Vólta

Wenn die Dämmerung beginnt, spielt sich in jedem griechischen Ort dasselbe ab: Wie durch Zauberei belebt sich auf einmal die Hauptstraße oder die Hafenpromenade mit Menschen, die sauber bis chic gekleidet auf und ab flanieren, sich grüßen, sich ein paar Scherzworte zurufen oder aus der Distanz miteinander flirten.

Dieses „Auf-und-ab“ erklärt den Namen „Vólta“, der „Wendung“ bedeutet. Die Vólta ist das Forum des Sehens-und-Gesehen-Werdens, des Zurschaustellens neuer Kleidung und Freunde etc. Read More

Waldbrände

Praktisch jedes Jahr brechen leider auf Kreta Waldbrände aus. Und wenn es am Ende eines langen trockenen Sommers brennt, dann brennt es heftig! Zum Glück wurden zumindest keine Menschen verletzt. 2006 brannte es mal wieder bei Plakiás, 2007 bei Asómatos, 2008 bei Drímiskos, 2009… eine wohl unendliche Geschichte.

Um Athen herum brennt es fast jedes Jahr. Vor Jahren sprach ich nach einem heftigen Brand auf Zákynthos mit einem dortigen Feuerwehrmann, der nicht an die immer wieder verbreitete Geschichte von der „sorglos weggeworfenen Zigarettenkippe“ glauben wollte.Read More

Gastfreundschaft

In ganz Griechenland rühmt man die besondere Gastfreundschaft der Kreter. Vergebens wird man sie zwar in allen touristisch erschlossenen Gebieten suchen, da ist der Fremde kein Gast, sondern Kunde, und er wird eher in bescheidenem Maße ausgenommen als bewirtet (aber auch hier gibt es viele erstaunliche Erlebnisse und Begegnungen, von denen ich gehört und sie auch selbst erlebt habe).

Im übrigen Kreta aber, und besonders in den Bergen, da kann man heute noch erleben, warum die Worte für „Gast“ und „Fremder“ auf Griechisch beide „Xénos“ heißen. Read More

Feiertage und Feste

Hier alle gesamtgriechischen bzw. kretischen kirchlichen und weltlichen Feiertage und Feste im Jahresablauf (auf die vielen Dorffeste, die jeweils dem Schutzheiligen der Dorfkirche gewidmet sind, kann ich hier beim besten Willen nicht eingehen. Informationen dazu ggfs. bei den Orten):Read More

Tourismus

Viele halten Kreta für eine vom Massentourismus völlig überlaufene und überrollte Insel. Das mag in einigen Gegenden tatsächlich der Fall sein, andererseits vergessen wir aber nicht, dass Kreta keine ganz kleine Insel ist und sich so die Reisenden ganz gut über die Insel verteilen können.
Natürlich ist besonders die Gegend östlich von Iráklion fest in Pauschaltouristenhand. Viele mögen das, andere fahren halt woanders hin.Read More

Fischen

Für das Fischen vom Ufer aus braucht man keine besondere Genehmigung, groß ist die Chance allerdings nicht, etwas Besonderes zu fangen. Die Einheimischen angeln trotzdem unverdrossen und hauen auch die kleinsten Fische in die Pfanne.

Auch hier wieder eine kleine Geschichte: Mein jüngerer Sohn, damals über den Daumen gepeilt etwa 10 Jahre alt, holte sich in Kalýves „Nachhilfeunterricht“ bei einem Einheimischen (wie er das ohne Sprachkenntnisse geschafft hat, weiß ich nicht). Jedenfalls mixte er mit Unterstützung meiner Frau einen offensichtlich sehr schmackhaften Köderbrei, den er dann mitsamt Angel an das äußerste Ende der Hafenmole von Kalýves trug. Read More

Literatur

Sicherlich muss sich derjenige, der sich Kreta nähern will, nicht vorher eingehend schulen. Für das Verständnis der Insel und ihrer Bewohner überall da, wo sie sich noch nicht ganz dem Tourismusgeschäft ergeben haben, ist es aber durchaus empfehlenswert, schon vor dem Urlaub das eine oder andere von oder über Kreta zu lesen (auch wenn hier meist ein Kreta dargestellt wird, das faktisch heute kaum noch existiert).

