Iráklion – Die anderen Museen

Iráklion – Die anderen Museen

PicturesOG/irakhistor.jpgHistorisches Museum
Neben dem wirklich beeindruckenden Archäologischen Museum von Iráklion nimmt das Historische Museum nur einen „Platz am Katzentisch“ ein. Das ist sehr schade, denn die kretische Geschichte hat ja nun wirklich nicht mit den Römern aufgehört. Oder interessiert sich niemand für die jüngere kretische Geschichte (die wir Deutschen für kurze Zeit leider ebenfalls mitprägten?). Der Direktor des Museums hat eine Erklärung parat: „Wir führen ein Schattendasein, weil die Touristen nicht wissen, dass es uns gibt. Für Werbung fehlt uns das Geld.“ Ob das nun wirklich der Grund ist?

Sei es wie es sei, dem Historischen Museum seien jedenfalls mehr Besucher gewünscht. Es erfordert weniger Zeit als das Archäologische Museum und ist montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr geöffnet, samstags schließt es schon um 14 Uhr, sonn- und feiertags ist geschlossen.
Das Museum liegt an der Uferstraße Odós Makaríon westlich des Hafens (gegenüber des Xenia-Hotels).

Wer die „jüngere“ kretische Geschichte chronologisch betrachten möchte, der beginne im Untergeschoss und wandere in Ruhe bis ganz nach oben.

Untergeschoss: Byzantinisch-mittelalterliche Sammlung (ca. 6.-18. Jahrhundert)
Gezeigt werden frühchristliche, byzantinische, venezianische und türkische Gefäße, Grabsteine, Inschriftentafeln, Säulen- und andere Fragmente.

Erdgeschoss: Historische Sammlung
Der erste Raum links vom Eingang zeigt im Uhrzeigersinn gesehen venezianische Brustpanzer und Waffen wie Schwerter, Äxte, Pfeile und Handgranaten (!). Des weiteren Bilder kretischer Freiheitskämpfer gegen die Türken, ihre Waffen, andere Dokumente, eine Fahne mit dem berühmten Wahlspruch „Énosi i Thánatos“ („Vereinigung oder Tod“ – es ging dabei um den Anschluß Kretas an Griechenland) und letztendlich ein Bild des Prinzen Georg von Griechenland, seinen Schreibtisch und die Admiralsuniform, die er trug, als er im Dezember 1898 Kreta betrat.
In den weiteren Räumen auf der anderen Seite des Ganges ist eine umfangreiche Sammlung alter Münzen zu sehen, Töpferwaren, Meßgewänder und andere Kirchengerätschaften. Außerdem zahlreiche alte Ikonen. Sehr interessant (aber schon ziemlich verwittert) die Darstellung der Zwölf Apostel gegenüber des Eingangs. Die Christus-Ikone links des Eingangs erinnert allerdings weniger an den asketischen jungen Jesus, sondern stellt ihn als ölig-dicklichen Jüngling mit verwegenem Schnurrbart dar.

Im Gang zwei alte Kanonen, die den Eingang des Museums schützen, und viele alte Fotografien von der Insel. Manches, was hier dargestellt ist, sieht heute noch fast genauso aus. Am Ende des Ganges in einem kleinen Gewölberaum an Decke und Wänden Fragmente alter Fresken; ebenso an der Treppe rechts vorbei in einem weiteren Raum am Ende des Ganges.

Erster Stock:
Im Treppenhaus zum 1. Stock hängen Gemälde und historische Fahnen aus dem Befreiungskampf gegen die türkischen Besatzer (z.T. mit dem Schlachtruf der Kreter „Elevthería i Thánatos“ („Freiheit oder Tod“). Geradeaus dem Gang am Ende der Treppe folgend, Fotos aus dem Zweiten Weltkrieg (Deutsche Invasion), an der Decke ein deutscher Fallschirm.
Am Ende des Ganges rechter Hand das Arbeitszimmer von Emmanuel Tsoudéron, des ehemaligen griechischen Ministerpräsidenten. Man beachte einmal, wie spartanisch sein eigener Stuhl, wie opulent hingegen die für seine Besucher sind. Im gleichen Raum alte Karten und Bücher. In Vitrine 67 (an der Wand) werden Briefmarken aus der Zeit gezeigt, als Kreta noch nicht zu Griechenland gehörte (um die Jahrhundertwende); außerdem einige alte Briefmarken anderer Länder, die Kreta zum Thema haben.
Auf der anderen Seite des Ganges gegenüber das Arbeitszimmer des kretischen Schriftstellers Níkos Kazantzákis, in einem Vorraum eine Auswahl seiner Werke im Original und in diversen Übersetzungen. Wer sich darüber hinaus intensiver für den berühmtesten aller kretischen Schriftsteller interessiert, sollte das „Museum Níkos Kazantzákis“ besuchen (s.u.).

