Monatskarte

Monatskarte

Allmählich ging ihm dieses Leben auf den Geist! Jeder Tag war wie der vorhergehende, und der nächste würde sicherlich auch nicht viel anders sein: gleichförmiges Rollen, nur ab und zu unterbrochen durch eine blecherne Stimme aus einem Lautsprecher. Jedesmal musste er dann sein kleines Zimmer verlassen, bis das Rollen wieder begann und er zu seinem Buch zurückkehren konnte, mit dem er die Zeit zubrachte, bis ihn wieder eine dieser Lautsprecherstimmen von seinem gemütlichen Plätzchen vertrieb.
Damals hatte er die Idee eigentlich nicht schlecht gefunden. Er war sehr plötzlich darauf gekommen, nachdem er sich wieder einmal völlig umsonst in diese Traube aus Menschenleibern gedrängt hatte, dem Ersticken nahe, von hinten geschoben, von vorne „drängel doch nicht so, du Arschloch“. Er hatte zwar wie immer seinen „Kölner Stadtanzeiger“ mit den Wohnungsanzeigen bekommen, aber wie immer viel zu spät. Viele Autos waren zwischenzeitlich mit quietschenden Reifen gestartet, die nahen Telefonzellen alle längst besetzt. Wie immer hatten andere das Rennen gemacht, während er fast platt gedrückt worden war. „Monatskarte“ weiterlesen

Fahrkartenkontrolle

Fahrkartenkontrolle

„Ich bin am Verhungern, wo bleibt bloß der Kellner?“
Mein Sohn Ralf schaut auf.
„Ich glaube, da kommt er.“
Dann wird er plötzlich blass.
„Nein, das ist eine Kontrolle.“
„Eine was?“
Ich drehe mich um und dann sehe ich sie auch. Zwei Mann und eine Frau hoch, graue Uniformen, die sich langsam an den Tischreihen der griechischen Lokals, in der wir sitzen, rechts und links vorbei schieben. Und schon erreicht die Frau unseren Tisch, sie lässt kurz einen Ausweis aufblitzen. „Fahrkartenkontrolle“ weiterlesen