Deshalb hier ein paar Literaturhinweise:Read More

Religion

PicturesOG/kirche.jpgDie griechisch-orthodoxe Kirche lebt bewusst in der Tradition der frühen Christenheit. Auch auf Kreta ist die griechisch-orthodoxe Religion Staatsreligion, es gibt nur ganz vereinzelt auch kleine katholische Gemeinden.

Die orthodoxe Kirche bewahrt jedoch nicht nur die alten Traditionen, sondern sie war in der jahrhundertelangen Geschichte auch ein Bewahrer der griechischen Kultur. Stets befanden sich z. B. die kretischen Klöster in vorderster Front im Widerstand gegen fremde Herrscher, insbesondere gegen die Türken. Auch der große nationale Aufstand der Griechen ging von einem Kloster aus (wenn auch keinem kretischen): Am 25. März 1821 wurde im Kloster Agía Lávra auf der Peloponnes durch Bischof Germanós von Pátra die Fahne der Revolution gehisst. So traditionsreich und ehrwürdig die griechische Kirche also auch ist, so sehr ist sie doch dem Volk verbunden.

PicturesOG/kirche_apostoli.jpgEin deutliches Beispiel ist der Papás, der Pfarrer. Er gehört zwar zu den Honoratioren des Dorfes, ist aber ganz alltäglich im Kafenío oder bei der Feldarbeit anzutreffen (das spärliche Gehalt reicht meist nicht). Nur einmal aber habe ich einen Papás gesehen, der sogar tanzte, denn das geht ja nun doch zu weit.
Die Dorfpapádes haben immer auch eine „Papadiá“, eine Frau nämlich, und meist viele Kinder. Denn im Gegensatz zu seinem katholischen Kollegen muss der orthodoxe Priester vor Empfang der Weihen heiraten (dann ist es ihm allerdings verwehrt, in ein Kloster einzutreten oder zu höheren kirchlichen Ämtern und Würden zu gelangen). Der Papás ist ein Mann des Volkes, er lebt im, vom, für und mit dem Volk.

Meine damalige Freundin und ich haben mal einen trampenden (!) Papás mitgenommen, der uns schon nach zwei Kilometern anbot, uns zu trauen – und das völlig umsonst, nur etwas Anständiges zu essen und zu trinken, das müsse es schon geben! Wir haben uns aber damals (noch) nicht getraut bzw. trauen lassen (inzwischen sind wir seit über 28 Jahren verheiratet, allerdings nicht orthodox).

Mit etwas Glück kann man einen Papás beim Segnen eines Fischerbootes erleben, denn jedesmal, wenn ein Boot nach einem Landaufenthalt wieder ins Wasser kommt, ist das nötig. Und nach dem Segen legt der Papás die Utensilien beiseite und geht mit dem Fischer einen Rakí trinken.

PicturesOG/kirchlein_bei_spili.jpgAllgegenwärtig wie die Papádes sind die kleinen Kirchen und Kapellen auf der Insel, es sollen über tausend sein. Sie liegen teilweise auf unwegsamen Bergeshöhen oder in engen Schluchten, doch fast alle sind sie gepflegt und ebenso fast immer offen. Meist flackert vor der Ikonenwand im Inneren das eine oder andere Öllämpchen, vor und neben den Ikonen (billige Imitationen, schon wegen der Diebstahlsgefahr) hängen oft die kleinen silbernen Votivtäfelchen, die den Gegenstand der Bitte abbilden: Read More

Cretan Nights

Die Fremdenverkehrsindustrie hält vielerorts für den Reisenden die Möglichkeit bereit, gegen Gebühr an einem kretischen Folkloreabend teilzunehmen. Wie die Werbung suggeriert, handelt es sich hier um einen echten und unverfälschten Abend mit Musik, Tanz, Essen und Trinken in einem griechischen Dorf.