Zweiter Stock: Folkloreausstellung
Eine halbe Treppe höher werden Webarbeiten (Teppiche, Decken, Kissen), Spitzenarbeiten und alte kretische Kostüme gezeigt. Hinten rechts eine komplette Bauernstube mit einer „Sitzgruppe“ vor dem offenen Kamin, der auch als Kochstelle dient(e), im Hintergrund neben dem Doppelbett ein großer Webstuhl. Recht interessant ist auch die kleine Getreide-Handmühle aus zwei ineinander passenden Mühlsteinen vorne auf dem Fußboden.

Naturkundlich-Historisches Museum
Das Naturkundlich-Historische Museum der Universität von Kreta befindet sich in der Zufahrtsstraße nach Knossós, dem Leofóros Knossoú 157. Es wurde 1980 gegründet, ist aber erst seit 1998 in einer ständigen Ausstellung jedermann/frau zugänglich. Es bietet einen guten Überblick über die naturhistorische Entwicklung des östlichen Mittelmeerraums anhand lebensgroßer Dioramen u.a.

Direkt vom Eingangsbereich aus betritt man eine Ausstellung mit Fauna und Flora Kretas (Raum 2). Hält man sich rechts (Raum 3), gelangt man zur Ausstellung über Kretas Höhlen, gleich daneben (Raum 4) zu den Wäldern der Insel (von denen ja bekannt ist, daß es sie früher reichlicher gab, als heutzutage). In Raum 5 und 6 wiederum dahinter erfährt man etwas über die Feuchtgebiete, Strände und die Meeresfauna.

Wer nicht zwischendurch einen Kaffee braucht oder ein Mitbringsel kaufen will (denn nun erreicht man die entsprechenden Etablissements), wendet sich nun am besten wieder zum Eingangsbereich zurück, um sich dort dann links zu halten. Raum 10 und 11 sind den Gebirgen und den Macchiagebieten gewidmet. Besonders interessant in Raum 12 ist die Ausstellung über bedrohte Tierarten der Insel wie den Bartgeier oder das „Agrimi“, die kretische Wildziege. Beide stehen ja schon länger unter Naturschutz.
Ein Abstecher in den Hof führt zu einem Botanischen Garten.
Im 1. Stock des Museums findet man Ausstellungen zur menschlichen Evolution, der minoischen Entwicklung, Fossilien und Mineralien und einen Überblick über die geologische Entwicklung der Insel. Und übrigens auch die Toiletten …
In meinen Augen stellt dieses Museum eine sehr interessante Ergänzung zu den beiden anderen „großen“ Museen Iráklions dar und ist unbedingt einen Besuch wert. Über die jeweils aktuellen Öffnungszeiten informiert die Touristeninformation.


Museum Níkos Kazantzákis
Dieses Museum liegt nicht in Iráklion selbst, sondern in Myrtiá, einem Dorf südlich der Stadt (wer über kein eigenes oder gemietetes Fahrzeug verfügt, nimmt sich am besten ein Taxi, wobei der Preis vorher ausgemacht werden sollte).

Man verlässt Iráklion von der Platía Elevtherías über die Ausfallstraße Richtung Knossós, lässt diese Ausgrabungen aber links liegen, falls man nicht den Besuch der beiden Sehenswürdigkeiten miteinander verbinden will. Etwa 6 Kilometer von Iráklion entfernt sind nahe der Straße die Reste eines alten Aquäduktes zu sehen. Hinter dem Dorf Spiliá biegt man links ab in Richtung Skaláni (Ausschilderung auch zum Museum), in diesem Dorf dann am Ortseingang wiederum rechts ab. Wenige Kilometer später erreicht man Myrtiá, das Museum liegt auf dem Dorfplatz. Es ist ganz allein dem Leben und Werk von Níkos Kazantzákis gewidmet, dem berühmten kretischen Schriftsteller (z.B. „Alexis Sorbas“ oder „Die letzte Versuchung“).

PicturesOG/kazantzakis.jpgGeöffnet ist das Museum von März – Oktober täglich von 9-13 Uhr (außer Donnerstag); zusätzlich montags, mittwochs, donnerstags und sonntags von 16-20 Uhr. Im Winterhalbjahr nur sonntags von 9-14 Uhr, da dann wohl kaum noch Interesse vorhanden ist.
Sicherheitshalber lasse man sich die Öffnungszeiten vorher bei der Touristeninformation (EOT) in Iráklion bestätigen.

Die Vitrinen sind beschriftet, deshalb hier nur einige kurze Hinweise auf besonders Interessantes:

Raum 1: Bilder aus seinem Leben, sowie Bücher, die Kazantzákis ins Griechische übersetzte (u.a. Nietzsche, Büchner, H. Bergson). Außerdem Bilder aus seinem Theaterschaffen, Kostümentwürfe und Handschriftliches von ihm.

Raum 2: Zwei Büsten des Dichters. In der ersten Vitrine rechts oben ein handschriftlicher Brief (auf griechisch), der mit „liebe, liebe Germaine“ beginnt. Jugendbücher und weitere Bilder aus seinem Theaterschaffen.

