekauft hatte, denn hier gab es nur einen Steinstrand. Das Wasser war kristallklar, aber superkalt. So ist das wohl im Mai?!! ;))

Zum Abendessen gab’s Briám, Truthahn, Biftéki und Tzatzíki, leider war auch das Essen nicht der Hit, besonders die „Pommes“ waren schlappig und schwammen im Fett. Okay, das nächste Mal essen wir woanders.

PicturesKJ/britu24.jpgNun ging’s daran, Pale erkunden. Besonders gut gefiel uns das „Skala“, das Cafe direkt am kleinen Hafen. Bei eiskalter Cola beobachteten wir das einkommende Boot aus Elafonísi, ein paar der Passagiere hatten doch einen reichlich roten Hautton, komisch?! Die Musik war recht jazzig und gefiel uns. Danach gingen wir noch aufs Kastell und kauften hinterher T-Shirts für unsere Kinder, Kretaaufkleber und einen Sonnenschirm.
Auf dem Rückweg genossen wir noch ein Mythos / Sprite bei doch recht kühlen Abendtemperaturen. Gut, dass ich meine Fleecejacke mit auf die Reise genommen hatte.

 

Kreta Rundreise 2009 von Britta Goldammer
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