Tatsächlich handelt es sich bei allen diesen Veranstaltungen um eine ziemlich üble Verunglimpfung kretischen Volksguts. Ein in Anógia lebender bekannter Musiker soll einmal geäußert haben, all jene, die ein derart lächerliches Bild kretischer Volkskultur verbreiteten, gehörten am allerbesten und allesamt und sowieso sofort hinter Gitter.Read More

Essen und Trinken

PicturesOG/Fische_bettina.jpgWer Kreta auf der Landkarte betrachtet, findet es völlig vom Meer umschlossen (logisch, denn es ist schließlich eine Insel!). Und dass es im Meer Fische gibt, ist auch ohne Landkarte bekannt. Und sollte nicht die Spezialität einer Inselküche (also auch der Kretas) eigentlich eine frische reichhaltige und preiswerte Auswahl an Fisch sein?

Sollte schon, doch die Praxis sieht leider anders aus. Wer morgens kleinere Fischerboote beim Einlaufen beobachtet, der kann erleben, wie traurig oft ihr Fang aussieht. Einen nennenswerten Ertrag bringen eigentlich nur noch die wirklich großen Boote, die sehr weit hinausfahren und mit entsprechend großen und tiefergehenden Netzen fischen. Genau diese Trawler sind aber neben der kretisch-griechischen Unsitte des Dynamitfischens für eine immer stärkere Überfischung und Verarmung der Küstengewässer verantwortlich.

Sehr leckeren Fisch gibt es zwar natürlich auf Kreta, aber bedauerlicherweise ist er auch ziemlich teuer. Doch wo es ihn gibt, z.B. „Xifías“, den Schwertfisch, der fast nur aus Filet besteht und meist gegrillt mit Zitrone serviert wird, da sollte man ihn sich nicht entgehen lassen. Er schmeckt ausgesprochen lecker und hat praktisch keine Gräten.

Die besten und teuersten Fische sind „Barboúnia“, rötlich gefärbte Meerbarben, aber andere Fische schmecken frisch gegrillt kaum weniger gut. Es ist zu beachten, dass in den Speisekarten verzeichnete oder ausgehängte Preise sich fast nie auf die Portion beziehen, sondern fast immer auf das Kilogramm (oder einen Teil davon). Wenn also der nette Wirt noch einen Fisch dazulegt, ist das in der Regel keine Großzügigkeit, sondern verteuert die Mahlzeit.

Die weniger guten Fische werden gerne zu „Psarósoupa“ (auch „Kakaviá) verarbeitet, einer leckeren Fischsuppe mit Eier- und Zitronensauce, die aber in der Regel nicht durchgesiebt wird und deshalb reichlich (!) Gräten enthält.

In Hafenorten werden auch gerne Oktopus („Chtapódi“) oder Kalamári serviert, ersterer entweder gegrillt oder kalt mit Essig und Öl, Zwiebeln und/oder Petersilie, letzterer entweder auch gegrillt oder in Sauce gekocht (und in diesem Fall oft aus der Konservendose). Preiswerter als andere Fischgerichte. Ein gut zubereiteter Oktopus ist eine Delikatesse, die ich liebe, auf trockene Kalamaresringe in Panade verzichte ich hingegen gerne.

Zwei seltenere Fischspezialitäten sind Seeigel („Achinós“), deren Inneres roh serviert wird (ebenso wie Austern ist so etwas nicht jedermanns Sache), und Hummer („Astakós“), der aber wirklich nur zu empfehlen ist, wenn er bei der Bestellung noch zappelt (ansonsten ist er möglicherweise schon ein halbes dutzend Mal aufgetaut und wieder eingefroren worden).

Die genannten Fischgerichte gibt es aber nur in Lokalen in Hafenorten oder am Meer.

PicturesOG/Zourva Mittagessen 004.jpgDas Angebot einer normalen ländlichen Taverne beschränkt sich in der Regel auf kurzgebratenes Fleisch wie Souvláki oder Brisóla (Kotelett), Patátes tiganités (meist frische, frittierte Kartoffeln, aber auch schon immer öfter „echte“ labberige Pommes frites) und einen saisonbedingten Salat (im Sommer immer aus Gurken und Tomaten – mit Glück zuzüglich Oliven und/oder Zwiebeln und/oder Paprika. Kommt dann noch ein Stück Schafskäse drauf, wird der Salat zur „Choriátiki Saláta“, dem Bauernsalat, der mit Brot schon allein eine kleine Mahlzeit darstellt. Auf griechischen Speisekarten heißt er im englischsprachigen Teil meist „greek salad“, die deutsche Übersetzung „Bauernsalat“ ist korrekter.Read More