Raum 3: Prachtausgaben der „Odyssee“ und eine weitere Büste.

Raum 4: Puppen mit Theaterkostümen. Über dem Kamin ein Mosaikbild des Dichters (von Álkis Voliótis). In einem Vortragsraum nebenan eine Sammlung aller seiner Werke in Übersetzung (eine Unmenge!).

Raum 5: (oben geradeaus) Z.B. in Vitrine 26 Bilder, Skizzen und Programme aus seinem Theaterschaffen.

Raum 6: Bücher und Bilder, Modelle von Bühnenbildern. In Vitrine 38 ein Brief von Albert Schweitzer an Níkos Kazantzákis und ein Foto der beiden. In Vitrinen 45 und 47 persönliche Gegenstände (Pfeifen, Handschuhe, Krawatten u.a. sowie verschiedene Ausweise). Dazu eine Blechschachtel mit Zimt und Muskatnuß, die er auf alle Reisen mitnahm und beim Schreiben geöffnet vor sich auf den Tisch stellte.

Ein etwas ausführlicherer Führer durch das Museum ist an der Kasse erhältlich.

Ikonen-Museum
Das Ikonen-„Museum“ ist in der Kirche der Agía Aekateríni am gleichnamigen Platz (Platía Agías Aekaterínis) untergebracht. Hier hängen sehr schöne Ikonen, in erster Linie solche im sog. „Kretischen Stil“. Einige stammen sogar vom berühmtesten Vertreter dieser Kunst aus Kreta, Michális Damaskinós. Die Kirche ist montags bis freitags von 9.30 bis 16 Uhr geöffnet.

Iráklion – Allgemeine Einführung

Iráklion – Allgemeine Einführung

Iráklion – Kleiner Rundgang

Iráklion – Kleiner Rundgang

Iráklion – Sehenswürdigkeiten

Iráklion – Sehenswürdigkeiten

Iráklion – Archäologisches Museum

Iráklion – Archäologisches Museum

Iráklion – Die anderen Museen

Iráklion – Die anderen Museen

Iráklion – Essen und Trinken

Iráklion – Essen und Trinken

Iráklion – Adressen – Ärztliche Versorgung – Auto- und Motorrollervermietung – Banken

Iráklion Adressen

Iráklion – Nachtleben / Sonstiges

Iráklion – Nachtleben

Iráklion – Baden

Iráklion – Baden

Iráklion – Archäologisches Museum

Iráklion – Archäologisches Museum

2008-2010 (einschließlich) war/ist das Museum leider geschlossen, weil es renoviert wurde/wird. Ich hoffe, die Beschreibungen hier stimmen nach der Wiedereröffnung noch einigermaßen.

Das Archäologische Museum in Iráklion hat wohl die meisten Besucher aller Museen Kretas. Das ist weiter nicht verwunderlich, bietet es doch die größte Sammlung minoischer Kulturgüter auf der ganzen Welt. Aus allen Epochen der minPicturesOG/ami-delphine.jpgoischen Zeit und aus allen Teilen Kretas sind hier Funde zusammengetragen worden. Das Museum liegt in der Odós Xanthoudídou, einer Nebenstraße der Platía Elevtherías (gegenüber der Touristeninformation EOT). Es ist an Wochentagen von 9 bis 17 Uhr geöffnet, an Sonn- und Feiertagen von 9 bis 15 Uhr.

Die Fülle der Ausstellungsgegenstände erschlägt den Besucher tatsächlich. Mit einem einzigen Besuch kann man gar nicht alles sehen bzw. nicht richtig wahrnehmen. Wer sich also für die minoische Vergangenheit Kretas interessiert, sollte mehrfach ins Museum gehen und sich jedesmal ein paar andere Säle vornehmen. Im folgenden ein kurzer Überblick, was in den einzelnen Sälen bzw. Vitrinen zu sehen ist, einen ausführlichen Führer gibt es für einen vergleichsweise lächerlichen Preis an der Kasse, verfaßt von einem ehemaligen Direktor des Museums, Stylianós Alexíou.

Saal I: Neolithikum und Präpalatikum (Vorpalastzeit) 7000 – 2000 v. Chr.
In den ersten beiden Vitrinen, direkt rechts vom Eingang, Funde aus dem Neolithikum aus der Eileithyia-Grotte und aus Knossós (unter der Palastanlage ausgegraben) sowie aus Festós. Einfachere, ohne Töpferscheibe hergestellte Keramik, Statuetten, einfache Werkzeuge.
Die anderen Vitrinen zeigen Funde aus der Vorpalastzeit. Die meisten von ihnen stammen aus Gräbern. Handwerkliche Fortschritte sind unübersehbar, nicht nur in der Keramik, sondern auch in der Bearbeitung von Stein. In Vitrine 11 eine große Sammlung alter Siegelsteine (Nachahmungen davon gibt es in vielen Andenkengeschäften zu kaufen und selbst die neuen sind hübsch). Auch erste Funde von Metallbearbeitung sind zu sehen, z.B. Dolchklingen (Vitrine 14) und Schmuck (Vitrine 16 bis 18).

Saal II: Protopalatikum (Altpalastzeit) 2000 – 1700 v. Chr.
Hier sind Funde aus den ersten Palästen von Knossós und Mália bzw. aus Heiligtümern zu sehen. Vor allen Dingen in der Keramik wurden nicht zuletzt durch die Erfindung der Töpferscheibe große Fortschritte gemacht, die Formen der Gefäße wurden vervollkommnet, teilweise wurden sie extrem dünnwandig hergestellt („Eierschalenkeramik“) und mehrfarbig (weiß, orangerot) bemalt („Kamáresstil“). Besonders schöne Exemplare in Vitrine 22/23. In Vitrine 24 kleine Terrakottafiguren, die Votivzwecken dienten, und in Vitrine 25 das „Stadtmosaik“ von Knossós (u.a.). In Vitrine 28 wieder eine große Sammlung von Siegelsteinen.

PicturesOG/ami-diskos.jpgSaal III: Protopalatikum 2000 – 1700 v. Chr.
Funde aus dem Palast von Festós in der Messaráebene. In Vitrine 30 Funde mehrfarbig bemalter Vasen aus der Kamáres-Höhle (deshalb auch die Bezeichnung „Kamáres-Stil“, diese Funde waren die ersten dieser Art). Weitere Keramik im gleichen Stil in den folgenden Vitrinen. Das berühmteste Ausstellungsstück dieses Saales findet der Besucher in Vitrine 41, den „Diskos“ von Festós (dessen Nachbildung als Anhänger in jedem Souvenirgeschäft zu haben ist). Im Original ist er aus Ton. Die spiralförmig nach innen laufende hieroglyphenartige Schrift ist bis heute nicht entziffert, deshalb besteht auch immer noch keine wirkliche Klarheit über den Gebrauchswert oder die Funktion des „Diskos“, der aus der auslaufenden Altpalastzeit stammt. In Vitrine 42/43 Kultgeräte und Geschirr aus Festós.

Saal IV: Neopalatikum (Neue Palastzeit) 1700 – 1450 v. Chr.
Funde aus den Neuen Palästen von Knossós, Festós und Mália. Als 1700 v. Chr. die alten Paläste der Insel zerstört wurden, entstanden schon bald die neuen, schöner und prachtvoller als zuvor.
PicturesOG/ami-stierspringen.jpgDie Kultur und das Kunsthandwerk befanden sich auf einem Höhepunkt. Keramik, Töpferei, Metallbearbeitung – Beispiele dafür Vitrine 44 bis 49. In den Vitrinen 50/51 kultische Gegenstände aus Knossós. Z.B. die kleinen Statuetten der Schlangengöttinnen im traditionellen busenfreien minoischen Frauengewand (muß eine schöne Zeit gewesen sein!) und ein fein gearbeiteter Stierkopf (Kultgefäß für Flüssigkeitsopfer). Der Stierkopf ist eines der religiösen Symbole Kretas, der Stierkult kam ziemlich sicher aus dem östlichen Kleinasien nach Kreta. In diesem Zusammenhang ist auch das „Stierspringen“ zu sehen (Fresko im Saal XIV). Einen solchen Stierspringer kann man in Vitrine 56 sehen, er wird im Fliegen, also beim Sprung dargestellt, der Rest der Gruppe ist leider nicht erhalten. In Vitrine 52 zwei Schwerter, von denen eines einen Akrobaten zeigt, der über ein Schwert springt. Man vermutet deshalb, daß es sich bei diesem Schwert um sein „Arbeitsgerät“ handelt.

Saal V: Neopalatikum – Spätzeit 1450 – 1400 v. Chr.
Funde aus der Spätzeit des Palastes von Knossós, der als einziger Palast nach der großen Flutkatastrophe von ca. 1450 v. Chr. noch einmal „auflebte“. In der Keramik entsteht der neue sogenannte „Palaststil“. Erste mykenische Einflüsse sind erkennbar. Die Vitrinen 60 bis 68 zeigen hauptsächlich Keramik und kleine Statuetten. In Vitrine 69 Tontäfelchen in Linear-A- und B-Schrift, nur letztere ist entziffert, es handelt sich aber leider prosaischerweise nur um buchhalterische bzw. inventarische Aufzeichnungen. In diesem Saal außerdem das Modell eines minoischen Hauses in Archánes und der königlichen Villa in Knossós.

PicturesOG/ami-melisses.jpgSaal VI: Neo- und Postpalatikum 1700 – 1300 v. Chr.
Funde in Gräbern um Knossós und Festós: Figuren, Vasen und andere Gefäße (in Vitrine 75 A das Skelett eines Pferdes), Waffen und andere Grabbeigaben (in Vitrine 78 ein Helm aus auf Leder aufgenähten Eberzähnen, ein einmaliger Fund auf Kreta, deshalb wird „Importware“ vermutet) sowie Schmuck. In den Vitrinen 81 und 87 besonders schöne Goldschmiedearbeiten. In Vitrine 88 Beigaben aus den mykenischen Tholosgräbern bei Archánes.

Saal VII: Neopalatikum 1700 – 1450 v. Chr.
Funde aus Villen und Herrenhäusern, Gräbern und Kultstätten. Die minoische Kultur jener Zeit war nicht auf die Paläste beschränkt. Auch in kleineren Ausgrabungen wurden Funde gemacht, die von der minoischen Blütezeit zeugen. Direkt rechts an der Wand drei restaurierte Doppeläxte (neben dem Stierkopf das zweite religiöse Symbol der Insel). Des weiteren Gefäße, Haushaltsgegenstände, Keramik, Votivgaben wie kleine bronzene Tiere u.a. (Vitrine 92). In den Vitrinen 94/95 Funde aus Agía Triáda bei Festós, z.B. die „Schnittervase“, die eine Gruppe marschierender Männer zeigt.
Außerdem weitere Doppeläxte (Vitrine 98 und 101), Schmuck, Werkzeuge und in Vitrine 99 „Talente“ aus Kupfer (Zahlungsmittel von je 29 Kilo …).

Saal VIII: Neopalatikum 1700 – 1450 v. Chr.
Die Funde aus dem Palast von Káto Zákros, der als letzter der vier großen minoischen Paläste entdeckt wurde. Die ersten Vitrinen zeigen vorwiegend Kultur und Gebrauchsgefäße aus Stein, Ton oder Bronze. In Vitrine 112 Waffen und eine mit Bronze verzierte Doppelaxt sowie Werkzeuge, in Vitrine 113 Elefantenzähne und Kupfertalente. In Vitrine 114 wohl kultischen Zwecken dienende Kelche aus kostbarem Gestein wie Marmor oder Obsidian. Mehrere bronzene Sägen in Vitrine 115. Und ein ähnlicher, aber etwas kleinerer Stierkopf als der aus Knossós (Saal IV), der wohl ebenfalls kultischen Zwecken diente, in Vitrine 116.

Saal IX: Neopalatikum 1700 – 1450 v. Chr.
Ausstellungsstücke anderer ostkretischer Fundstätten. Vitrine 119 bis 122 Keramik-Gefäße aus Palékastro, Goúrnia und Psíra. In Vitrine 123 kleine Terrakottafiguren, Menschen und Käfer, Weihegaben, die im Gipfelheiligtum von Piskokéfalo gefunden wurden. In Vitrine 124 wieder eine große und variantenreiche Sammlung von Siegelsteinen, ebenso in Vitrine 128. Vitrine 125 bis 129 zeigen Gefäße und Vasen, Vitrine 127 Werkzeuge und Waffen aus Bronze.

PicturesOG/ami-snake.jpgSaal X: Postpalatikum (Nachpalastzeit) 1450 – 1100 v. Chr.
Mit der Zerstörung der Paläste einher geht auch der Niedergang der minoischen Kultur. Das Kunsthandwerk wurde wieder einfacher, erste Einflüsse der mykenischen Einwanderer nach Kreta werden deutlich. Die Funde in diesem Saal stammen aus allen Teilen Kretas. Die Vitrinen 130 bis 133 zeigen Töpferei und Keramik, die Muster werden wieder einfacher. Weibliche Statuetten aus dem Heiligtum von Gázi in Vitrine 133. Die beiden folgenden Vitrinen zeigen Funde aus Zentralkreta, Grabbeigaben, Statuetten etc. Ebenfalls mykenische Einflüsse dann erkennbar in Vitrine 137, es handelt sich um Grabbeigaben mykenischer Funde. In Vitrine 139 Schmuck und Material zur Schmuckherstellung (Negativformen aus Stein). Die Vitrinen 140 bis 143 zeigen Kultobjekte wie Vasen und Tongefäße, Plastiken von Menschen (Göttinnen) und Tieren, und Vitrine 144 schließlich Waffen und Werkzeuge aus Bronze. Besonders interessant sind nach Archäologenmeinung auch gefundene Gewandfibeln aus Bronze, die einen Wandel in der Art der Bekleidung dokumentieren.

Saal XI: Subminoische und frühgeometrische Zeit 1100 – 800 v. Chr.
Die Dorer kamen nach Kreta und brachten die ersten Eisenwaffen mit auf die Insel. Mit ihrer Hilfe eroberten sie die Burgen der Mykener. Die einheimische Bevölkerung flüchtete ins Innere der Insel, wo sie ihre alte minoische Kultur noch eine ganze Weile aufrechterhalten konnte. Sie wurden später von den Griechen als die „echten“, als „Eteokreter“ bezeichnet. Funde aus solchen eteokretischen Siedlungen zeigen besonders Vitrine 148 und 154. Im übrigen Kreta setzt sich der dorische Einfluß durch, so auch in Form des neuen Werkstoffs Eisen, nicht nur für Waffen. In Vitrine 145 besonders sehenswert ein kleiner „Kernos“ (runder Opferstein mit mehreren Vertiefungenen für z.B. Getreideopfer), der reich verziert ist.
In Vitrine 146 u.a. zwei große Vasen, in denen die Asche der Toten aufbewahrt wurde, mit Totenklageszenen verziert, in Vitrine 147 Töpferei und kleine Figürchen aus Bronze. Kultische Statuetten einer Göttin mit erhobenem Arm und die interessante Darstellung eines Ochsenwagens (den Körper des Ochsen ließ der Künstler der Einfachheit halber weg, am Wagen angesetzt sind nur die Köpfe der Tiere) sind in Vitrine 148 zu sehen. In Vitrine 149 Funde aus der Höhle der Eileithyia (Göttin der Fruchtbarkeit und Geburt) bei Tsoútsouros im Süden der Insel: Statuetten und andere Votivgaben, die alle mit Zeugung, Geburt und Säuglingen zu tun haben. Der Kult in dieser Höhle begann schon in der minoischen Zeit und ging bis hin zu den Römern weiter, wie die verschiedenen Funde beweisen. Sogar aus Ägypten stammen ein paar kleine Figürchen aus Elfenbein.
In den beiden folgenden Vitrinen werden Keramik und andere Grabbeigaben gezeigt. In Vitrine 153 die ersten Waffen und Werkzeuge aus Eisen. In Vitrine 154 wieder eteokretische Funde aus der Siedlung bei Karfí (wie auch schon die Ausstellungsstücke in Vitrine 148) und in den Vitrinen 155 bis 157 geometrische Amphoren und andere Gefäße. In Vitrine 158 noch einmal Funde aus der Eileithyia-Höhle (s. Vitrine 148): Werkzeuge, Goldschmuck, Siegel.

Saal XII: Geometrische und orientalisierende Zeit 800 – 650 v. Chr.
Fast alle Funde stammen aus der Gegend von Knossós. Die Vitrinen 160 bis 161C zeigen Funde aus einer neueren Ausgrabung eines Gipfelheiligtums bei Sími/Viános: Votivgaben aller Art, vor allen Dingen Figürchen. Vitrine 162 Grabbeigaben aus den Gräbern des „orientalisierenden Stils“, der östliche Einflüsse in die kretische Kunst einbringt. Vitrinen 166 bis 168 weitere Grabbeigaben aus und um Knossós. Und schließlich sind in den Vitrinen 169/170 Funde aus der Zeushöhle im Idagebirge zu sehen: Bronzearbeiten und Goldschmuck.

PicturesOG/ami-lilienprinz.jpgSaal XIII: Minoische Sarkophage
Der Saal XIII liegt im Erdgeschoß links der Eingangshalle. Hier steht eine große Sammlung verzierter minoischer Tonsarkophage, die im Postpalatikum häufig zur Bestattung der Toten Verwendung fanden. Ihre geringe Größe läßt nicht etwa auf Zwergwuchs der Minoer schließen, die Toten wurden vielmehr in Hockstellung beerdigt, um Platz zu sparen. An der Treppe zum Obergeschoß stehen große „Pithoi“, tönerne Vorratsbehälter. Der Besucher steigt nun von hier aus nach oben und erreicht Saal XIV.

Saal XIV: Minoische Wandgemälde 1600 – 1400 v.Chr.
Die meisten der hier ausgestellten Fresken stammen aus dem Palast von Knossós und aus Ostkreta. „Stammen aus“ muß allerdings so verstanden werden, daß von den Original-Malereien nur sehr geringe Reste vorhanden waren, die hier restauriert und (re)konstruiert gezeigt werden. Es ist zumindest nicht auszuschließen, daß die Restauratoren (ebenso wie Evans im Palast von Knossós) ihrer Phantasie nicht immer genügend Zügel angelegt haben.
In den beiden kleineren Sälen XV und XVI weitere Fresken.

Saal XVII: Sammlung Giammalákis
In diesem Saal ist die bedeutendste Privatsammlung minoischer Kunstgegenstände zu sehen, die der Sammler dem Museum mit seinem Tode vermacht hat.

Saal XVIII: Kleinere Kunstgegenstände aus archaischer, hellenischer und römischer Zeit:
Wer immer noch nicht genug hat, kann hier in Schmuckstücken, Münzen, Tonfigürchen etc. noch einmal schwelgen.

Iráklion Kreta Infos

Iráklion – Kreta

Iráklion – Allgemeine Einführung

Iráklion – Allgemeine Einführung

Was Athen für Griechenland, ist Iráklion für Kreta: eine laute, geschäftige, eigentlich eher recht ungemütliche, unkontrolliert wachsende Metropole, aber auch ePicturesOG/irakhafen.jpgin Ort, an dem man alles bekommt, was es nirgendwo sonst (oder fast nirgendwo, denn auch einige der anderen Städte der Insel sind wirklich keine Dörfer) gibt. Ein Ort, an dem sich der Tourist nur gezwungen aufhält? Weil er da mit fast allen Charterflügen und zumindest mit der Hälfte aller Fährverbindungen ab Piräus landet? Ein Ort, den man am liebsten und besten ganz schnell hinter sich lässt?

Ja und gleichzeitig absolut Nein! Zum gemütlichen Verweilen lädt Iráklion zumindest auf den ersten Blick tatsächlich nicht ein, dafür ist es zu laut und zu wenig „romantisch“. Und kommt man mit Schiff oder Flugzeug an, wirken Stadt wie Flughafen alles andere als besonders einladend, wenn man sich die weißgekalkten Häuser eines Hafenortes auf den Kykladen vorgestellt hat. Wer vom Flughafen in die Stadt fährt, bekommt darüber hinaus auch noch die allerhässlichsten Teile der Stadt als Willkommensgruß zu sehen. Mein (damals) 7-jähriger Sohn kommentierte nach anstrengendem Flug mit Zwischenlandung in Rhodos und nächtlicher Taxifahrt ins Zentrum: „Jetzt weiß ich, dass wir auf Kreta sind, hier liegt überall so viel Müll rum.“ Und so ist es leider hier ganz besonders.
Wer Iráklion einmal kennt und es nicht nach seinen zugegeben nicht gerade hübschen Außenbezirken beurteilt, wird dem allerdings entgegenhalten: Hier ist wenigstens was los. Und das durchaus nicht nur auf touristische Vergnügungen bezogen, denn davon wird anderswo sicher mehr geboten. Iráklion ist tatsächlich eine brodelnde Metropole, hier ist das kretisch-städtische (unromantische) Leben auf seinem Höhepunkt. Und auch das hat seinen Reiz.

Und um eben noch eine weitverbreitete Macke auszuräumen: der Ort heißt nicht Heráklion, diese Verstümmelung verdankt er nur der (antiquierten) Umschreibungskonvention und der damit verbundenen Tatsache, dass alle Charterpiloten sich immerzu im Anflug auf „Heraklion“ befinden. Das ignoriere man einfach und nenne den Ort bei seinem richtigen Namen: Iráklion.

So wichtig und bedeutend die Stadt heute für Kreta ist, sie war es durchaus nicht immer. In minoischen Zeiten genoß sie ein absolutes Schattendasein als kleiner Nebenhafen von Knossós. Erst die Araber gründeten an der Stelle des heutigen Iráklion eine Stadt, nachdem sie Kreta von Süden her erobert hatten. Sie nannten die Stadt Rabd-el-Kandak. Nachdem die Griechen die Stadt zurückerobert hatten, nannten sie sie in Anlehnung an den arabischen Namen „Chandax“, die Venezianer machten später „Candia“ daraus, ein Name übrigens, der auch für ganz Kreta galt. Während der türkischen Fremdherrschaft hieß die Stadt „Megalokástro“, die „Große Burg“, und unter diesem Namen kommt sie z. B. auch in Níkos Kazantzákis‘ Roman „Freiheit oder Tod“ (im Original „O Kapetán Michális“) vor.

Die heute teilweise noch erhaltenen (bzw. restaurierten) gewaltigen Stadtmauern hatten den Türken seinerzeit die Eroberung sehr schwer gemacht. Diese behoben auch nach der Eroberung die Schäden an den Mauern nicht, sondern ließen alles langsam verrotten. Im Schatten der Mauern entwickelten sich slumähnliche Wohnviertel, die erst vor 25 Jahren verschwanden, als die griechische Regierung (inzwischen hieß die Stadt „endlich“ Iráklion, und zwar seit dem Anschluss an das griechische Mutterland) umfangreiche Sanierungsmaßnahmen durchführte. Die so restaurierte Stadtmauer, auf der man in praller Sonne umherspazieren kann, gehört heute mit zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Iráklion als Kretas größte Stadt hat wegen des Umfangs eine eigene Subnavigation

Iráklion Kreta Infos

Iráklion – Kreta

Prometheus

Prometheus

Er galt als ein wirklich schlaues Kerlchen, der im Voraus denkende Prometheus (so die ungefähre Übersetzung seines Namens). Er war listiger als Odysseus, wenn man der Mythologie glauben darf.
Und er dachte pragmatisch. Bei einem großen Tieropfer überlegte er, warum er denn das Fleisch und die Innereien eines Tiers opfern sollte, wenn es denn auch Fell und Knochen täten. Also verbarg er ersteres unter dem Magen des Tieres und bot letzteres Zeus als Opfer an. Da jener nur dann ein bisschen blind war, wenn es wieder mal um eine schöne Frau ging, erkannte er den Schwindel, wählte zwar bewusst den von Prometheus angebotenen falschen Haufen aus, gedachte aber sogleich, sich zu rächen. Prometheus weiterlesen

Die Musen

Die Musen

Wie man immer wieder hört und liest, war der gute alte Zeus ein richtiger Schwerenöter. Er trieb sich gerne auf der Erde herum und besonders gerne trieb er es mit den Damen seiner Schöpfung. Man kennt ja auch die Geschichte, wie er als Stier verkleidet Europa, die Tochter des Phönizierkönigs Agenor nach Kreta entführte, um sie dortselbst zu vernaschen.
Natürlich, nachdem er sich wieder zurückverwandelt hatte, den Stier wollte er ihr nicht zumuten. Aber um Kreta soll es hier nicht gehen, sondern um das Ergebnis anderer Liebesabenteuer des scharfen Götterchefs. Die Musen weiterlesen

Kleine kretische Mythologie

Kleine kretische Mythologie

oder: Von Göttern, Helden, Frauen, Stieren und Bruchpiloten

Neben den geschichtlich belegbaren Fakten gibt es wie überall auf der Welt auch auf Kreta einen mythologischen Sagenkreis, dessen Hauptpersonen in Götter- und Heldenkreisen zu finden sind.

Es beginnt gleich recht barbarisch: Da Krónos, dem Herrn der Erde, von seinem Vorgänger Uranós prophezeit worden war, er werde die Weltherrschaft an seinen Sohn verlieren, griff er zu einem seiner Meinung nach probaten Mittel: Er fraß alle seine Kinder gleich nach ihrer Geburt einfach auf. Seine Gattin Rhéa konnte sich mit Krónos‘ Essgewohnheiten verständlicherweise nicht so sehr anfreunden, deshalb gebar sie ihren Sohn Zeus heimlich (angeblich in der „Diktéon Ándron“, der Höhle im Díkte-Gebirge) und gab Krónos einen in Windeln gewickelten Stein zu fressen. Er verschlang ihn wie alle Geschwister zuvor ohne lange nachzuschauen. Kleine kretische Mythologie weiterlesen

Raubfischer auf Kreta

Raubfischer auf Kreta

Der verrostete Pick-up von Manólis stoppte mit quietschenden Reifen vor Jannis‘ Kneipe. Michális winkte aus dem Fenster.
„Ela, Níko, beeil dich!“ Sonst hatten die Dussel immer alle Zeit der Welt, aber jetzt durfte ich nicht mal mehr in Ruhe mein Bier austrinken. Also los! Ich saß kaum richtig hinten auf dem Wagen, ging es schon weiter. Manólis fuhr, als müsse er den letzten 150 Metern bis zur Mole einen neuen Weltrekord fahren. Raubfischer auf Kreta weiterlesen

Die Waldzeitungen

Die Waldzeitungen

Es war einmal ein sehr großer Wald, in dem sehr viele Tiere lebten. Viele von ihnen kannten sich, viele aber auch nicht, denn wie gesagt, der Wald war so groß, daß die meisten Tiere nur einen ganz kleinen Teil davon kannten. Aber die Tiere waren sehr neugierig, und immer wenn sie einem anderen begegneten, fragten sie nach dem Woher und dem Wohin und wie es denn woanders aussehe. Die Waldzeitungen weiterlesen

Monatskarte

Monatskarte

Allmählich ging ihm dieses Leben auf den Geist! Jeder Tag war wie der vorhergehende, und der nächste würde sicherlich auch nicht viel anders sein: gleichförmiges Rollen, nur ab und zu unterbrochen durch eine blecherne Stimme aus einem Lautsprecher. Jedesmal musste er dann sein kleines Zimmer verlassen, bis das Rollen wieder begann und er zu seinem Buch zurückkehren konnte, mit dem er die Zeit zubrachte, bis ihn wieder eine dieser Lautsprecherstimmen von seinem gemütlichen Plätzchen vertrieb.
Damals hatte er die Idee eigentlich nicht schlecht gefunden. Er war sehr plötzlich darauf gekommen, nachdem er sich wieder einmal völlig umsonst in diese Traube aus Menschenleibern gedrängt hatte, dem Ersticken nahe, von hinten geschoben, von vorne „drängel doch nicht so, du Arschloch“. Er hatte zwar wie immer seinen „Kölner Stadtanzeiger“ mit den Wohnungsanzeigen bekommen, aber wie immer viel zu spät. Viele Autos waren zwischenzeitlich mit quietschenden Reifen gestartet, die nahen Telefonzellen alle längst besetzt. Wie immer hatten andere das Rennen gemacht, während er fast platt gedrückt worden war. Monatskarte weiterlesen

Fahrkartenkontrolle

Fahrkartenkontrolle

„Ich bin am Verhungern, wo bleibt bloß der Kellner?“
Mein Sohn Ralf schaut auf.
„Ich glaube, da kommt er.“
Dann wird er plötzlich blass.
„Nein, das ist eine Kontrolle.“
„Eine was?“
Ich drehe mich um und dann sehe ich sie auch. Zwei Mann und eine Frau hoch, graue Uniformen, die sich langsam an den Tischreihen der griechischen Lokals, in der wir sitzen, rechts und links vorbei schieben. Und schon erreicht die Frau unseren Tisch, sie lässt kurz einen Ausweis aufblitzen. Fahrkartenkontrolle weiterlesen